Was ist eine Aktienrente? Wie funktioniert sie? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist eine Aktienrente, Wie funktioniert sie, Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Aktienrente finanziert sich aus Anlagen am Finanzmarkt mit einer hohen Rendite und soll die Rente in Deutschland ergänzen. Vorbilder sind Schweden, Norwegen sowie die Niederlande. Besonders die skandinavischen Länder finanzieren die Altersversorgung unter anderem mit Aktienfonds (Schweden) oder mit einem staatlichen Ölfonds (Norwegen).

Dauerkrise der Rentenkassen: Aktienrente als Antwort

Das deutsche Rentensystem ist seit geraumer Zeit in der Krise. Der Staat muss bereits heute hohe Summen aufbringen, um die Rentenkassen zu stützen. In den kommenden Jahren werden sich die Finanzierungsprobleme der Alterssicherung weiter verschärfen. Denn das Verhältnis zwischen Rentnern und Arbeitnehmern entwickelt sich zunehmend ungünstig. Immer mehr Beschäftigte aus den geburtenstarken Jahrgängen, auch Babyboomer genannt, wechseln in den nächsten Jahren ins Rentnerdasein. Damit müssen immer weniger Arbeitnehmer eine immer höhere Zahl von Rentnern finanzieren.

Aktuell liegt das Rentenniveau nur noch bei 49,4 Prozent der durchschnittlichen Nettoeinnahmen eines Arbeitnehmers. Fachleute gehen davon aus, dass es nach 2030 zu einer weiteren dramatischen Absenkung kommt. Ab 2060 sind dann nur noch 36 Prozent zu erwarten. Zeitgleich müsste der Staat seine Zuschüsse, die er aus dem Steueraufkommen entnimmt, weiter erhöhen.

Aktienrente: Bevölkerungsentwicklung und niedrige Zinsen als Ursache

Vor fast einem Jahr unterbreitete die Rentenkommission der Regierung diverse Vorschläge für eine Rentenanpassung. Allerdings hatte sie nur gewisse Haltelinien vorgeschlagen für das Rentenniveau und die Beitragssätze. Zusätzlich plädiert sie für einen Ausbau der staatlich geförderten Altersvorsorge. Konkrete Vorschläge entwickelte die Kommission jedoch nicht.

Zusätzlich zur für das Rentensystem ungünstigen Altersstruktur der bundesrepublikanischen Bevölkerung hat die anhaltende Niedrigzinsphase einen negativen Einfluss auf Lebensversicherungen und die Riester-Rente. Die Verzinsung sicherer Anlagemodelle fällt zur Zeit äußerst gering aus. Als Folge erhält die Rentenkasse jedes Jahr Milliardenbeträge aus Steuermitteln. Im Jahr 2020 sind es etwa 100 Milliarden Euro, das entspricht einem Viertel des gesamten Bundeshaushalts. Am Ende des Finanzplanungszeitraums im Jahr 2024 werden sich diese Zuschüsse auf ungefähr 120 Milliarden Euro erhöhen. Einige Politiker schlagen deshalb zur Finanzierung die Aktienrente vor. So wäre die Rente wieder sicher, das Rentenniveau könnte sogar auf etwa 50 Prozent ansteigen, und auch für stabile Beiträge wäre gesorgt.

Aktienrente: Mit zwei Prozent an die Börse

Mit Investitionen am Kapitalmarkt könnten die Kassen hohe Renditen erwirtschaften und das staatliche Rentensystem deutlich entlasten. So fordern einige Rentenexperten, einen Teil der Beiträge in eine gesetzlich vorgeschriebene Aktienrente umzuleiten. Der Rentenbeitrag würde weiterhin 18,6 Prozent vom Bruttolohn ausmachen, aber nur 16,6 Prozent fließen wie gehabt in das gesetzliche Umlagesystem. Etwa zwei Prozent des Bruttoeinkommens aber, so ein Vorschlag, solle für Investitionen am Aktienmarkt verfügbar bleiben.

Diese kapitalgedeckte Altersvorsorge stünde unter der Verwaltung einer unabhängigen öffentlich-rechtlichen Einrichtung. Lange Anlagezeiträume machen einen derartigen Fonds besonders interessant, denn auch Beschäftigte mit kleinen Einkommen profitieren vom Zinseszinseffekt, durch den mit der Zeit auch bei kleinen Beiträgen substantielle Vermögen entstehen.

