Warum tragen viele Rapper ein „Lil“ im Namen? Erklärung, Bedeutung

Warum tragen viele Rapper ein Lil im Namen, Erklärung, Bedeutung


Lil Uzi Vert oder Lil Baby, aber auch DaBaby oder Juice WRLD: Viele Hip-Hop-Stars verwenden infantile, verniedlichende Pseudonyme, die sie scheinbar kleiner, vor allem aber jünger machen. Das „Lil“ im Namen dominiert dabei ganz eindeutig. Der Trend hat einen Hintergrund. Diesen erfährst du in diesem Beitrag.

Warum tragen viele Rapper ein „Lil“ im Namen? Erklärung, Bedeutung

Es ist hier niemand bei der Namenserfindung (die Namen sind durchweg Pseudonyme) auf der Tastatur ausgerutscht. Die derzeit erfolgreichsten US-Hip-Hopper heißen ganz bewusst so. Sie dominieren schon seit Anfang 2020 die Billboardcharts, denn in den USA entfielen acht der Top-Ten-Singles allein im Juli auf das Genre. Ähnlich sieht es in den Albumcharts aus.

Daher ist es durchaus interessant, nicht nur den Hip-Hop selbst, sondern auch die Geschichte und den Hintergrund seiner Namensfindung zu kennen. Grundsätzlich gilt: Ein Name muss in dieser Szene immer punktgenau zum Stil passen. Die Rapper legen sich daher grundsätzlich Künstlernamen zu, was inzwischen eine lange Tradition hat. Jeffrey Ogbar (University of Connecticut) hat lange dazu geforscht und gilt inzwischen als Hip-Hop-Experte. Er beschreibt die Entwicklung so: Ein Pionier des Genres war Grandmaster Flash. Er trat seit den 1970er-Jahren unter seinem Pseudonym auf. Seine Kollegen folgten ihm alsbald und erfanden ihre Pseudonyme nach eigenen Charakteristika. Ein Beispiel wäre Twista: Dieser Name (in etwa: „Wirbelwind“) passte zu seinem blitzschnellen Rap-Stil.

Die aktuellen Künstler gehen teilweise ebenfalls diesen weg. So hat Lil Uzi Vert die Uzi im Namen, weil er „wie ein Maschinengewehr“ rappt (Uzi ist eine israelische Maschinenpistole). Der Künstler gab dies in einem Interview mit dem Fachmagazin „Vibe“ preis. Doch das erklärt noch nicht das „Lil“ im Namen. Dieses steht nämlich für „Little“, also „klein“, und ist ein Slangausdruck der afroamerikanischen Szene. Der Hip-Hop, der grundsätzlich mit der Sprache und der daraus resultierenden Identität spielt, benutzt solche Begriffe nicht umsonst. Das bedeutet im Klartext: Mit „Lil“ grenzen sich kleine von großen Rappern ab. Jene aus ihrer Sicht großen Vertreter des Hip-Hops lassen sich gern als „OG“ kennzeichnen, was für „Original Gangster“ steht. In der Gangkultur ist dieser die Eminenz. Rapper dieser Sorte sind beispielsweise Dr. Dre, Ice-T und Snoop Dogg. Nun fragt es sich natürlich, warum sich jüngere Künstler mit „Lil“ bewusst kleiner machen. Dafür gibt es einen sehr guten Grund: Der Hierarchie der inzwischen älteren Gangsta-Rapper (kein Schreibfehler, sondern Slang) setzen sie ihre Jugend entgegen.

„Lil“ für aufstrebende Rapper

Das „Lil“ steht für junge, nachrückende, aufstrebende Künstler. Ein „OG“ fördert sie oft, manchmal verehren sie ihn auch einfach und folgen seiner Tradition. So bekennt sich der junge Lil Nas X zu seinem Idol Nas. Das „Lil“ in den Namen aufzunehmen hat inzwischen eine Tradition, die bis ins Jahr 2000 zurückreicht. Ab diesem Zeitpunkt wurde „Lil“ Wayne sehr bekannt. Die infantilen Namen wurden ab sofort gern und häufig genutzt. Neben „Lil“ ist auch „Baby“ relativ häufig anzutreffen. Das verwundert bei der Jugend der Rapper nicht. Inzwischen ist die Hip-Hop-Kultur fast ein halbes Jahrhundert alt, weshalb sich die Jungen inzwischen von den Älteren abgrenzen wollen. Das erreichen sie mit dieser Art der Namensfindung. Ihre Musik zeigt das ebenfalls. Aktuell gibt es eine Trap-Welle mit dunklem, basslastigen Sound und reduzierten Texten. Ein elementares Stilmittel ist die Stimmverzerrung per Autotune. Der politische Rap fristet hingegen bei den jüngeren Hip-Hoppern eher ein Schattendasein, was die älteren Kollegen unverblümt kritisieren. Gerade angesichts der Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt in den USA würde man deutliche Statements von jungen Rappern erwarten, die aber lieber Drogen und Gewalt zu ihren Themen erheben. Ausnahmen gibt es natürlich. Der Rapper Lil Baby veröffentlichte im Sommer 2020 ein Video, dessen Song die Bewegung Black Lives Matter hervorhob. Bei YouTube hat dieser Song inzwischen über 60 Millionen Klicks.

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