Was ist Synthwave? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Synthwave, Bedeutung, Definition, Erklärung


Synthwave leitet sich von Synthesizer-Wave ab. Es handelt sich um eine Musikrichtung, die in den 1980er-Jahren mit der zunehmenden Klangfülle von Synthesizern (Keyboards mit synthetischer Klanggenerierung) entstand. Die Musiker jener Zeit waren begeistert von den Klangmöglichkeiten und schufen Songs, die dazu passten. Damit bestimmte der Sound erstmals vollständig den Musikstil.

Wie ist Synthwave musikhistorisch einzuordnen?

Musikhistorisch ist er ein revolutionärer Schritt. Die Musik in Europa wurde über Jahrtausende von Melodien und einfachen Rhythmen, dann seit dem 15. Jahrhundert durch komplexe kontrapunktische Strukturen und seit dem 17. Jahrhundert zunehmend durch komplexere Harmonien und Rhythmen getragen. Schon immer versuchten Musiker, auch den Klang zu erweitern. Die vielen Instrumente eines klassischen Orchesters sind hierfür ein Beleg.

Schon Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) ließ alle möglichen Streichinstrumente in verschiedensten Größen bauen und komponierte für sie, um neue Klangnuancen zu schaffen. Viele dieser Instrumente gibt es heute gar nicht mehr oder nur als Spezialanfertigungen für seltene Aufführungen. Dennoch blieben die klanglichen Möglichkeiten rein akustischer Instrumente begrenzt.

Erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts war die digitale Klangerzeugung so weit fortgeschritten, dass ein einziger Synthesizer mehrere Tausend bis sogar mehrere Millionen Klänge generieren konnte und damit völlig neue musikalische Möglichkeiten entstanden. Melodisch, harmonisch und rhythmisch waren diese Möglichkeiten seit dem Mittelalter praktisch ausgeschöpft worden. Die letzte Revolution in dieser Hinsicht war die 12-Ton-Technik von Arnold Schönberg im frühen 20. Jahrhundert, danach gab es nichts wirklich Neues mehr. Der Synthwave leitete die Revolution des Sounds ein. Seither erleben wir Klänge, die es so noch nie in der Musikgeschichte gab.

Synthwave: Musikalischer Stil

Synthwave gehört musikalisch zum New Wave, bei dem der Synthesizer die Basis für die gesamte musikalische Komposition schafft. Die wichtigsten Vertreter sind vielleicht:

  • Depeche Mode
  • Anne Clark
  • Psyche
  • Gary Numan

Die wichtigsten Synthesizer, welche die Klangcharakteristik des Subgenres bestimmten, waren der Moog Prodigy, der Korg MS-20, der Roland Juno-60, der Roland Jupiter-8, der Sequential Circuits Pro 1, der Oberheim OB-8, der Yamaha DX7 und der Casio FZ-1. Der historisch erste Synthwavetrack soll 1978 „Being Boiled“ von The Human League (Großbritannien) gewesen sein, doch das ist eine Auslegungsfrage.

In der Mitte der 1980er-Jahre folgten wichtige Bands wie Second Voice und The Invincible Spirit, die Synthwave mit Hardrock mischten. Der Stil hielt sich bis in die Mitte der 1990er-Jahre. Ein stilistischer Nebenstrang war die Electronic Body Music, die allerdings sehr minimalistisch auftrat, während die Vertreter des Synthwave immer auf Vielfalt und vor allem auf großartige Melodien setzten. Dazu sagte Peter Spilles, Musiker bei Project Pitchfork, dass man sich vom sterilen, trockenen Sound der EBM (Electronic Body Music) emanzipieren wolle, hart und dennoch melodiös sowie mit viel Atmosphäre komponiere, um Bilder zu schaffen.

Synthwave verstand sich von Anfang an als Klangmalerei im besten Sinne. Ein Beispiel ist die Übertragung des klassischen Orchesterwerks „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski, welches dieser 1874 komponiert hatte, auf mehrere Synthesizerfassungen durch verschiedene Bands. Der Synthwave führte in den 1990er-Jahren zum Dark Wave, wobei die Grenzen zunächst verschwammen. In den späten 1990er-Jahren wurde Synthwave durch andere Stilrichtungen integriert und erlosch als eigenständiges Musikgenre.

In modernen Rock- und Popsongs kommen selbstverständlich exotische Synthesizerklänge, aber auch verfremdete menschliche Stimmen und andere verfremdete Instrumente (Gitarren, Bläser, auch Streicher) zum Einsatz. Synthwave schuf teilweise grandiose, an die zeitgenössische klassische Musik angelehnte Kompositionen und grenzte sich damit bis in die 1990er-Jahre vom verpönten Synthie-Pop ab. Auch die Rohheit des Punk wurde in kantigen Gesangslinien aufgegriffen. Verwandte Stilistiken sind Electropunk, Minimal Electro und Elektro Wave. Die Grenzen sind dabei absolut fließend, für den Laien nur schwer auszumachen und auch weder digitaltechnisch noch musikalisch-kompositorisch klar abzustecken.

Der Techno wird von einigen Experten ebenfalls dem Synthwave zugeordnet bzw. soll in diesem seine Wurzeln haben, während die Techno-House-Bewegung davon abgegrenzt betrachtet wird.

Einige wichtige Veröffentlichungen des Synthwave

1970er-Jahre

  • Being Boiled: The Human League –
  • Gary Numan: Cars

1980er-Jahre

  • Anne Clark: Changing Places
  • Depeche Mode: Some Great Reward
  • Psyche: Insomnia Theatre
  • Invisible Limits: Devil Dance
  • The Invincible Spirit: Push!

1990er-Jahre

  • Vanishing Heat: Hallucination
  • Deine Lakaien: Dark Star
  • Project Pitchfork: Dhyani
  • Metronic: Mystic Moods
  • Fortification 55: Anthropology
  • Second Voice: D.A.W.N.

Synthwave: Wichtige Bands

Depeche Mode gehörte zu den berühmtesten Bands des Synthwave. Den Namen entliehen die Musiker nach der Bandgründung 1980 dem französischen Modemagazin Dépêche Mode. Die Band verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger und gehört damit zu den global und historisch erfolgreichsten Bands. Die Musiker kannten sich schon vor 1980 aus anderen Formationen, doch erst mit der Umbenennung auf Depeche Mode wandten sie sich vollständig dem Synthwave zu und wurden damit sagenhaft erfolgreich. Ihren weltweiten Durchbruch erreichten die Künstler ab Mitte der 1980er-Jahre unter anderem mit dem Album „Some Great Reward“, das sie in einem Berliner Studio aufgenommen hatten. 1988 traten sie in der DDR auf. Es gibt die Band immer noch, sie hat ihren Stil aber inzwischen geändert. 2020 wurde sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Eine weitere wichtige Band des Synthwave ist Psyche aus Kanada, die inzwischen in Deutschland wirkt. Auch Psyche spielte nach der Gründung in den 1980er-Jahren strengsten Synthwave, wechselte aber ab den späten 1990er-Jahren zu einem zugänglichen und optimistischen Pop. Wichtig ist diese Band, weil sie mit dieser Hinwendung den besten Beleg dafür liefert, wie Synthwave allmählich vom Mainstream aufgesogen wurde.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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