Warum heißen die Schweizer auch „Eidgenossen“? Erklärung

Warum heißen die Schweizer auch Eidgenossen, Erklärung


Heute wird die Schweizer Eidgenossenschaft auch als die Schweiz bezeichnet. In ihr leben bis zu 9 Millionen Menschen. Sie ist ein Bundesstaat, der sich aus 26 teilsouveränen Kantonen zusammensetzt. Als Regierungssitz wurde Bern gewählt. Alle Schweizer werden durch die Demokratie zusammengehalten, die man bereits praktizierte, als das restliche Europa von absoluten Monarchen regiert wurde. Die Eidgenossen sind zu vielen Kompromissen bereit und treffen die meisten politischen Entscheidungen im Rahmen direkten und geheimer Abstimmungen. Auf den amtlichen Dokumenten wird von auch von Schweizer Eidgenossenschaft gesprochen. Außerdem verhalten sie sich im Wesentlichen gegenüber anderen Staaten neutral, mobilisieren jedoch bei einer drohenden Gefahr stets ihr Heer.

Warum heißen die Schweizer auch „Eidgenossen“? Erklärung, Wortherkunft

Unter einer Eidgenossenschaft wird im Allgemeinen eine Verbindung verstanden, die unter gleichberechtigten Partnern oder Genossen zustande kommt. Sie schwören dazu einen Eid, der sie beim Namen und Willen Gottes dazu verpflichtet, einander im Fall einer Gefahr beizustehen. Genossen sind Personen, mit denen die Mitstreiter gemeinsame Erfahrungen und Ziele teilen. Man kann sich aufeinander verlassen. Mit dem Eid bekräftigen die Genossen ihre gegenseitig getroffenen Aussagen. Sie verpflichten sich mit dem Eid zur Wahrheit und sind bereit, die entsprechenden Konsequenzen zu tragen. Wird er vor Gott abgegeben, dann tritt dieser als Eideshelfer auf. Im Fall eines Eidbruches übt dieser dann – abstrakt gesehen – seine übernatürliche Rache am Eidbrecher aus.

Wann begann die schwurorientierte Schweizer Eidgenossenschaft?

Als erstes Jahr der Eidgenossenschaft gilt das Jahr 1291. Da der erste August als Tag des Eides und als Gründungstag der Alten Eidgenossenschaft angesehen wird, gilt er gleichzeitig auch als Schweizer Nationalfeiertag.
Im 13. Jahrhundert bewachten die späteren Kantone Uri und Schwyz die wichtige Handelsstraße über den problematischen St.-Gotthard-Pass. Ihr Auftraggeber war der deutsche Kaiser Friedrich der II., dessen Eigentum sie vor den Habsburgern beschützen sollten. Nach dem Tod des Kaisers gelangte 1273 sein Nachfolger aus dem Hause Habsburg an die Macht. Aus Berechnung gliederte er sowohl Uri als auch Schwyz in sein Reich ein. Das missfiel den beiden jedoch sehr. Als der neue Kaiser 1291 ebenfalls verstarb, erkannten die freiheitsliebenden Urkantone ihre Chance.
Bei einem geheimen Treffen schlossen sich die Urkantone, die auch als Waldstätten oder Orte bezeichnet wurden, zur ersten Eidgenossenschaft zusammen. Diese sollte als Alte Eidgenossenschaft in die Geschichte eingehen und bis 1798 bestehen. Zu den Verantwortlichen gehörten Walther Fürst – für Uri -, Werner Stauffacher – für Schwyz – sowie Arnold von Melchtal – für Unterwalden. Ihr geheimes Ziel war die Rütli-Wiese, die oberhalb des Vierwaldstättersees liegt. Hier unterzeichneten die Betreffenden auch den Bundesbrief, der den Schwur dokumentierte.

Wie bauten die Schweizer ihre Eidgenossenschaft aus?

Im Jahr 1309 bestätigt Heinrich VII die Reichsumittelbarkeit der Kartone. Sie wurde vorerst einem königlichen Landvogt unterstellt.
Welche Bedeutung diese Entscheidung haben sollte, zeigte sich bei der deutschen Königswahl. Am 25. November 1314 wählten die Verantwortlichen sowohl Ludwig von Bayern als auch Friedrich den Schönen von Habsburg jeweils zum deutschen König.

Die Eidgenossenschaft bezog auf der Seite Ludwigs Position. Ein Jahr später griff daraufhin Friedrich die Bayern als auch die Eidgenossen an. In der Schlacht am Morgarten wurde er jedoch geschlagen und musste sich zurückziehen. Durch den Sieg der drei Urkantone ermutigt, traten vier Reichsstädte dem Bündnis bei. Zu ihnen gehörten neben Luzern auch Zürich, Glarus, Zug und Bern. Sie wollten auf diesem Wege ihre Selbstständigkeit gegenüber dem Haus Habsburg bewahren. So bildeten sich im Laufe der Jahre die ersten Acht Alten Orte oder Kantone. Zürich, Bern und Luzern trugen zudem zur politischen Bedeutung des Zusammenschlusses bei, der sich als sehr stabil erweisen sollte. Das hing auch mit der jeweiligen Akzeptanz zusammen, die die betreffenden Städte und somit auch der Bund bei den europäischen Höfen genossen. Zeitweise suchten sich einzelne Kantone Verbündete unter den Großmächten, um ihre Möglichkeiten auszubauen. Nach zahlreichen verlorenen Schlachten kehrten sie jedoch immer in den Bund zurück.

