Was sind Energieräuber? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was sind Energieräuber, Bedeutung, Definition, Erklärung


Den psychologisch gemeinten Begriff der „Energieräuber“ brachte 2017 die schwedische Therapeutin und Autorin Ingalill Roos ins Spiel. Sie lieferte mit einer Publikation Empfehlungen, wie man diese Energieräuber erkennen und sich vor ihnen schützen kann. Es handelt sich um Personen, die von uns mehr verlangen, als sie uns zurückgeben.

Was sind Energieräuber? Bedeutung, Definition, Erklärung

Grundsätzlich bestehen Beziehungen aus Geben und Nehmen. Das ist vollkommen in Ordnung, wenn es halbwegs ausgewogen abläuft. Wenn nun ein Mensch praktisch nur in der Rolle eines Nehmenden auftritt, ist er ein Energieräuber. Er strapaziert Beziehungen über Gebühr, was seine Umwelt als schnödes Ausnutzen empfindet. Das Ganze hat einen psychologisch-energetischen Effekt, den die Autorin Ingalill Roos aus der Sicht der Therapie nach den Schulen von Freud und Jung erläutert. Es geht also darum, wie die Kindheitsentwicklung einen Menschen zum Energieräuber werden lässt und welche Defizite er damit füllt. Er nimmt sich quasi die Energie von anderen, weil er sie nicht in ausreichendem Maße in seiner Kindheit erhalten hat. Aktuelle und ungelöste Konflikte oder Überforderung können freilich auch eine Rolle spielen. Energieräuber reflektieren ihr Verhalten nicht, weil das aus ihrer Sicht überflüssig ist: Ihr Rollenspiel funktioniert.

Schaden durch einen Energieräuber

Für den Gebenden, an den sich die Autorin mit ihre Buch wendet, bedeutet der Kontakt mit einem Energieräuber, diesem ständig eigene Energie zu liefern und dabei Ressourcen überstark zu strapazieren. Gebende verlieren auch durch die permanente Grenzüberschreitung von Energieräubern schließlich den Zugang zum eigenen Ich. Energieräuber sind fast immer große Narzissten. Es gilt, sie zu erkennen und sich von ihnen abzugrenzen. Sie sind unzufrieden und unbefriedigt, oft aggressiv und nicht fähig zur Selbstreflexion. Dahinter kann auch eine handfeste psychische Erkrankung wie ADHS stehen. Wer allerdings mit einem Energieräuber lebt und sich dessen Einfluss nicht entziehen kann, weil es sich beispielsweise um einen Familienangehörigen handelt, von dem die Trennung praktisch unmöglich ist (eigenes Kind oder Eltern, Geschwister), muss lernen, das eigene Verhalten zu hinterfragen, um die Beziehung gestalten zu können.

Erweiterung des Begriffes durch nachfolgende Autoren

Nach Ingalill Roos haben andere Autoren den Begriff erweitert. Energieräuber können demnach auch in unseren eigenen Intentionen und Gedanken stecken oder durch die technische Umwelt bedingt sein. So gilt die permanente Verfügbarkeit von Informationen durch die modernen Medien als Energieräuber. Sie zwingt uns zur ständigen Selektion, was unsere Aufmerksamkeit erfordert und viel Energie kostet. Auch das gesamte moderne Leben mit seinen zahllosen Möglichkeiten, aber auch den Verkehrsstaus und weiteren Unannehmlichkeiten ist per se ein Energieräuber.

Energieräuber identifizieren

Menschliche Energieräuber sind beispielsweise:

  • Partnerin oder Partner mit überhöhten Ansprüchen
  • Familienangehöriger mit ADHS
  • Freund/Freundin mit ständigem Gesprächsbedarf wegen irgendwelcher Problemchen (seinen/ihren Problemchen)
  • Chef/Chefin mit der ständigen Erwartung, dass man Überstunden für normal hält

Energieräuber in uns selbst sind:

  • Schlafmangel
  • Dauerstress durch überhöhten Ehrgeiz
  • Selbstsabotage
  • Desorganisation
  • Drogenmissbrauch

Technische bzw. umweltbedingte Energieräuber sind:

  • Stau
  • neue Medien
  • Verzögerungen in Arbeitsabläufen
  • das Wetter

Wie wir unschwer erkennen, können wir einigen dieser Energieräuber ausweichen, anderen nicht. Mit Letzteren müssen wir lernen umzugehen.

Abwehr von menschlichen Energieräubern

Bei menschlichen Energieräubern gilt es, die Beziehung zu ihnen in energetischer Hinsicht zu gewichten: Gibt sie uns mehr, als sie Kraft kostet? Diese Gewichtung kann im Einzelfall relativ einfach sein. Wir kennen das alle: Ein privates Gespräch besteht im Normalfall daraus, dass jede der beiden Personen abwechselnd über sich spricht und eigene Standpunkte erörtert. Im Idealfall sind sogar die Redezeiten sehr ausgewogen. Gesunde Beziehungen sind daran zu erkennen, dass sich die Gesprächspartner ausreden lassen und nach einem eigenen Redefluss der Gegenseite per se ebenso viel Redezeit einräumen. Dazu ist ein Energieräuber nicht imstande.

