Was ist das „Fleisch-Paradox“?

Bezeichnung für den Umstand, dass Menschen Tiere lieben, mit ihnen mitfühlen und Gewalt gegen sie ablehnen, aber sie bzw. ihr Fleisch gleichzeitig gerne und genüßlich essen.

Wer Fleisch isst, glaubt Tiere leiden weniger

Die drei australischen Forscher, Steve Loughnan, Brock Bastian und Nick Haslam, haben nachgewiesen, dass das Essen von Fleisch in vielen Menschen einen moralischen Konflikt auslöst: den zwischen Mitgefühl und der Lust auf Fleisch. Niemand möchte das Tiere leiden oder getötet werden. Als Reaktion auf diesen Konflikt wenden Menschen Vermeidungsstrategien an. Unter anderem sprechen Fleischesser den Tieren, die sie essen, geistige Fähigkeiten, eine Leidensfähigkeit und die Ähnlichkeit zum Menschen ab.

Wenn Menschen Tiere als menschenähnlich betrachten, so entscheiden sie sich eher dafür, dass die Tiere Schmerzen empfinden – als Reaktion auf diese Entscheidung, essen sie diese Tiere nicht. Das erklärt auch, warum einige Menschen keine Säugetiere oder Vögel essen, aber weiterhin Fische essen.

Weiterhin ermittelten die Forscher, dass Menschen sich vor und nach dem Fleischessen in dem moralischen Dilemma befinden.

Es gilt natürlich weiterhin, dass die Sorge um das Tierwohl die Lust auf Fleisch verringern kann.

Die Experimente: Essbarkeit und Mitgefühl

Die Forscher befragten Menschen in Amerika, Hong Kong, Indien und Kanada wie sie die geistigen Fähigkeiten von Tieren einschätzen und für wie essbar sie die Tiere halten. Heraus kam, dass die Menschen die geistigen Fähigkeiten eines Tieres abwerteten, je mehr sie es als Nahrungsquelle wahrnahmen.

In einer weiteren Untersuchung gaben die Forscher einer Versuchsgruppe Nüsse und einer anderen Rindfleisch. Nach dem Verzehr fragten die Forscher wie sehr die Probanden die Leidensfähigkeit der Kuh einschätzten. Die Gruppe, die das Rindfleisch gegessen hatte, schätzte die Leidensfähigkeit einer Kuh niedriger ein als die Gruppe, die die Nüsse gegessen hatte.

Fleisch und Kognitive Dissonanz: Hauptsache nicht widersprüchlich handeln

Das psychologische Phänomen hinter dem Fleischverzehr und dem Mitgefühl für Tiere heißt „kognitive Dissonanz“. Menschen wollen grundsätzlich nicht widersprüchlich handeln, aus diesem Grund finden sie eine Begründung für Verhalten bzw. Werte, die miteinander im Konflikt stehen.

Für das Fleisch-Paradox gilt:

  • „Tiere leiden und werden getötet, damit wir Fleisch essen dürfen“ oder
  • „Wir verzichten auf Fleisch, damit Tiere nicht leiden und getötet werden“

Das Paradox wird (vermeintlich) aufgelöst, in dem die Leidensfähigkeit der Tiere abgewertet wird:

  • „Tiere leiden kaum, der Tod geht schnell, dem entsprechend ist es ok, Fleisch zu essen“ und „Es ist für mich normal Fleisch zu essen. Ich betrachte es auch als natürlich und notwendig.“

Trennung von Fleisch und Tier

Das für das Schnitzel oder die Hähnchenbrust im Supermarkt ein Tier getötet wurde, kommt manchen gar nicht in den Sinn. Soweit ist die Trennung oder Entfremdung zwischen dem Fleisch als Produkt und dem Tier als Lieferanten gekommen.

Zurück zur vorherigen Seite

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.