Was ist ein eingefrorener Konflikt? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist ein eingefrorener Konflikt, Bedeutung, Definition, Erklärung


Ein eingefrorener Konflikt ist ein Konflikt bei dem es bisher kein Ende und keine Lösung gab. Ein eingefrorener Konflikt ist ein ungelöster Konflikt bei dem eine scheinbare Waffenruhe herrscht, aber weder eine offizielle Waffenruhe noch ein Friedensvertrag beschlossen wurden.

Bei einem eingefrorenen Konflikt beharren die Konfliktparteien weiterhin auf ihren Ansprüchen und konnten bisher keine Kompromisslösung finden. Es finden aber kaum noch Kampfhandlungen statt. Die Konfliktparteien halten das Gebiet in dem sie sich gerade finden einfach besetzt.

Auf gut deutsch: Bei einem eingefrorenen Konflikt kam es zu einem Patt und keine der Konfliktparteien möchte davon abrücken.

Was ist ein eingefrorener Konflikt? Bedeutung, Definition, Erklärung

Ein eingefrorener Konflikt ist auch als ‚kalter‘ Konflikt zu bezeichnen. Damit wird lediglich auf den Status, also den gegenwärtigen Verlaufszustand des Konflikts Bezug genommen.

Konflikte sind gemeinhin vielfältiger Natur. Ihre Gründe mögen ebenso mannigfaltig wie rational erklärbar sein. Ein eingefrorener Konflikt birgt, im Gegensatz zu einem akuten, andere Chancen und Risiken. Sehr wohl besitzen ungelöste Konflikte schwelenden Charakter, das heißt, sie sind omnipräsent und verweilen stets im Unterbewusstsein. Dort sitzen sie tief verankert in einer Art Dämmerzustand abgespeichert. Die Gefahren eines schwelenden Konflikts liegen auf der Hand: Jedes Eis kann schmelzen – und auf mittlere oder lange Sicht zu einer Überschwemmung führen – mit gravierenden Konsequenzen. Diese metaphorische Darstellung des Sachverhalts verdeutlicht, wie aus einem eingefrorenen Konflikt ein akuter werden kann – wenn die Anzeichen, die in den meisten Fällen sehr klar zutage treten, ignoriert oder schlicht falsch interpretiert werden. Wenn also – um auf der metaphorischen Ebene zu bleiben – das Eis taut, lauert unter der dicken Oberfläche eine Welle, vielleicht sogar ein zerstörerischer Tsunami.
Solange das Eis jedoch nicht bricht, kommt der Konflikt nicht zum Vorschein.

Eingefrorener Konflikt: Eskalation nur eine Frage der Zeit

Eingefrorene Konflikte sind nicht nur unverarbeitet, sondern auch in besonderer Weise riskant. Sie neigen dazu, in Vergessenheit zu geraten, da sie im Alltag weitestgehend ignoriert werden. Es genügt jedoch ein lapidarer Auslöser (Trigger) und der verdrängte Konflikt meldet sich mit voller Wucht zurück ins Leben. Dieser Umstand zeigt die Gefahr einer dauerhaften, chronischen Eskalation. Anders als bei akuten Konflikten besteht hier die Chance, durch Aufarbeitung und Vernunft eine schnelle Eskalation zu vermeiden – und so zumindest aus psychologischer Sicht eine Eruption mit ungeahnten Folgen so gering wie möglich zu halten. Je stärker die Verdrängung des Konflikts, desto gewaltiger fällt die Reaktion auf die sogenannten Trigger aus. Wenn sich demnach in einem eingefrorenen Konflikt jede Menge Wut und Verbitterung angestaut haben, kann die Zeit eben nicht alte Wunden heilen, sondern maximal verdecken. Selbst wenn sprichwörtlich Gras über eine Sache wächst, kann bestenfalls von einer temporären, trügerschen Ruhe die Rede sein, nicht jedoch von einer Problemlösung.

Eingefrorener Konflikt: ständige Belastung

Ein eingefrorener Konflikt nagt permanent unterschwellig am Nervenkostüm. Ihn abzuschütteln oder gar aufzulösen, ist praktisch unmöglich. Der Vorteil eines akuten Konflikts ist die sich relativ rasch entwickelnde Eskalationsstufe und damit das absehbare Ende des Problems. Verdrängte Konflikte bergen die Gefahr einer endlosen Spirale aus Angst vor Konfrontation und Scham, den Konflikt nicht lösen zu können. Somit scheint zwar der vermeintlich unangenehme, vielleicht auch angsterfüllte Teil vorerst hintenangestellt zu sein, doch hinter den Kulissen brodelt es auch im Dunkeln weiter. Dieser langwierige, quälende Charakter erschwert die wichtige persönliche Auseinandersetzung mit den verdrängten Anteilen, also des auf Eis gestellten Konflikts. Da Konfrontation Stress – und zumeist eine unangenehme Gegenreaktion auslöst, erscheint es auf den ersten Blick nicht verwunderlich, dass dieser Mut erfordernde Schritt möglichst vermieden werden will. Der Konflikt verlagert sich lediglich, er verschwindet keinesfalls.

Eingefrorener Konflikt: wissenschaftliche Sicht

Aus wissenschaftlicher Sicht steht fest, dass jeder Mensch über natürliche Reflexe verfügt, die ihn vor Ärger und Unheil schützen sollen. Zweifellos gilt dieses Phänomen auch für kalte, ungelöste Konflikte. Im Grunde dienen jene Reflexe dem Gehirn als eine Art Selbstschutz und als psychologisch sinnvolles Werkzeug der Umgehung von Überforderung. Der eingefrorene Konflikt beschert dem Menschen zunächst mehr Spielraum, mit der scheinbar unlösbaren Aufgabe zurecht zu kommen. Daneben spielt auch der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle.

Permanente Konflikte erfordern schnelle Lösungen, die sich gerade im ohnehin hektichen Alltag zur unüberbrückbaren Hürde herausstellen. Die Mischung aus chronischer Überforderung, Angst und Kontrollverlust lässt der menschlichen Kommandozentrale, dem Gehirn, keine andere Wahl als sämtliche Schutzpanzer aufzufahren. Inwiefern diese mehr Last als Schutz sind, muss infrage gestellt und kann nur von Fall zu Fall beantwortet werden.

Es versteht sich von selbst, dass nicht nur Einzelpersonen eingefrorene Konflikte mit sich herumschleppen. In der Tat lehrt uns die Geschichte, dass ganze Staaten unter kollektiven Traumata leiden, welche sie, aus verschiedensten Gründen, bis heute nicht zu verarbeiten vermochten. Ein schwelender Konflikt kann ein legitimer Kriegsgrund darstellen. Wenn politische Beziehungen zwischen Staaten aufgrund diverser Probleme auf Eis gelegt werden, droht ein neuer Kalter Krieg, beziehungsweise ein Eiserner Vorhang, wie wir ihn in der Geschichte bereits am Beispiel der Sowjetunion erleben mussten. Bis das Eis schmilz, kann viel Zeit verstreichen – und damit eine Eiszeit nicht alles Leben unter sich begräbt, sollte sie rechtzeitig erwärmt werden, möglichst sachte und bedacht.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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