Warum ist Gähnen ansteckend? Erklärung, Hintergrund

Warum ist Gähnen ansteckend, Erklärung, Hintergrund


Seit Menschengedenken gähnt der Mensch. Das ist fast wie ein Reflex, es ist nur schlecht zu verhindern. Durchschnittlich gähnen Menschen rund ¼ Millionen Mal während ihres Lebens. Häufig passiert dies am Morgen oder vor abendlichen Gang ins Bett. Dennoch weiß bis heute niemand, warum man wirklich gähnt. Blinzeln mit den Augenlidern sorgt für feuchte Augen, Nießen hilft gegen Erreger in der Nase. Beim Gähnen sind sich die Forscher uneins, wozu es genau dient.

Die meisten Menschen denken, dass sie entweder müde oder gelangweilt sind, wenn sie gähnen. Angenommen wird, dass diese Reaktion die Sauerzufuhr im Gehirn verbessert. Sicher ist nur eins: Wenn jemand gähnt, bleibt er selten der Einzige. Menschen in der Nähe fangen häufig ebenfalls damit an. Deshalb gilt Gähnen als ansteckend. Über die Gründe, warum dies so ist, gibt es verschiedene Theorien.

Warum ist Gähnen ansteckend?

Manche Forscher gehen beim Gähnen von dem Ansatz aus, dass es der Kühlung des Gehirns dient. Kühleres Blut wird hineingepumpt. Dies sorgt für den Erhalt der besten Denkleistung und Aufmerksamkeit. Wissenschaftler wie Andrew Gallup von der Universität New York schlossen daraus auch auf die scheinbare Ansteckung des Gähnens. Beginnt jemand in einer Gruppe zu gähnen, weil die Denkleistung leidet, erfolgt die Kettenreaktion der Anderen, damit alle ihre Aufmerksamkeit behalten. Der Forscher Ronald Beanninger von der Universität in Philadelphia in den USA geht hingegen eher davon aus, dass der ansteckende Effekt beim Gähnen eher die Ruhe- und Aktivitätsphasen einer Gruppe abgleicht. Er denkt, dass alle in der Gruppe ermüden, wenn einer der Gruppe müde ist und zu gähnen beginnt. Von Synchronisation gehen beide Ansätze aus. Gallups Theorie stütz allerdings das Bemühen, dass alle wach bleiben möchten.

Empathie als entscheidender Faktor

Britische Forscher testeten die Theorie, nach welcher Empathie eine Rolle spielt, in einem anderen Versuch. Empathie bezeichnet die Fähigkeit, mit der Menschen in der Lage sind, die Gefühlsregung von Personen erkennen zu können und eine Reaktion zu zeigen. Testpersonen kamen bei dem britischen Test in einen gut gefüllten Warteraum. Diese trafen dort auf zahlreiche gähnende Menschen. Dabei wurde gezählt, wie oft das Gähnen die Testpersonen beeinflussen konnte und sie ebenfalls dazu verleitete. In einem zweiten Teil des Tests sollten die Probanden dann den Ausdruck von anderen Personen hinsichtlich der Emotionalität beurteilen. Diejenigen, die vorher stark vom Gähnen der anderen Wartenden angesteckt wurden, schnitten hierbei besser ab. Die empathischen Fähigkeiten lagen also höher. Diesen Ansatz hatten amerikanische Forscher aus Philadelphia zuvor schon verfolgt. Sie arbeiteten in ihrer Studie im Jahr 2003 mit Videos, in denen andere Personen gähnten. Anschließend durchgeführte Tests dienten zur Einstufung, wie die Probanden charakterlich einzuordnen waren. Auch hier gähnten die empathischen Teilnehmer häufiger mit. Die Forscher gehen daher davon aus, dass die Ansteckung beim Gähnen darauf hindeutet, dass der emotionalen Verfassung und dem allgemeinen Verhalten von Personen eine größere Bedeutung beigemessen wird. Ansteckung beim Gähnen ist dabei kein einzig menschliches Verhalten. Es wurde auch bei Schimpansen beobachtet. Auch diese besitzen Empathie.

Gähnen als Bewegungsmelder im Gehirn

Als in einer Studie untersucht wurde, ob sich die Ansteckung durch Gähnen vermeiden ließ, wurde eine weitere Entdeckung gemacht. Bei Menschen, deren motorische Prozesse im Gehirn leichter aktiviert werden können, ist die Ansteckung eher gegeben. Manches Gehirn ist also in der Lage, leichter eine Aktivität auszulösen, als andere. Getestet wurde dies mit Personen, die in Videos 20 Minuten lang gähnende Menschen beobachten sollten und zeitgleich Kleinigkeiten im Video behalten sollten. Dabei wurde mitgezählt, wie oft die Probanden selber gähnen mussten und zeitgleich gemessen, wie elektromagnetische Impulse an die Bewegungsrezeptoren im Gehirn weiter geleitet wurden.

Emotionale Beziehungen spielen eine Rolle

Spiegelneuronen in unserem Gehirn sind für ansteckende Prozesse verantwortlich. Diese Neuronen werden sowohl aktiv, wenn jemand selber handelt, als auch bei Beobachtung einer anderen Person. Das Verhalten wird also innerlich mitverfolgt, was dann Nachahmung auslöst, Dies erfolgt unbewusst. Solche Reflektionen werden weniger, je älter Personen werden. Dies zeigt eine im Jahr 2011 veröffentlichte Studie italienischer Forscher. Sie beruht auf einem 12 Monate langen Test, in dem über 100 Probanden aus der gesamten Welt zuhause beobachtet worden. Dabei wurde klar, dass die Beziehung untereinander spielt eine große Rolle spielt. Ist die gähnende Person bekannt, ist dies ansteckender, als es bei einem unbekannten Menschen wäre. Familienangehörige wirken besonders ansteckend, gefolgt von Personen, mit denen man befreundet ist.

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