Sprachpolizei – Bedeutung und Definition erklärt

Der Ausdruck „Sprachpolizei“ ist eine abwertende Bezeichnung für Personen, Personengruppen und Vereinigungen, die bestimmte Worte verbieten und durch neue Worte ersetzen wollte. Dabei bestimmen sie anhand ihrer politischen und gesellschaftlichen Weltansicht, warum bestimmte alte Worte schlecht oder fehlerhaft sind, und warum ihre neuen Worte diese Fehler beheben bzw. besser sind.

Insbesondere stehen Maßnahmen für eine politisch-korrekte, anti-rassistische und geschlechter-gerechte Sprache wiederholt im Zentrum der Kritik. Den Forderern dieser Sprache wird vorgeworfen, eine Art „Sprachpolizei“ zu sein und Zensur zu betreiben.

Der Ausdruck „Sprachpolizei“ wird meistens von Menschen verwendet, die sich gegen einen Eingriff in ihre Sprache und Wortwahl damit zur Wehr setzen wollen. Sie werfen den „Sprachpolizisten“ Bevormundung und Sprach- sowie Denkverbote vor.

Der Ausdruck „Sprachpolizei“ legt nahe, dass sich jemand oder eine Personengruppe ermächtigt hat, bestimmte Sprachnormen und Worte durchzusetzen.

Im Zusammenhang mit dem Wort „Sprachpolizei“ wird der Begriff „Neusprech“ aus dem Roman 1984 von George Orwell auch oft erwähnt. Einige erwidern, dass die Sprachpolizei keine Sprachpolizei sei, sondern der Sprachkritik diene.

Was bedeutet Sprachpolizei wortwörtlich? Was steckt dahinter?

Das Wort „Sprachpolizei“ setzt sich aus den Worten „Sprache“ und „Polizei“ zusammen.

Unsere Sprache ist nicht nur ein Mittel zur Verständigung, sondern hat großen Einfluss darauf, wie ein Sprecher die Welt sieht, Personen bewertet und über Dinge/Sacherhalte urteilt.

Als Beispiel: Menschen, die über den Balkan oder das Mittelmeer kommen, können verschieden betrachtet werden. Manche bezeichnen sie als „Invasoren“ oder „illegale Einwanderer“. Andere bezeichnen sie als „Schutzsuchende“ oder „Flüchtende“. Andere sehen in ihnen ein „Bereicherung“, manche halten sie für eine „Bedrohung“. Die Wortwahl entscheidet hier darüber, wie diese Menschen, die nach Europa kommen, betrachtet werden.

Die Ausdruck „Polizei“ steht hier für das Exekutivorgan des Staates. Die Polizei hat die Aufgabe, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu wahren und herzustellen. Sie regelt und überwacht den Straßenverkehr. Sie ermittelt bei strafbaren Handlungen.

Die Polizei dient dazu, dass Gesetze durchgesetzt, Gesetzesbrecher gefangen und überführt, sowie dass die öffentliche Sicherheit erhalten bleibt.

Beispiele für Sprachpolizei

Seit der Flüchtlingskrise und der Grenzöffnung im September 2015 sind viele verschiedene Begriffe für die Menschen, die nach Deutschland strömten aufgetaucht: Flüchtlinge, Migranten, Flüchtende, Geflüchtete, Schutzsuchende, Asylbewerber,…

Worte, denen nach gesagt wird, dass sie diskriminierend oder abwertend seien, wurden ersetzt. Unter anderem gilt das für folgende Worte:

  • „Negerkuss“ wurde zu „Schokokuss“
  • „Neger“ wurde zu „Schwarzer“, „Farbiger“ oder in einigen Kreisen „Person of Color
  • „Zigeuner“ wurde zu „Rotationseuropäer“
  • „Ausländer“ wurde zu „ausländischer Mitbürger“
  • „Migrant“ / „Ausländer“ wurde zu „Mensch mit Migrationshintergrund“
  • „Indianer“ wurde zu „indigene Völker“
  • „Schoko-Osterhasen“ wurden teils zu „Traditionshasen“

Darüber, ob das Wort „Kunde“ auch Frauen anspricht, wird wiederholt in Deutschland diskutiert. Einige fordern den Ausdruck „Kundin“.

Statt „verhaltensauffällig“ sagen einige Lehrer und Erzieher „verhaltensoriginell“.

Sprachpolizei: Warum diese Sprachänderungen?

Menschen und Institutionen, die sich für Sprachänderungen einsetzen, sehen in den Worten und der Sprache Probleme. Sie haben Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, sowie Diskriminierungen, Rassismus und Sexismus in der Sprache identifiziert. Ihrer Ansicht nach, führt eine diskriminierende Sprache dazu, dass Menschen ungleich und damit anders behandelt werden. Ihr Ziel mit den Sprachänderungen ist es, dass Menschen gleich behandelt werden und den gleichen Respekt erhalten, sowie das unter anderem auf religiöse Gefühle Rücksicht genommen wird.

Diese Sprachänderungen werden kritisiert, da sie zwar die Sprache ändern, aber die darunterliegenden realen Probleme nicht. Auch führen diese Sprachänderungen zu einer Beschönigung und Verstellung von Sachverhalten.

Medien zum Begriff „Sprachpolizei“

„Sprachpolizei und Spielpolyglotte“ ist ein Buch von Yoko Tawada.

„Erwachsenensprache: Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur“ ist ein Buch von Robert Pfaller.

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