Ende des 15. Jahrhunderts kam es zum Krieg. Der Gegner war der spätere deutsche Kaiser Maximilian, der Erste. Dieser wollte die Eidgenossen wieder unter seine Herrschaft zwingen. Der Feldzug endete jedoch mit der schweren Niederlage des Königs. Im Frieden vom Basel erkannte er die Forderungen der Eidgenossen an. So wurden auch Basel und Schaffhausen zu neuen Bundesgenossen. Mit ihnen kamen die zugewanderten Orte. Zu diesen zählten das Wallis und Drei Bünde. Aber auch Grafschaften und Monarchen sahen in der Alten Eidgenossenschaft die Chancen, sich vom Habsburger Reich zu lösen. Die Fürstabtei St. Gallen und die Grafschaft Neuenburg wurden somit ebenfalls aufgenommen. Es gab jedoch auch Eroberungen. Diese Gebiete wurden als Gemeine Herrschaft bezeichnet und zum richtigen Zeitpunkt in das Bündnis einbezogen. Hierzu gehörten auch Thurgau und das Tessin.

Welche grundlegenden Änderungen strebten die Eidgenossen an?

Im Mittelalter galt in vielen Bereichen jeweils eine Ständeordnung. Jeder gesellschaftliche Stand hatte bestimmte Rechte und Pflichten, gegen die er nicht verstoßen durfte. Diese – scheinbar von Gott gewollte – Ordnung wurde von den Eidgenossen abgelehnt. Dazu kamen die Siege über die Habsburger und deren Heere. So wuchs ihr Glaube an Gott. Mit der Zeit vertraten sie die Meinung, dass Gott sie als auserwähltes Volk ansähe.

Innerhalb der Schweiz gab es jedoch unterschiedliche Strömungen. Während in einigen Kantonen der katholische Glaube vorherrschte, bekannten sich andere zunehmen zum Protestantismus. Ab 1874 setzten die Eidgenossen auch die allgemeine Religionsfreiheit für alle Kantone des Bundes durch.

Sobald die Habsburger das Land des Bundes verlassen hatten, etablierten die Schweizer Eidgenossen ein demokratisches System. Sie nahmen den Adligen ihre Vorrechte und verteilten deren Ländereien auf die Städte und Staaten, die dem Bündnis angehörten. 1618 bracht der Dreißigjährige Krieg aus, der bis 1648 andauerte. Aufgrund der Auswirkungen auf die Bevölkerung schworen sich die Eidgenossen 1647 die immerwährende bewaffnete Neutralität innerhalb ihres Bundes.

Wie endete die Alte Eidgenossenschaft und wann erfolgte der Neuanfang?

In den Jahren der Französischen Revolution verhielt sich die Alte Eidgenossenschaft vornehmlich neutral. Dann marschierten 1798 die Truppen der Ersten Französischen Republik ein. Aufgrund der rechtlichen Einschränkungen, die Napoleon erlies, kam es zur Helvetischen Revolution, die das Ende der Alten Eidgenossenschaft brachte.

Ihre über Jahrhunderte errungenen Freiheiten ließen sich die Eidgenossen jedoch nicht nehmen. Sie lehnten nicht nur die Fremdherrschaft ab, sondern ignorierten die ihnen aufgedrängte französische Regierung.
1803 nahm der Druck auf Napoleon zu. Er machte den Eidgenossen weitere Zugeständnisse und erneuerte die seit dem dem Mittelalter geltenden Rechte. Die Kantone erhielten ihre Rechte zurück.

Nachdem Napoleon 1815 seine Stellung aufgeben und nach Elba ins Exil gehen musste, wurde aus der Helvetischen Republik von 1798 erneut ein unabhängiger Staat. Gleich nach der Etablierung bekannte man sich wieder zur Neutralität.

Der letzte Krieg auf Schweizer Boden fand zwischen den Eidgenossen 1847 statt und dauerte 26 Tage. In die Geschichte ging er als Sonderbundskrieg ein und betraf zentrale innerstaatliche Belange.

Der Krieg blieb jedoch nicht ohne Folgen. Da die konservativ-katholisch orientierten Kantone verloren, kam es vonseiten des Siegers zu maßgeblichen Veränderungen. Aus den bisher autonomen Kantonen wurde ein moderner Bundesstaat. Die Regierung und das Parlament richtete man in Bern ein. Außerdem mussten die Kantone und angeschlossenen Gebiete einen Teil ihrer Macht an die Bundesregierung abgeben.
Bei militärischen Konflikten orientieren sie sich an der bewaffneten Neutralität.

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