Gendern mit „ens“: Pronomen, Erklärung, Bedeutung, Definition


Das Gendern mit „ens“ geht auf eine Idee von Profex. Lann Hornscheidt (divers) zurück und wurde von Hornscheidt und Ja’n Sammla im Sachbuch „Wie spreche ich divers? Wie schreibe ich gendergerecht?“ Anfang 2021 im Eigenverlag w_orten & meer publiziert. Zum Grundverständnis: Im Sinne dieser Idee kann in diesem Artikel Profex. Lann Hornscheidt nicht mit „er“ oder „sie“ benannt werden, was den Sprachfluss möglicherweise erschwert.

Gendern mit „ens“: Pronomen, Erklärung, Bedeutung, Definition

Die Silbe „ens“ repräsentiert den Mittelteil aus „Mensch“ und könnte daher eine universelle Endung für Menschen jeder Geschlechtsidentifikation sein. Beispiele für das Gendern mit „ens“ wären:

  • Aus Student oder Studentin wird universell „Studens“.
  • Aus Leserin oder Leser wird universell „Lesens“, aus Hörer oder Hörerin dementsprechend „Hörens“.
  • Das universelle Pronomen heißt „ens“. Damit wird aus „sein Buch“ oder „ihr Buch“ die universelle Form „ens Buch“.
  • Der bestimmte Artikel heißt „dens“. Damit wird aus „der Vater“ ein genderfreier „dens Vater“, die genderfreie Mutter heißt „dens Mutter“, konsequenterweise heißt dann auch „der Baum“ in Zukunft „dens Baum“.
  • Der unbestimmte Artikel lautet „einens“. „Ein Baum“ heißt dann „einens Baum“.

Profex. Lann Hornscheidt nennt diese Sprache genderfrei und schaffte es mit der Publikation immerhin bis in die Tagesthemen der ARD.

Gendern mit „Ens“: Intention von Profex. Lann Hornscheidt und Ja’n Sammla

Die Intention der Autoren (in deren Eigenverständnis: dens Autorens) lautet: Wie lassen sich Menschen universell ansprechen? Wie müsste eine grundsätzlich genderfreie Sprache aussehen? Wie könnten Texte, Nachrichten, Formulare und Gespräche formuliert werden, damit sich auch diverse Personen angesprochen fühlen? In welchen Formen könnten genderneutrale Anreden, Begrüßungen und die tägliche Kommunikation stattfinden? Wie ließen sich Verwandtschaftsverhältnisse ohne den Aufruf des Geschlechts benennen? Das Buch von Hornscheidt und Sammla beantwortet diese Fragen mit konkreten Formulierungsvorschlägen und zahlreichen Beispielen. Insgesamt zählt es 100 verschiedene Alltags- und Berufssituationen auf. Das wissenschaftliche Niveau ist hoch, auch wenn das Sachbuch allgemeinverständlich geschrieben wurde. Profex. Lann Hornscheidt forscht zu den beiden Themen Sprache und Diskriminierung und hatte zwischen 2009 und 2017 einen Lehrstuhl an der Berliner Humboldt-Universität inne (Sprachanalyse und Gender Studies). Dort prägte Hornscheidt ab 2015 für sich die Anrede „Profex.“ anstelle von Professor oder Professorin. Mit der Publikation zur genderfreien Sprache wollen Hornscheidt und Sammla die Debatte um das Gendern ergänzen. Bislang wurde dabei ein wesentlicher Aspekt vernachlässigt, so die Autoren: Gegenwärtig hebt Gendern in der Form von „Leser*in“ nur die Präferenz für das männliche oder weibliche Geschlecht auf, berücksichtigt aber nicht Menschen, die sich als divers (weder Mann noch Frau) verstehen. Deren Anteil an der Bevölkerung wird mit Stand 2021 auf ~0,2 % geschätzt.

Diskussion um das Gendern mit „ens“

Wegen des relativ geringen Anteils der Betroffenen, für die das Gendern mit „ens“ wirklich bedeutsam wäre, wurde Profex. Hornscheidt angefeindet. Der Diskurs findet von der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen eher in akademischen Kreisen statt, und zwar selbst für die Fälle, wo es nur um die Unterscheidung männlich/weiblich geht. Der Duden kündigte 2020 für seine Onlineausgabe an, Wörter wie „Professor“ explizit als Bezeichnung für männliche Professoren zu definieren und die weibliche Form „Professorin“ gleichberechtigt zuzulassen, was bislang nicht der Fall war: Die Anrede „Frau Professor“ ist nach wie vor anzutreffen und wird auch in offiziellen Dokumenten verwendet. Eine diverse Form wie das von Hornscheidt gewählte „Profex.“ gibt es nicht. Immerhin begrüßen Sprachforscher – darunter auch Profex. Hornscheidt – die Dudenentscheidung, weil sie die vermeintliche Allgemeinmenschlichkeit der Männlichkeit aufhebt und damit neue Möglichkeiten der Sprache eröffnet.

