Was ist Schwundgeld? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Schwundgeld, Bedeutung, Definition, Erklärung


Schwundgeld wird auch als umlaufgesichertes Geld bezeichnet und ist ein Instrument der freien Marktwirtschaft, um die Umlaufgeschwindigkeit einer Währung zu erhöhen. Beim Schwundgeld werden Kosten für eine Geldhaltung durch die Umlaufsicherung erhöht. Bei Schwundgeld findet Wertaufbewahrungsfunktion einer Währung NICHT statt.

Schwundgeld in verständlich: Schwundgeld ist Geld, dass mit der Zeit an Wert verliert. Dieser Wertverfall soll motivieren, dass Geld schneller auszugeben und es nicht horten. Schwundgeld verhindert, dass eine Zinzwirtschaft entsteht.

Bedeutung und Geschichte von Schwundgeld

Viele Theoretiker und Ökonomen stellten Thesen auf, dass der Wertverfall von Gütern und Waren nicht mit dem Wert von Geld zusammenhängt, sondern die Waren später einen höheren Geldwert erwirtschaften können. Waren sind vom Verfall einer Währung freigestellt. Viele Ökonomen im 19. Jahrhundert entwarfen sogenannte Warenbanken, die einer normalen Bank gleichwertig waren. Kunden konnten Waren, die sie besitzen zu dieser Bank bringen und anlegen. Nach zehn oder 20 Jahren würde der Kunde ein gleichwertiges Fahrrad erhalten und beugt so einem Warenverfall vor.

Andere Ökonomen sahen eine Diskrepanz zwischen Währungsstabilität und Warenzerfall und diese lässt sich nicht mit der Hortung von Waren lösen. Diese Ökonomen gaben Geld eine bestimmte Lebensdauer und dass eine Löschzeit durch die Hortung von Geld eintritt. Geldhortung verschafft dem Kunden einen wirtschaftlichen Vorteil, sodass Rezessionen abgewartet und die Preise beeinflusst werden können.

Zum besseren Schutz vor Spekulationen, welche die Wechselkurse der Währungen nach dem Zweiten Weltkrieg enorm belasteten, sollte eine Umlaufsicherung dafür sorgen, dass das Geld nicht zu stark an Wert verliert. Durch diese Umlaufsicherung sollte die Vormachtstellung großer Währungen wie z.B. dem US Dollar, eingegrenzt werden und Handelsdefizite oder Handelsüberschüsse einfacher und effektiver stabilisiert werden können.

Beispiel: Schwundgeld

Schwundgeld gab es bereits im alten Ägypten und in Europa 100 v. Chr.. In Ägypten lagerten die Menschen Getreide ein und besicherten diese Waren mit Tonscherben. Das Getreide diente als Zahlungsmittel. Besitzer konnten sich ihre Waren jederzeit im Jahr abholen und mussten dann einen gewissen Verfallsabschlag zahlen. Erst nach Eroberung der Römer wurde Münzgeld eingeführt.

Dieses Münzgeld wurde im Mittelalter von der Kirche und den Herrschern für ungültig deklariert. Die Menschen konnten dann das alte Münzgeldfür einen Obulus gegen neugeprägte Münzen eintauschen. Die Abschläge variierten stark. Die jeweilige Differenz ging immer and die Kirche oder den Herrscher. Allerdings hielt dieses System nicht lange an. Die Geldmenge wuchs immer schneller und die damaligen Kaufleute wollen ein Geldsystem, das weitreichend ist. Es folgte die Münzverrufung und es wurden Verbrauchs- und Handelssteuern eingeführt.

Das erste Experiment mit Schwundgeld erfolgte im 19. Jahrhundert. Es wurden Lebensmittel produziert, die die Bevölkerung nicht verbrauchen konnte. Die Zins- und Steuerzahlungen sorgten dann dafür, dass das gesamte System zusammengebrochen ist. Die britische Regierung reagiert darauf mit dem Bau eines Wirtschaftsmarktes und druckte 4.000 Pfund Sterling als Zweitwährung. Das Geldsystem stabilisierte sich wieder und nach ca. fünf Jahren wurde dieses Geld wieder vernichtet. Dieses System erinnert in der Art der Verwendung an umlaufgesichertes Geld, es stellt aber eine Art Kredit dar.

In der 1930er Jahren entwarf ein Ökonom aus Tirol einen Art Gutscheinsystem zur Bezahlung. Die Menschen erhielten als Bezahlung für ihre Arbeit Gutscheine, mit denen sie dann Waren und Dienstleistungen kaufen bzw. eintauschen konnte. In anderen Teilen Österreichs wurden die Menschen normal bezahlt und horteten das Geld Zuhause. Aus diesem Grund verlor die damalige Währung jeden Monat stetig an Wert (ca. ein Prozent im Monat).

Die kleine Gemeinde in Tirol wurde davon verschont. Das System mit den Gutscheinen funktionierte und die Arbeitslosigkeit sank. Da es ein dezentrales System darstellte, griff nach einem Jahr die Nationalbank Österreichs ein und schaffte diese Gutscheine wieder ab. Es dauerte nicht lange, und die Konjunktur brach zusammen und die Arbeitslosigkeit stieg wieder an.

Im Grunde genommen verfolgen die Zentralbanken mit Strafzinsen ein ähnliches Ziel. Nationalbanken sollen keine Einlagen horten, sondern die Umlaufgeschwindigkeit ankurbeln und Kredite vergeben.

Prinzip: Schwundgeld

Das Ziel von Schwundgeld ist, dass der Wert des Geldes im Vergleich zu Waren und Gütern zu reduzieren, um Investitionen zu ermöglichen und anzuregen. Durch die Umlaufsicherung werden die Kosten reduziert, die für eine bestimmte Menge Waren fällig wären. Sie erhalten also für eine bestimmte Menge Geld weniger Waren als vorher. Gesteuert wird das gesamte System über einen Preisindex, wodurch die Kaufkraft in einem Geldsystem kontrollierbar und stabil gehalten wird. Dadurch unterscheiden sich die Wertminderung von Währung und Geld. Das Ziel von Schwundgeld ist, dass die Umlaufgeschwindigkeit von Geld immer gleich bleibt. Auf diese Weise werden immer weiter Investitionen getätigt und Menschen horten kein Geld, sodass es an Wert verliert.

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