Was ist Trypophobie? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Trypophobie, Bedeutung, Definition, Erklärung


Trypophobie ist die Angst vor Löchern (griechisch τρῦπα und φόβος = Loch und Angst), und zwar nicht vor tiefen und großen Löchern, in die wir hineinfallen könnten, sondern vor kleinen Löchern, die als Muster zum Beispiel auf einer erkrankten Haut vorkommen. Daher scheint diese Phobie auch zu stammen: Sie ist als Gefühl möglicherweise evolutionär begründet, weil ein Lochmuster auf der Haut auf eine Krankheit verweist.

Was ist Trypophobie? Bedeutung, Definition, Erklärung

Im medizinischen Sinne gilt die Trypophobie bislang überwiegend als Aversion. Als echte und eigene Angststörung wurde sie mit Stand März 2021 noch nicht anerkannt. Man kennt sie auch erst seit 2005, damals wurde sie in einem Online-Forum erstmals erwähnt. Inzwischen ist bekannt, dass Trypophobie in Einzelfällen tatsächlich eine spezifische Phobie sein kann, über die immer mehr Berichte in sozialen Medien auftauchen und mit der sich auch schon die medizinische Fachliteratur in den letzten Jahren beschäftigt hat. Für die spezifische medizinische Diagnose einer Trypophobie fehlt aber bislang die ICD-Klassifikation. Wenn jemand so stark trypophobisch reagiert, dass der Arzt dies als Angststörung klassifiziert, verwendet er die ICD-10 F40.2 („spezifische Phobie“). Zu unterscheiden ist zwischen Angst, Aversion und Ekel. Für eine Phobie muss in der Tat Angst diagnostiziert werden.

Was löst eine Trypophobie aus?

Die auslösenden Objekte können alltägliche Dinge wie ein Schwamm, Schaum, eine technische Struktur oder bestimmte Früchte sein. Relativ starke trypophobe Wirkungen entstehen durch Bilder von löchrigen Wunden und Insektenfraß. Die Fliegenmadenkrankheit erzeugt bei Hunden solche Hautmuster, die beim betrachtenden Menschen eine Trypophobie auslösen können. Forscher, die sich in den 2000er-Jahren für das Phänomen der Trypophobie interessierten, erzeugten digital Bilder von Lochmustern auf menschlicher Haut, die praktisch so kaum oder nie vorkommen. Diese erzeugten die stärkten trypophobischen Wirkungen. Daraus leitete man ab, dass diese Angst oder Aversion damit zusammenhängt, dass wir uns vor einem solchen Lochfraß auf unserer eigenen Haut, der nur krankhafter Natur sein kann, intuitiv sehr fürchten. Vor allem ein Cluster solcher Muster, also etwa viele Löcher bzw. Blasen gehäuft an einer Stelle, lösen einen starken Reiz aus.

Wie reagieren trypophobische Menschen auf den Reiz?

Zur Symptomatik gehören vegetative Nervenreaktionen, darunter

  • Erschaudern und Gänsehaut,
  • Schwitzen,
  • Herzklopfen,
  • Übelkeit,
  • Zittern,
  • Juckreiz,
  • Unwohlsein sowie
  • visuelle Wahrnehmungsstörungen bis hin zu Augenschmerzen.

Eine Trypophobie kann sich manifestieren. Sie erzeugt dann bei entsprechenden Reizen immer wieder Angst und/oder Ekel, wobei der Ekel wohl deutlich überwiegt. Allerdings ist die Trypophobie wohl nicht mit anderen (generalisierten) Angststörungen assoziiert, was konkret bedeutet, dass solche Störungen nicht zwangsläufig eine Trypophobie mit sich bringen. Jedoch konnte man in Untersuchungen belegen, dass sie gemeinsam mit anderen Ängsten oder einer Depression auftreten kann. Auch leiden einige Personen gleichzeitig unter Trypophobie und einer anderen Zwangsstörung.

Wie lässt sich eine Trypophobie therapieren?

Das einzige derzeit bekannte Behandlungsverfahren (Stand März 2021) bietet die kognitiven Verhaltenstherapie: Betroffenen werden die entsprechenden Bilder immer wieder gezeigt, bis sich die Angst davor legt (sogenannte Konfrontationstherapie).

Wie oft kommt die Trypophobie vor?

Es gibt zur Häufigkeit bislang nur spärliche Studien. Eine davon wurde im Jahr 2013 mit relativ wenigen Probanden (nur 286 Teilnehmer) durchgeführt. Trypophobisch reagierten:

  • 11 % der teilnehmenden Männer
  • 18 % der Frauen
  • 16 % aller Probanden

Von den übrigen TeilnehmerInnen empfanden viele die betreffenden Bilder zumindest als unangenehm. Auf jeden Fall scheinen Frauen häufiger von Trypophobie betroffen zu sein.

Trypophobie: Ursachen, Erklärung

Es gibt zwei gegensätzlich Theorien zu den Ursachen. Eine Gruppe von Forschern geht davon aus, dass die Trypophobie als unbewusster Reflex dazu dient, uns vor gefährlichen Mustern zu warnen. Diese These leiteten die Wissenschaftler aus der Ähnlichkeit der Reaktionen mit denjenigen bei Spinnen-, Insekten- und Schlangenphobien ab. Daraus ließe sich dann schließen, so die Vermutung, dass der Ekel oder die Angst vor solchen Mustern und Tieren evolutionsbiologisch angelegt ist. Eine andere Forschergruppe vertritt die entgegengesetzte Meinung, dass die Angst- und Ekelreaktion erst im Verlaufe des Lebens erworben wird. Als Begründung führen diese Wissenschaftler an, dass man Trypophobie bei Kindern kaum kennt. Erwachsene hingegen hätten schon häufiger Bilder von Hautkrankheiten gesehen, was die Angst davor schüren kann.

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