Erste Konzepte dieser Art gab es bereits im Jahr 2020. Und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) plädierte schon 2019 für die sogenannte Extrarente, bei der Arbeitnehmer Beiträge in einen Fonds einzahlen, der an den Aktienmärkten investiert.

Aktienrente: In anderen Ländern bereits gängige Praxis

Einige europäische Länder finanzieren die Rentenbezüge ihrer Bürger bereits seit geraumer Zeit durch die Einnahmen aus Investmentfonds, so etwa Norwegen, Schweden oder die Niederlande.

Schweden als Vorbild

Das schwedische Rentenmodell besteht aus einer staatlichen Grundrente, einer Betriebsrente sowie der privaten Altersvorsorge. 2,5 Prozent des Bruttoeinkommens überweist der Beschäftigte an einen Vorsorgefonds, entweder an den staatlichen AP7-Fonds oder eines der anderen Fondsangebote. Diese investieren hohe Anteile ihres Kapitals am internationalen Aktienmarkt. Die Fondsrating-Agentur Morningstar bewertet den AP7-Fonds als einen der zuverlässigsten Aktienfonds in ganz Europa. Mit 0,11 Prozent jährlich entstehen äußerst niedrige Kosten, der Fonds erwirtschaftete in den letzten Zehn Jahren im Durchschnitt eine Rendite von 14 Prozent im Jahr.

Die Ölförderung in Norwegen und die Rente

Der Aktienmarkt spielt auch in Norwegen eine besondere Rolle bei den Rentenzahlungen. Aus einem staatlichen Aktienfonds erhalten die Nordländer ihre garantierte Rente, die zur Zeit umgerechnet 1 600 Euro im Monat beträgt. Der Fonds speist sich aus den Einnahmen aus der Ölförderung der Skandinavier und kommt als Modell für Deutschland deshalb nicht in Betracht. Er gehört mit einer Kapitalisierung von aktuell einer Billion US-Dollar zu den größten Staatsfonds auf der ganzen Welt.

Zusätzlich zu ihrer regulären Staatsrente, die sich nach seinem Gehalt berechnet, können die Norweger noch auf eine weitere Vorsorge zurückgreifen. Diese ist ebenfalls obligatorisch und orientiert sich an den Kapitalmärkten. Der Arbeitgeber investiert wenigstens zwei Prozent des Lohns, den der Arbeitnehmer erhält. Die hierfür in Frage kommenden Fondsprodukte werden von damit beauftragten Banken gemanagt und erreichen meist Renditen, wie sie an den globalen Märkten üblich sind. Zwischen fünf und sechs Prozent betragen die durchschnittlichen Einnahmen pro Jahr, 2005 schaffte eines der besten Pensionsprodukte sogar ungefähr acht Prozent.

Die Niederlande und ihre Fondsprodukte

Aktienanlagen sind auch in Dänemark und den Niederlanden wichtig für die Absicherung des Rentenniveaus. Jeder Niederländer erhält zunächst eine bedingungslose Grundrente von etwa 1 200 Euro. Außerdem erzielt er Einkünfte aus einer betrieblichen Altersvorsorge, zu der jeder Staatsbürger verpflichtet ist. Die Vermögensverwalter der Betriebsrenten investieren überwiegend am Kapitalmarkt.


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Aktienrente: Was wenn es abwärts geht an den Börsen?

Einer der wichtigsten Kritikpunkte an den kapitalgedeckten Finanzierungen der Renten sind die möglichen Auswirkungen von Turbulenzen an den weltweiten Börsen. In Schweden konnten die Betroffenen bei Kursstürzen an den Aktienmärkten während der letzten 20 Jahre schon mehrfach entsprechende Erfahrungen sammeln. In einigen Fällen sah sich der Staat bereits gezwungen, den Aktienfonds mit Zuschüssen zu stützen. Nur so ließen sich zu geringe Leistungen oder sogar dauerhafte Senkungen der Rentenansprüche vermeiden.

