Warum heißen Kaltblüter „Kaltblüter“? Bedeutung, Wortherkunft, Erklärung

Warum heißen Kaltblüter Kaltblüter, Bedeutung, Wortherkunft, Erklärung


Kaltblüter sind schwere und gemütliche Pferde: Neben verschiedenen Rassen, Verwendungszecken und Färbungen werden Pferde in Kaltblut, Warmblut, Vollblut und Ponys unterteilt.

Die Bezeichnung bezieht sich auf das Wesen und Temperament der Pferde.

Warum heißen Kaltblüter „Kaltblüter“? Bedeutung, Wortherkunft, Erklärung

Kaltblüter sind ruhige und behäbige Tiere. Vollblüter dagegen sind sensibel und leicht erregbar. Das Warmblut ist eine Mischung beider Typen.

In grauen Vorzeiten entstanden in Nordeuropa ganz andere Pferdearten als im Süden. Nordische Pferderassen waren bulliger, robust gegenüber Wind und Wetter und mit gemäßigtem Temperament. Ponys sind vom Wesen her ganz ähnlich, nur sind sie kleiner.

In der arabischen Wüste dagegen entstand ein leichter, wendiger und nervöser Pferdetyp: das Arabische Vollblut.

Erst der Einfluss der Vollblüter ließ in Nord- und Mitteleuropa Mischtypen entstehen, die man heute als Warmblüter kennt. Davor waren vermutliche alle Pferderassen auf dem europäischen Festland Kaltblüter oder Ponys. Man weiß, dass die Wikinger und Ritter der alten Tage auf sehr großen und manchmal auch etwas schwerfälligen Pferden ritten.

Die meisten Kaltblüter kann man an den stämmigen Beinen, dem quadratischen, muskulösen Körperbau und dem robusten Erscheinungsbild sehr gut erkennen. Sie haben dicke Mähnen, üppige Schweife und sehr große Hufe. Auch an den Beinen können sie mähnenartige Haare haben. Die nennt man „Kötenbehang“.

Kaltblut, das Blut und die Emotionen

„Blut“ wurde schon immer mit den Gefühlen und Emotionen gleichgesetzt. „Heißes Blut“ oder „volles Blut“ stand für „feurige“ Typen mit viel Temperament. Die Bezeichnungen nutze man für Menschen wie auch für Tiere.

Tatsächlich ist es so, dass bei Aufregung der Blutdruck steigt. Die Atemfrequenz erhöht sich, das Herz pumpt mehr Blut, damit mehr Sauerstoff zu den Organen und in die Zellen gelangt. Dadurch steht dem Organismus schnell mehr Kraft zur Verfügung.

Ein Vollblut schießt im Temperament sehr schnell nach oben, regt sich auf, beschleunigt schnell und atmet zügig. Einen Kaltblüter bringt man dagegen nicht so schnell aus der Ruhe. Das Wesen bleibt auch bei äußeren Reizen beständiger. Man sagt daher auch, der Kaltblüter habe stärkere Nerven.

„Kaltblütig“ sagt man gelegentlich auch zu Menschen, die sehr emotionslos (ohne Mitgefühl) handeln. Doch das trifft auf das Wesen eines Pferdes weniger zu. Zwar sind Kaltblüter mitunter regungsloser als andere Pferde. Wenn man sie gut behandelt und an den Menschen gewöhnt, sind sie die treuesten und freundlichsten Pferde.

Traditionelle Arbeitstiere mit Charakter: Warmblüter

Nachdem das Vollblut– und Warmblutpferd die Kaltblüter aus der Reiterei abgelöst hatten, waren die „Dicken“ Jahrhundertelang geschätzte Zug- und Lastentiere.

Kaltblüter zogen schwere Güter über kurze Distanzen. Sie arbeiteten in der Forstwirtschaft, im Bergbau und beförderten schwere Baumstämme aus unwegsamem Gelände.

Auf den Äckern zogen die starken Rösser noch bis ins 20. Jahrhundert hinein die Pflüge. Fast jeder Landwirt besaß vor der Einführung der Traktoren mindestens ein Kaltblutpferd oder Ochsen. Manchmal teilten sich Dorfgemeinschaften die begehrten Zugtiere.

Das behäbige und willige Temperament machte die Kaltblüter zu soliden und zuverlässigen Arbeitstieren. Da das Bewegungsbedürfnis insgesamt weniger ausgeprägt ist, als bei Voll- und Warmblütern, eigneten sich die Pferde für die reine Stallhaltung mit eingeschränktem Platzangebot.

Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Kaltblüter zunehmend durch Maschinen ersetzt.

Das Kaltblutpferd in der Neuzeit

Freunde der dicken Pferde pflegen ihre Traditionen zum Glück weiter. Lange Zeit fürchtete man, das Kaltblutpferd könne im Zuge der Technisierung aussterben.

Regional haben sich Liebhaber- und Zuchtverbände gebildet, die genau das verhindern möchten.

Daneben sind in manchen Sparten bis heute die Dienste der geduldigen Pferde unverzichtbar. So arbeiten in den unwegsamen Wäldern Europas immer noch zahlreiche Kaltblüter in der Forstwirtschaft.

In Süddeutschland haben sich die Bierbrauereien dem Erhalt der Tiere gewidmet. Die Bierzüge wurden traditionell von Kaltblütern gezogen. Bis heute halten etliche Brauereien eigene Kaltblüter, die sie zur Festzeit vorzeigen.

Jede Brauerei, die etwas auf sich hält, bewirtschaftet ein eigenes Zelt auf den großen regionalen Volksfesten. Zum Fassanstich ziehen die stolzen Pferde bunt geschmückte Wagen auf das Münchner Oktoberfest oder den Cannstatter Wasen in Stuttgart.

Im Freizeitreiterbereich sind die Dicken ebenfalls beliebt. Eher zierliche Kaltblüter wie die österreichischen Noriker oder die Schweizer Freiberger sind beliebte Reitpferde bei Groß und Klein.

Die größten Pferde der Welt: Shire Horse

Kleine Kaltblüter liegen vom Stockmaß her bei ca. 1,4 Metern Widerristhöhe. Beim Französischen Percheron sind es schon bis zu 1,7 Meter.

Doch eine Pferderasse stellt alle anderen in den Schatten: Shire Horse

Das englische Shire Horse kann über 2 Meter Stockmaß erreichen. Früher ritten stolze Ritter auf den sanften Riesen. Danach waren die Shire Horses Arbeits- und Zugtiere. Inzwischen hat sich eine große und weltweite Fangemeinde gebildet, die diese besondere Rasse weiter pflegt und züchtet.

Das größte Pferd aller Zeiten war der englische Wallach „Sampson“. Der lebte Mitte des 19. Jahrhunderts in der Grafschaft Bedfordshire und war 2,19 Meter hoch. Seine Besitzer nannten das Pferd liebevoll „Mammoth“ (zu dt. „Mammut“).

Heute hält den Rekord des größten lebenden Pferdes der Welt der australische Shire-Hengst „Noddy“. Er ist 2,05 Meter hoch und wiegt stolze 1,5 Tonnen.

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