Eines seiner kommunikativen Kennzeichen ist, dass er seinen Gesprächspartnern ins Wort fällt. Ein zweites besteht darin, dass es immer nur um ihn geht, das dritte ist sein Sprechdurchfall, der schier gar nicht enden will. Wer in so einem Gespräch mit einem Energieräuber feststeckt, sollte es beenden. Mittelfristig wäre es günstig, die Beziehung zu reduzieren und noch besser ganz zu beenden. Allerdings ist das nicht immer möglich (siehe oben). Dann ist eine deutliche Abgrenzung nötig, die nötigenfalls auch mehrfach erfolgen muss.

Schwieriger gestaltet sich die Situation im Job, wo wir den Energieräubern meistens nicht ausweichen können. Hier gilt es, die eigene Einstellung zur Situation zu verändern und zu einem Reframing zu gelangen. Dieses bedeutet, eine neue Perspektive einzunehmen, die den Umgang mit dem Energieräuber erleichtert. Dieser kann fortan als Trainingspartner wahrgenommen werden, der einem hilft, entweder wegzuhören oder das Abgrenzen und Nein-Sagen zu üben. Dasselbe gilt für einen energieraubenden Angehörigen, von dem wir uns momentan nicht trennen können.

Abwehr von energieraubendem Verhalten

Wer sich nicht organisieren kann, sich selbst sabotiert, Drogen konsumiert und destruktive Gedanken zulässt, raubt sich selbst die so dringend benötigte Energie. Diese Energieräuber können wir am ehesten abschalten, weil sie in uns existieren und wir sie daher vollständig kontrollieren können. Das müssen wir natürlich auch wollen.

Viele Menschen tendieren beispielsweise zu Perfektionismus und überhöhten Ansprüche an sich selbst. Das raubt unglaublich viel Energie. Eine Sache kann die doppelte Energie kosten, wenn wir sie nicht zu 95 %, sondern zu 100 % perfekt erledigen wollen. Es gibt Dinge, die müssen perfekt sein, doch dies sind nicht viele. Bei allen anderen sollten wir uns mit den 95 % zufriedengeben und uns die Energie sparen. Auch mangelnde Selbstakzeptanz ist ein innerer Stressor, der sich aber entlarven lässt und damit die Energie spart, ständig darüber nachzudenken, was wir noch unbedingt besser machen müssen.


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Unter unseren Verhaltensweisen sind neben dem Drogenkonsum auch die mangelnde Bewegung, eine ungesunde Ernährung, Unordnung und zu wenig Schlaf starke Energieräuber. Dagegen können wir vorgehen. Allerdings ist dies manchmal leichter gesagt als getan, denn es ist schwer, sich von schädlichen Gewohnheiten zu verabschieden. Dennoch haben wir darüber am ehesten die Kontrolle, während wir äußere Einflüsse nicht so einfach abschalten können. Damit sind wir beim letzten Punkt: den technischen und umweltbedingten Energieräubern.

Technischen und umweltbedingten Energieräubern ausweichen

Einem Verkehrsstau lässt sich schlecht ausweichen, vor allem wenn er unerwartet kommt. In der Stadt sind allerdings Stauzeiten und -strecken bekannt, sie lassen sich möglicherweise mit einer geänderten Zeit- und Wegeplanung umgehen. Die Energie, die uns die neuen Medien rauben, können wir uns theoretisch auch zurückholen, denn niemand zwingt uns, jeden Post realtime zu verfolgen und selbst ständig zu posten. Der Knackpunkt ist hier die eigene Motivation, die sich in einer unbändigen Neugier kanalisiert: Wer hat was wann zuletzt von sich gegeben? Es kann unglaublich entspannend sein, das Smartphone einmal einen halben Tag lang auszuschalten. Probieren Sie es!

Autor: Pierre von BedeutungOnline

Hallo, ich bin Autor und Macher von BedeutungOnline. Bei BedeutungOnline dreht sich alles um Worte und Sprache. Denn wie wir sprechen und worüber wir sprechen, formt wie wir die Welt sehen und was uns wichtig ist. Das darzustellen, begeistert mich und deswegen schreibe ich für dich Beiträge über ausgewählte Worte, die in der deutschen Sprache gesprochen werden. Seit 2004 arbeite ich als Journalist. Ich habe Psychologie und Philosophie mit Schwerpunkt Sprache und Bedeutung studiert. Ich arbeite fast täglich an BedeutungOnline und erstelle laufend für dich neue Beiträge.


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