Was ist der Verstetigungseffekt? Was ist Verstetigungspolitik? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist der Verstetigungseffekt, Was ist Verstetigungspolitik, Bedeutung, Definition, Erklärung


Eine Bedeutungsanalyse des Begriffes des Verstetigungseffekts empfiehlt zunächst einen Blick auf das Verb verstetigen. Verstetigen ist ein Begriff, der sich zwischen den ethymologischen Bedeutungen von „bestätigen“ und „verfestigen“ einreiht. Wortkunden und synonymische Nachschlagewerke weisen auf die bedeutungsgleiche Verwendung von „etablieren“ hin, obgleich die Verwendung des Verbs etablieren im alltags- und bildungssprachlichen Kontext zumeist in anderen Zusammenhängen nachgewiesen wird.

Verstetigungseffekt: Was genau bedeutet „verstetigen“?

Der Verstetigungseffekt ist ein zunächst neutral beschriebenes Phänomen, das weder positiv noch negativ konnotiert ist. Verstetigen bezeichnet dabei den Vorgang, dass sich eine Verhaltensweise, ein Vorgehen oder ein Zustand, auch politisch, durch die kontinuierliche und dauerhafte Präsenz verfestigt und von zum Beispiel der Gesellschaft nach einer bestimmten Zeit als legitimiert und normal befunden wird. Diese Dauerhaftigkeit wird im Wort „verstetigen“ durch den Wortbestandteil „stetig“ zum Ausdruck gebracht.

Der Verstetigungseffekt beschreibt die Etablierung eines neuen und an die Umstände angepassten Normalzustands

Ist nun von Verstetigungseffekt die Rede, wird konkret der Effekt beschrieben, dass Neuheiten, politische Maßnahmen und Entwicklungen, die angestoßen werden, schnell Einzug in unser Leben halten und im Alltag zu einem festen, akzeptierten Bestandteil der uns umgebenden Welt werden.

Dabei spielt in vielen Fällen das Kriterium eine Rolle, ob sich die beobachte und neu eingeführte Veränderung auch tatsächlich etabliert, also „bestätigt“ und somit als praktikabel erweist.

Verstetigungseffekt und Gewöhnungseffekt werden oft synonym verwenden

Die Bezeichnungen des Verstetigungseffekts und des Gewöhnungseffektes werden oft im gleichen Zusammenhang verwendet. Tatsächlich ist eine Verstetigung eines neuen Sachverhaltes oder eines neuen Umstandes immer auch mit einer Gewöhnung an die neuen Umstände verbunden.

Nicht von der Hand zu weisen ist daher, dass Verstetigungs- und Gewöhnungseffekt oft ineinandergreifen und gemeinsam einhergehen. Dies muss allerdings nicht immer zwangsläufig der Fall sein: Der Verstetigungseffekt findet auch dann Gebrauch, wenn sich unliebsame Umstände langfristig etablieren und sich im Habitus der Menschen manifestieren, wenngleich eine Gewöhnung auch nur wider Willen und somit nie in Gänze eintritt.

Diese ausdifferenzierte Unterscheidung in der Verwendungsweise der Begriffe erklärt den Umstand, dass der Verstetigungseffekt häufig negativ konnotiert ist. Dies liegt primär daran, dass der Begriff der Verstetigung auch für diejenigen Veränderungen verwendet wird, die uns unlieb sind und nur widerwillig mit einer Gewöhnung verbunden sind.

Beispiele für den Verstetigungseffekt im Alltag

Der Verstetigungseffekt wurde in den zurückliegenden politischen Diskussionen häufig im Zusammenhang mit den Coronamaßnahmen erwähnt. Viele Maßnahmen, die einst zur Eindämmung der Pandemie angekündigt worden sind, wurden von einigen Menschen anfangs nur unter Demonstration ihres Unverständnisses akzeptiert. Dazu gehörte beispielsweise verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Auch die Abstandsregeln waren im Alltag für viele Menschen in der ersten Zeit gewöhnungsbedürftig und nur allmählich etablierten sich die neuen Richtlinien und Maßnahmen im alltäglichen Habitus der Menschen, obwohl sich zu diesem Zeitpunkt wohl niemand wirklich an die neuen Verhaltensweisen gewöhnen wollte.

Das dauerhafte Erfordernis zur Einhaltung und Beibehaltung der beschlossenen Maßnahmen führte schließlich zu einem Verstetigungseffekt, der implizit auch mit einer Gewöhnung einherging. Zu beobachten war dies beispielsweise in Schulen, wo Kinder und Jugendliche die Mindestabstände instinktiv weiter einhielten, obwohl dies durch die bereits gelockerten Maßnahmen in vielen schulischen Situationen wie etwa im schulischen Sportunterricht gar nicht mehr notwendig war.

Auch unter den Erwachsenen war ein Verstetigungseffekt zu beobachten Das klassische Geben der Hand als kulturell etabliertes, traditionelles Begrüßungsritual hat sich gewandelt: Beobachtet wird heute vermehrt ein kurzer Faust-Kontakt, der das Geben der Hand abgelöst hat.

Was ist in diesem Zusammenhang unter Verstetigungspolitik zu verstehen?

Ist von Verstetigungspolitik die Rede, wird von einem Reguierungsstil gesprochen, der sich an der Schaffung von Regeln orientiert. Die stetigen, allgemeingültigen Regeln sollen zum einen für verlässliche, antizipierbare Entwicklungen sorgen und zum anderen Stabilität gewährleisten. In diesem Zusammenhang dürfen die Begriffe der Verstetigungspolitik und der Stabilisierungspolitik aber nicht verwechselt und gleichbedeutend verwendet werden.

Verstetigende Maßnahmen in der Politik kamen in der Vergangenheit insbesondere im Zusammenhang mit Regelungen in der Finanzpolitik zum Tragen. So zum Beispiel der verstetigte Geldwachstumsstandard, der in der Vergangenheit eine „stetige“ Geldwachstumsrate politisch etabliert hat.


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Verstetigung ist aber auch ein alltäglich auftretender und kontinuierlich stattfindender Prozess. Beispielhaft veranschaulichen kann dies die Veränderung unseres Lebenswandels durch die Digitalisierung. Dabei fällt vor allem auf, dass sich besonders diejenigen Veränderungen etablierten und gewissermaßen verfestigen, an die wir uns durch eine Vereinfachung unseres Alltag und eine Verbesserung unseres Lebensstandards besonders gern und schnell gewöhnen. So hat zum Beispiel die WhatsApp- oder Messenger-Nachricht längst den klassischen Telefonanruf oder den kurzen Besuch abgelöst und ist zu einer neuen Kommunikationsform geworden, die uns den Alltag in vielerlei Hinsicht erleichtert.

Fazit: Verstetigungseffekt

Der Verstetigungseffekt wird häufig mit einer Gewöhnung in Verbindung gebracht und somit mit der Bezeichnung des Gewöhnungseffekts synonymisch verwendet. De facto ist eine Verstetigung eines Zustandes aber nicht zwangsläufig mit einer liebsamen Gewöhnung verbunden, sondern kann auch für die Etablierung von Zuständen verwendet werden, die der Gesellschaft beispielsweise durch politische Maßnahmen auferlegt werden. Gleichwohl ist auch dann von Verstetigung die Rede, wenn sich ein Zustand oder ein Prozess insofern verstetigt, als er für gut befunden und als praktikabel bewertet wird.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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