Auch die Niederländer konnten sich von der Unzuverlässigkeit der kapitalmarktgedeckten Betriebsrente immer wieder überzeugen, die sich bei Schwankungen an den Märkten wiederholt als anfällig erwies. In einer Zeit niedriger Zinsen konnten die Fondsmanager zudem nicht die Renditen erwirtschaften, die sie ursprünglich erwartet hatten. Deshalb diskutiert die holländische Öffentlichkeit bereits weitreichende Reformen des Rentensystems. Hier entfernt sich das Meinungsbild sogar wieder vom Kapitalmarkt, viele erwägen schon die Einrichtung eines Umlagemodells, wie wir es in Deutschland kennen.

Warnende Stimmen aus dem Gewerkschaftslager

Durch die bedenklichen Erfahrungen in den Nachbarländern verunsichert, warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor risikobehafteten Experimenten. Die Aktienrente erfülle nur ihren Zweck, wenn der Arbeitnehmer über einen längeren Zeitraum und dauerhaft einzahlt, so die Auffassung der Arbeitnehmervertreter. Wer also, egal aus welchem Grund, früher in Rente geht, hätte das Nachsehen und müsste mit reduzierten Bezügen auskommen. In der Tat wären Beschäftigte, die zum Beispiel wegen einer Krankheit nicht länger am Arbeitsleben teilnehmen können, mit der Aktienrente schlechter gestellt als mit dem Umlagesystem. Denn die Aktienrente funktioniert nicht nach dem Solidarprinzip, bei dem jeder für jeden einsteht. Und eine Erwerbsminderungsrente ist bei den zur Zeit praktizierten Modellen nicht vorgesehen.

Politischer Widerstand von den Sozialdemokraten

Die SPD ist ebenfalls besorgt, ihr geht es einerseits um eben diese frühzeitig aus dem Erwerbsleben Ausgeschiedenen, aber auch um Witwen und Waisen. Denn wer kein Gehalt bezieht, von dem Anteile angelegt und schließlich als Rente ausgezahlt werden, erhält auch am Ende keine Leistungen. Zudem profitieren ausschließlich die Besserverdienenden von der Aktienrente. Denn zwei Prozent von einem hohen Gehalt bringen mehr Rendite als zwei Prozent bei einem Niedriglöhner.

Aktienrente: Argumente der Befürworter

Allerdings gibt es wie so oft, also auch hier, zwei Meinungen. Die Befürworter der kapitalgedeckten Altersvorsorge argumentieren, ein Geringverdiener profitiere in vielen Fällen überproportional von den Modellen. Denn das Umlagesystem kennt zm Beispiel das Äquivalenzprinzip, weshalb die Leistungen ab einer bestimmten Höhe gekappt werden. Außerdem zahlt der Besserverdienende nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze in das System ein mit der Folge, dass den Kassen Kapital verloren geht.

Auch die oben genannten Nachteile für Witwen, Waisen und Erwerbsgeminderte sehen die Befürworter de Kapitalrente als unwesentlich an. Vielmehr wollen sie sich für eine Erwerbsminderungsrente im Rahmen de Aktienmodells einsetzen, und Verwitwete und Waisen erhalten ihre Rentenansprüche ohnehin weiter als gesetzliche Rente.

Teure Umstellung bis 2030

Besonders ins Gewicht fällt allerdings die Tatsache, dass die Aktienrente über Jahre hinweg auf staatliche Zuschüsse angewiesen bleibt. Denn der Deutschen Rentenversicherung (DRV) entgehen Milliarden, wenn ihr statt 18,8 nur noch 16,6 Prozent der Beiträge zustehen sollten. Die Leistungen an die Versicherten müsste sie dann um fast zehn Prozent senken, was die Politik dem Wahlvolk bestimmt nicht zumuten will. Oder der Bundeszuschuss steigt um beinah ein Drittel auf 130 Milliarden pro Jahr, zusätzlich zu den weiter nötigen Steuerzuschüssen.

Vorteil und Ziel der Umschichtungen: Ab 2030 stabilisiert sich das Rentensystem, die Aktienrente trägt sich selbst und erweist sich als leistungsfähiger als die Umlagefinanzierung. Dann sind Renditen von durchschnittlich 6,5 Prozent möglich, die gesetzliche Rente kommt auf nur drei Prozent. Die Leistungsberechtigten bekämen ab 2040 etwa 136 Euro oder 11 Prozent zusätzlich. 2050 ist mit einer Rentensteigerung von 271 Euro zu rechnen, ab 2018 sogar mit 457 Euro.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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