Warum haben Männer einen Bart / Bartwuchs? Erklärung

Warum haben Männer einen Bart, Bartwuchs, Erklärung


Charles Darwin schrieb in seinem Buch „Die Abstammung des Menschen“ schon im Jahr 1871: „Es scheint, als sei der Bart für unsere affenähnlichen Vorfahren ein Ornament gewesen, mit dem die Männchen versuchten, die Weibchen zu bezaubern oder zu erregen.“ Schon damals stellte er fest, dass der Bartwuchs bei Männern weltweit unterschiedlich stark ausfällt und die Bartpracht auch unterschiedlich frisiert wird. (Indianer haben z.B. praktisch keinen Bartwuchs.)

Darwin stellte sich die Frage, wie diese Unterschiede zustande kamen und mutmaßte, dass es sich um die Konsequenz der Auslese bei der Wahl der Sexualpartner handelt. Frauen in unterschiedlichen Teilen der Welt finden Bärte augenscheinlich attraktiv oder eben weniger attraktiv. Das war die einzige Erklärung, wie sich der unterschiedlich starke Bartwuchs in den verschiedenen Erdteilen erklären ließ.

Warum haben Männer einen Bart / Bartwuchs? Erklärung: Testosteron!

Erst 80 Jahre nach Darwins These über die genetische Auslese kamen Wissenschaftler zu der Erkenntnis, dass der Bartwuchs rein hormonell gesteuert wird. 1949 erforschte die amerikanische Gerontologin Margaret Chieffi den Bartwuchs bei Männern. Ihre Studien ergaben, dass der Bartwuchs direkt mit dem Geschlechtshormon Testosteron zusammenhängt. Sie führte Tests durch, bei denen Männern Testosteron gespritzt wurde und deren Bartwuchs sofort zu sprießen begann.

Testosteron allein ist jedoch noch kein Bart-Garant. Im Rahmen der sogenannten Zwillingsstudien von James B. Hamilton aus dem Jahr 1958 ergab sich dagegen die Erkenntnis, dass die Gene in den Zellen der Gesichtshaut von großer Bedeutung sind. Die Studien verdanken ihren Namen dem Studienobjekt: Hamilton verglich an der State University of New York weiße Zwillingsbrüder sowie Brüderpaare aus den USA und Japan. Die Studie war sehr simpel aufgebaut: alle Männer wurden rasiert, dann nach 24 Stunden erneut, im Anschluss daran wog er die Stoppeln. Das Resultat war wie folgt: bei den japanischen Probanden war ein viel schwächerer Bartwuchs zu verzeichnen als bei den gleichaltrigen amerikanischen Brüdern. In beiden Kulturen hatten die eineiigen Zwillinge ebenfalls wie erwartet denselben starken Bartwuchs. Unter nicht eineiigen Zwillingen wiesen die Barteigenschaften eine viel höhere Variabilität auf.

Aus seinen Studienergebnissen leitete Hamilton ab, dass die Genetik viel stärkere Auswirkungen auf den Bartwuchs hat als Testosteron im Blut. Denn Hamilton hatte keine Kenntnis über die Testosteronkonzentration im Blut der einzelnen Probanden und auch nicht der einzelnen Kulturen im Allgemeinen. In den 1970er Jahren ergab sich, dass das nicht das Testosteron die Haare im Gesicht zum Wachsen anregt. Vielmehr reagiert das Stoffwechselbeiprodukt Dihydro-Testosteron mit den Haarfollikeln. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Männer mit einem ausgeprägten Bartwuchs über mehr Dihydro-Testosteron verfügen. Deren Gesichtshaut ist in der Lage, einfach viel größere Mengen des Stoffes umzuwandeln. Der Bartwuchs eines Mannes sagt somit nichts darüber aus, wie viel des männlichen Hormons er im Blut trägt.

Dennoch haben Chieffis Experimente gezeigt, dass künstlich zugeführtes Testosteron durchaus dazu in der Lage ist, den Bartwuchs anzuregen. Eher dubiose Studien behaupten sogar, dass der Bartwuchs mit der sexuellen Umtriebigkeit von Männern zusammenhängt. Sexuell ausgehungerte Männer, die ihre sexuelle Aktivität wiederaufnehmen, neigen gemäß dieser Studie zu einem exorbitant stärkeren Bartwuchs. Belastbare Nachweise für diese Theorie konnten jedoch nicht geliefert werden.

