Was ist geistige Brandstiftung? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist geistige Brandstiftung, Bedeutung, Definition, Erklärung


Unter der Bezeichnung der geistigen Brandstiftung versteht man im Allgemeinen das Motivieren einer Person mit Hilfe von negativer Verstärkung. Jemand erzählt bewusst eine vermeintlich schmerzliche oder angsterfüllende Geschichte, um sein Gegenüber zu einer bestimmten Reaktion zu bewegen. Die geistige Brandstiftung ist sowohl in der Politik als auch bei Verkaufsgesprächen zu finden.

Woher kommt der Begriff der geistigen Brandstiftung? Erklärung, Bedeutung

Eine sehr frühe Benennung stammt aus dem 1849. Der Begriff taucht in dem Buch “Deutsche Fahrten: Eine Revolution…” auf, ohne weiter ausgeführt zu werden.

Die Zusammensetzung des Begriffs stammt aus der Metaphorik. Hier wird der Begriff der Brandstiftung auf ein sprachliches Mittel angewendet. Es gibt eine Person, die als “Brandstifter” ein “Feuer” legen will. Anders als im herkömmlichen Sinn nutzt er dafür aber kein Streichholz oder Feuerzeug. Stattdessen erzeugt die Person das “Feuer” nur in den Köpfen der Leute, mit denen er spricht. Man spricht auch von Agitation, also einer Aufwiegelung. Der Unterschied liegt allerdings darin, dass eine Agitation direkter ist. Die Redner sprechen direkt aus, was gemacht werden muss und motiviert dadurch die Zuhörer, bestimmte Handlungen auszuführen.

Bei einer geistigen Brandstiftung ist die Herangehensweise allerdings etwas subtiler. Es wird nicht direkt angesprochen, was getan werden muss. Stattdessen werden den Zuhörern vermeintlich schlimme Situationen beschrieben und eventuell beiläufig erwähnt, was in dieser Situation hätte helfen können. Der Redner entzündet also nur einen geistigen “Funken”. Wenn die Zuhörer dann aufgrund der gehörten Ereignisse zu dem Schluss kommen, dass sie bestimmte Dinge machen müssen, wird aus dem “Funken” das “Feuer” der geistigen Brandstiftung.

Geistige Brandstiftung im Verkaufswesen: Erklärung, Bedeutung

Verkäufer möchten bei einem Verkaufsgespräch immer einen positiven Abschluss für sich erzielen. Wenn sie es nicht über den Weg der Lust schaffen, also dem Kunden suggerieren können, dass ihm das Produkt gefallen würde, dann greifen sie auch mal zur geistigen Brandstiftung.

Statt Lust wird dem Kunden Angst gemacht. Der Verkäufer beschreibt eine theoretische Situation, die so schrecklich ist, dass der Kunde den Eindruck bekommt, dass er sich durch einen Kauf sofort absichern muss.

Am einfachsten lässt sich das Prinzip der geistigen Brandstiftung bei einem Versicherungsverkauf beschreiben. Der Verkäufer möchte natürlich möglichst viele Versicherungen verkaufen. Der Kunde ist aber nur an den notwendigsten Versicherungen interessiert, um Kosten zu sparen. Da erzählt der Verkäufer die Geschichte eines anderen Kunden – ohne Namen – dem es vor Kurzem passierte, dass in seiner Wohnung ein Kabelbrand ausbrach. Das Feuer hat große Schäden angerichtet und weil der Kunde keine Hausratversicherung hatte, musste er die Kosten selber tragen.

Auch wenn die Geschichte frei erfunden ist, wird der Kunde dennoch eingeschüchtert. Er malt sich aus, wie es wäre, wenn ihm etwas ähnliches passiert und schließt dann letztendlich doch eine Hausratversicherung ab, um sich zu schützen.

Geistige Brandstiftung in der Politik: Erklärung, Definition

In der Politik wird die geistige Brandstiftung auch verwendet, um die Zuhörerschaft zu bestimmten Aktionen oder Reaktionen zu bewegen. Häufig wird dieses rhetorische Mittel bestimmten politischen Strömungen zugeordnet wie beispielsweise den Parteien, die sich vermehrt gegen Ausländer in Deutschland aussprechen.

Wenn die Redner in ihren Ausführungen zu bestimmten Themen ganz bewusst die Ängste der Zuhörer schüren wollen, um damit mehr Anhänger auf ihre Seite zu ziehen, dann ist das ähnlich wie im Verkaufswesen eine geistige Brandstiftung.

Als politisches Mittel ist diese Art der Beeinflussung aber nicht neu. Demagogen wie Adolf Hitler haben sich gerne mit den Ängsten ihrer Zuhörerschaft beschäftigt, um sie auf ihre Seite zu ziehen. Sie nutzten dafür die allgemeine Stimmung aus und spitzen diese durch das Erzeugen bestimmter Bilder zu. Auf diese Weise wurden die Zuhörer angestachelt und folgten den Rednern, auch wenn deren Behauptungen keine logische Grundlage hatten.

Die geistige Brandstiftung in der Politik führt dazu, dass es schwieriger wird Debatten zuführen.

Wie ist geistige Brandstiftung zu bewerten?

Sowohl im Verkaufswesen als auch in der Politik gilt die geistige Brandstiftung als ein unseriöses Mittel, um andere Menschen zu beeinflussen. Viele Menschen lehnen es ab, andere Leute durch das Schüren von Ängsten oder das Beschreiben möglicher Schmerzen zu bestimmten Handlungen zu drängen.


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Das Problem ist auch, dass das Mittel keine Garantie für bestimmte Erfolge liefert. Ähnlich wie ein reales Feuer kann auch das Gedankenfeuer sich in unerwartete Richtungen entwickeln. Der Kunde, der eigentlich nur eine Versicherung abschließen will, verkauft stattdessen seine Wohnung und zieht in ein modernes Haus um. Oder die Zuhörerschaft, die für einen bestimmten Politiker stimmen soll, läuft plötzlich los und schlägt die Anhänger einer anderen Partei zusammen.

Eine geistige Brandstiftung ist darum unkalkulierbar und wird auch aus diesem Grund bei seriösen Verkaufsgesprächen oder fundierten politischen Unterhaltungen nicht angewendet.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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