Die Entwicklung zu diesem neuen Sprachverständnis verläuft generisch und wird teilweise juristisch begleitet, wenn auch nicht immer im Sinne der Verfechter einer gendergerechten Sprache. So urteilte der BGH im März 2018 gegen die Bankkundin Marlies Krämer, welche nicht als „Kontoinhaber“, sondern als „Kontoinhaberin“ angesprochen werden wollte. Die männliche Anrede, so die Richter am Bundesgerichtshof, verstoße auf relativ unpersönlichen Bankformularen nicht gegen das Gleichbehandlungsgesetz (Az.: VI ZR 143/17). Immerhin zeigt aber diese Auseinandersetzung auf höchster juristischer Ebene, dass es in der Gesellschaft gärt, und zwar generationenübergreifend: Die Klägerin Marlies Krämer war zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung 80 Jahre alt. Gleichzeitig zeigt dieses Urteil, dass sich das Gendern mit „ens“ wohl kaum durchsetzen dürfte, wenn es nicht einmal die Kontoinhaberin auf ein Bankformular schafft. Profex. Hornscheidt und Ja’n Sammla sind von der Idee der völlig geschlechterfreien Sprache dennoch überzeugt, wofür Hornscheidt in einem Interview mit der Berliner Zeitung dieses Argument anführte: Im Jahr 2018 führte Deutschland offiziell die Personenstandskategorie „divers“ ein. Hierzu müsse es nun auch eine sprachliche Umsetzung geben, so Hornscheidt. Alles andere würde die Menschen verunsichern.

Siehe: Genderneutrale Pronomen / Neopronomen-Liste

Rechtsvorschriften und Empfehlungen zur genderneutralen Sprache

Es gibt durchaus Rechtsvorschriften zur genderneutralen Sprache, nämlich unter anderem in Stellenausschreibungen: Seit dem 01.01.2019 ist in Deutschland bei der Angabe des gewünschten Geschlechts von Bewerbern die Formulierung „m/w/d“ (männlich/weiblich/divers) durch § 1 AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) vorgeschrieben. Unternehmen, die das „d“ weglassen, riskieren eine Klage. Das Diskriminierungsverbot in Artikel 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention war schon länger so zu interpretieren, wurde aber juristisch praktisch nie so ausgelegt (jedenfalls sind keine Fälle bekannt).

Darüber hinaus gibt es Empfehlungen zur genderneutralen Sprache, und zwar in Deutschland vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Dieses gibt in unregelmäßigen Abständen sein „Handbuch der Rechtsförmlichkeit“ heraus, dessen letzte Ausgabe allerdings aus dem Jahr 2015 stammt (was Profex. Hornscheidt bedauert). Dieses Handbuch empfiehlt Formulierungen unter anderem für den offiziellen Schriftverkehr, die auch die geschlechtsspezifische oder -neutrale Ansprache behandeln. Nach der Auffassung von Profex. Hornscheidt hätte dieses Handbuch spätestens 2018 mit der Aufnahme des Personenstandes „divers“ ins deutsche Recht überarbeitet werden müssen.

Könnte sich das Gendern mit „ens“ durchsetzen?

Wie schon vorn erwähnt: Dies erscheint aus Sicht des Jahres 2021 sehr unwahrscheinlich. Profex. Lann Hornscheidt und Ja’n Sammla gaben ihr Buch im eigenen Verlag w_orten & meer heraus. Die Gründung eines Verlages und die Herausgabe eines Buches sind sehr unkomplizierte Vorgänge, jedermann kann so ein Unternehmen starten. Daher ist die angestoßene Diskussion um das Gendern mit „ens“ als interessanter Beitrag zu betrachten, der aber voraussichtlich in sprachlicher Hinsicht auf lange Sicht keine Konsequenzen haben wird.

Sprachen entwickeln sich nicht sehr schnell. Wenn sie in ihren Formulierungen gerechter werden, richten sie sich immer noch meistens an den Mehrheiten aus. Diese sind, wenn wir der oben zitierten Statistik glauben, zu 99,8 % Frauen oder Männer.

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