Warum haben Frauen keinen Bart? Erklärung

Warum haben Frauen keinen Bart, Erklärung


Der Bartwuchs hängt einerseits von der Menge an Testosteron im Körper ab, andererseits ist er genetisch bedingt. Da Frauen weit weniger Testosteron produzieren, haben sie keinen, beziehungsweise nur sehr schwach ausgeprägten Bartwuchs. Dasselbe gilt für die gesamte Körperbehaarung mit Ausnahme des Haupthaares und der Scham- und Achselbehaarung. Aus demselben Grund haben auch manche Männer mehr, andere weniger Körperbehaarung und Bartwuchs. Der Hormonhaushalt und die Gene unterscheiden sich stark bei Männern und Frauen und somit auch die Körperbehaarung.

Der Bart als Symbol der Männlichkeit

Um der Frage nachzugehen, warum Frauen kein Bart wächst, ist es interessant, welche Funktion der Bart hat. Warum haben also Männern überhaupt einen Bart? Das ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Einen offensichtlich praktischen Nutzen hat der Haarwuchs im Gesicht jedenfalls nicht. Es gibt die Vermutung, dass der Bart den Mann breiter und somit stärker erscheinen lässt, also dazu dient, Gegner und Konkurrenten einzuschüchtern. Da die Größe des Bartes, unter anderem, vom Testosteron abhängt, kann der Bartwuchs tatsächlich als Zeichen für Dominanz, Kraft, sexuelle Potenz und Aggression gewertet werden. Auch diese Eigenschaften werden durch Testosteron verstärkt. Das kann bärtigen Männern in der Vergangenheit einen evolutionären Vorteil gebracht haben, also mehr Glück bei den Frauen und somit mehr Nachwuchs. Wenn Männer mit starkem Bartwuchs viele Kinder bekommen, haben die Söhne dank der Gene wiederum sehr wahrscheinlich starken Bartwuchs. Der genetische Aspekt erklärt auch, warum der Bart bei Menschen verschiedener Ethnien unterschiedlich ausfällt. So wächst, zum Beispiel, in großen Teilen Asiens auch den Männern nur sehr wenig Bart.

Bartwuchs: Die Rolle der Hormone

Die Hormone spielen eine kompliziertere Rolle, als man annehmen möchte. Es ist nicht einfach die Menge an Testosteron, die entscheidend für den Bartwuchs ist. Die Testosteron-Konzentration ist, weltweit gesehen, nicht so unterschiedlich, wie der Bartwuchs. Ganz konkret hängt die Menge des Bartes von einem Abbauprodukt von Testosteron ab, dem Dihydrotestosteron – kurz DHT. Damit aus Testosteron Barthaare werden können, wird es in DHT umgewandelt, das dann an kleinen Öffnungen in den Zellen bindet. Da auch Frauen dieses Hormon in unterschiedlicher Konzentration produzieren, gibt es auch Frauen, mit leichtem Bartwuchs. Generell sind aber sowohl der Testosteron- als auch der DHT-Spiegel der Frauen wesentlich geringer als der der Männer. Die Testosteronkonzentration beträgt bei Frauen etwa nur ein Zehntel der Konzentration bei Männern.

Bei Männern wird DHT in den Nebenhoden und der Prostata aus Testosteron gebildet. Frauen produzieren das Steroid Androstendion in den Eierstöcken. Dieses wird zur Produktion der weiblichen Hormone – der Östrogene – verwendet. Wenn Androstendion aber auf Testosteron trifft, wird daraus DHT. Wann immer sich der Hormonhaushalt der Frauen stark verändert, wie in der Pubertät oder der Schwangerschaft, ändert sich auch die Konzentration an DHT und somit die Menge der Haare im Gesicht. Auch Medikamente, die sich auf den Hormonspiegel auswirken, können solche Auswirkungen haben. Die größte Änderung im Hormonhaushalt bringen, neben der Pubertät, die Wechseljahre.

Häufig fangen bei Frauen nach der Menopause einige Barthaare zu sprießen an, ähnlich wie bei jungen Männern in der Pubertät. Das kommt daher, dass Männer wie Frauen sowohl Testosteron als auch Östrogen produzieren. Bei den Männern ist die Menge an Testosteron bloß viel größer als bei Frauen. Umgekehrt spielt bei Frauen das Östrogen während der Zeit, in der sie gebärfähig sind, eine größere Rolle. Während der Wechseljahre sinkt dann der Östrogenspiegel stark ab. Je weniger Östrogen produziert wird, umso größer wird die Rolle, die das Testosteron spielt. Das ist der Grund, warum Frauen in fortgeschrittenem Alter ein paar Barthaare wachsen. Zu einem richtigen Vollbart kommt es aber nicht, dafür ist die Konzentration an Testosteron auch nach der Menopause nicht stark genug.

Bartwuchs: Genetische Faktoren

Welche Rolle die Gene beim Bartwuchs spielen, wurde mithilfe von internationalen Zwillingsstudien untersucht. Eineiige Zwillingsbrüder haben den gleichen Bartwuchs, bei zweieiigen Zwillingen ist er ebenso unterschiedlich wie bei anderen Brüderpaaren. Männer, die nicht miteinander verwandt sind, unterscheiden sich deutlicher in der Stärke ihres Bartwuchses. Den größten Unterschied merkt man, wenn man Männer verschiedener Ethnien vergleicht. Das deutet darauf hin, dass der Bart sehr stark von den Genen beeinflusst ist.

Nicht nur bei Männern findet man beim internationalen Vergleich Unterschiede im Bartwuchs, dasselbe gilt auch für Frauen. Eine stärkere Gesichtsbehaarung bei Frauen häuft sich meistens innerhalb einer Familie. Das spricht auch dafür, dass dieses Phänomen vererbt ist. Meist ist es so, dass bei diesen Frauen die Haut empfindlicher auf die Hormone reagiert. Da ein Bart ja nur in bestimmten Teilen des Gesichts wächst, ist es die Haut in diesen Regionen, die von den Hormonen beeinflusst wird und Haare wachsen lässt oder nicht. Was vererbt wird ist wahrscheinlich diese Reaktion der Haut wie auch die Umwandlung von Testosteron in DHT.

Neben der Produktion von Hormonen und der Empfänglichkeit der Haut für diese Hormone, wird auch die Anzahl der Haarfollikel genetisch bedingt. Follikel sind die kleinen Gruben in der Haut, aus denen die Haare wachsen. Je mehr solche Follikel es gibt, umso mehr Haare wachsen im Gesicht. Tatsächlich ist noch nicht im Detail bekannt, wie die Vererbung des Bartwuchses genau vor sich geht. Sicher ist, dass auch der Testosteronspiegel mit der Ausprägung der Gene zusammenhängt. Genetik und Hormonhaushalt können also nicht getrennt betrachtet werden. All diese Faktoren sind gemeinsam dafür verantwortlich, dass Männern ein Bart wächst und Frauen nicht.

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