Bartwuchs und Bärte beeindrucken Frauen

Der australische Evolutionspsychologe Barnaby Dixson ist führend auf dem Gebiet der Bartforschung. Im Jahr 2012 führte Dixson in Kooperation mit dem kanadischen Kollegen Paul Vasey eine Studie durch, in der sie Fotoaufnahmen von zehn Männern aus Neuseeland und neun Männern aus Samoan machten, die jeweils mit Vollbart sowie frisch rasiert zu sehen waren. Außerdem wurden Aufnahmen mit drei unterschiedlichen Gesichtsausdrücken gemacht: lächelnd, neutral und aggressiv. Im Anschluss zeigten sie die Fotos der lächelnden Männer 129 weißen Frauen sowie 100 Ureinwohnerinnen aus Samoa und ließen sie bewerten. Die Probandinnen waren sich einig: die Männer ohne Bart sind attraktiver als die unrasierten. Somit ist Darwins Annahme, dass Frauen aus Kulturen mit stark behaarten Männern Bärte nicht automatisch attraktiver finden, widerlegt.

Warum tragen Männer dann überhaupt Bart? Eine Antwort könnte der zweite Teil der Studie von Dixson und Vasey liefern: 111 weißen Männern aus Neuseeland und 119 Samoanern wurden die Aufnahmen von den Männern mit aggressivem Gesichtsausdruck gezeigt. Die Probanden beider Kulturen waren sich auch hier einig: die aggressiven Gesichter mit Bart schienen Furcht einflößender zu sein als die rasierten Gesichter. In weiteren Studien kamen auch weibliche Probanden zum gleichen Schluss.

Je mehr Männer, desto mehr Bärte?

Befand sich Darwin also auf dem Holzweg, wenn er behauptete, dass der Bart ausschließlich zum Anlocken von potenziellen Geschlechtspartnerinnen dient? Jein, sagen andere Forscher. Frauen bewerten Bärte in den meisten Studien jedoch weniger anziehend. Doch es gibt hierbei eine Ausnahme: Wenn beispielsweise viele Männer an einem räumlich limitierten Raum unbewusst versuchen, dominant zu erscheinen. Zu diesem Schluss kam eine weitere Dixson-Studie in Zusammenarbeit mit dem Evolutionsbiologen Robert Brookes.

In der Studie wurden Bilder von Männern aus 37 Ländern analysiert, davon je 100 aus der bevölkerungsreichsten und der drittbevölkerungsreichsten Stadt des jeweiligen Landes. Die Bilder stammen aus Facebook und zeigen Männer im Alter von 25 bis 40 Jahren. Aus den Ergebnissen wählten sie die Profilbilder der jeweils ersten 100 Männer, deren Gesicht gut sichtbar war. Als die Forscher nun im zweiten Schritt den Grad der Gesichtsbehaarung der angezeigten Bilder bewerteten, zeichnete sich eine überwältigende Tendenz ab: je größer die Stadt, desto häufiger tragen die dort ansässigen Männer Bart. Zudem befinden sich die Städte mit den meisten Bartträgern eher in Regionen mit guten Lebensbedingungen, aber tendenziell geringem durchschnittlichem Einkommen. Hiermit sind wir dann beim Hipster angelangt.

Zudem ist anzumerken, dass Frauen aus Berlin, New York, Sydney, Berlin oder London Männer mit Bart weitaus attraktiver finden als vergleichbare Frauen aus Kleinstädten. Diese Ergebnisse untermauern die These, dass Bärte als Differenzierungs- und Dominanzmerkmal dienen in Regionen, wo es viele Männer gibt.

Bart: Antibakterieller Schutz

Der Vollbart dient aber auch als Schutz vor Bakterien. Eine Studie aus dem Jahr 2014 belegt, dass Pfleger in Krankenhäusern ohne Bart etwa um 30 Prozent häufiger an bakteriellen Erkrankungen leiden als Pfleger mit Bart. Dies könnte zum einen an kleineren Schnitten beim Rasieren liegen, wahrscheinlicher ist jedoch, dass Bartbakterien eine Umgebung erzeugen, die für andere Bakterien feindlich ist.

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