Was ist CBDC? Vorteile, Nachteile, Erklärung

Was ist CBDC, Vorteile, Nachteile, Erklärung


CBDC steht für „Central Bank Digital Currency“. Es handelt sich um eine Kryptowährung der Zentralbanken. Diese wollen das rein digitale Bezahlen damit in die breite Öffentlichkeit tragen und gleichzeitig für die Stabilität einer solchen Kryptowährung sorgen, die prinzipiell dieselbe wie die des (konventionellen) FIAT-Geldes sein soll. Entsprechende Projekte laufen weltweit schon mindestens seit 2015.

Was ist CBDC? Erklärung, Ziele

Das elektronische Geld liegt auf Konten der Zentralbanken und soll einem größeren Personenkreis zur Verfügung stehen. Wenn CBDC vollkommen ausgebaut ist, könnten praktisch alle geschäftsfähigen Bürger*innen und alle Unternehmen bei der Zentralbank ein CBDC-Konto führen. Die Währung hätte alle Eigenschaften von Kryptowährungen und ließe sich selbstverständlich auch mit Mobile Apps und anonymen Guthabenkarten verwenden. Sie wäre für Sparanlagen geeignet, wenn sie die Stabilität des heutigen FIAT-Geldes (Euro, Dollar etc.) erreicht.

Bei den derzeitigen Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. ist das keineswegs der Fall, sie unterliegen enormen Wertschwankungen. Sie heißen Stablecoins und kommen aus der Privatwirtschaft, während das digitale Zentralbankgeld ausschließlich von Zentralbanken geschaffen werden soll. Es könnte dann wie das heutige Bargeld umlaufen. Die Berechtigung zu Emission hätte stets nur eine Zentralbank. Der Umlauf käme in Gang, indem Privathaushalte, Geschäftsbanken und Unternehmen das per Geldschöpfung erzeugte Buchgeld von Geschäftsbanken in digitales Zentralbankgeld tauschen. Die Geschäftsbanken müssten hierfür einen Teil ihrer Geldreserven in digitales Zentralbankgeld tauschen, das eine andere Form der Geldreserve neben dem Bargeld wäre. Nachfolgend könnte das digitale Zentralbankgeld im Zahlungsverkehr benutzt werden.

Organisation der CBDC-Konten

Die naheliegendste Möglichkeit der Organisation von CBDC-Konten wäre die Einrichtung einer Blockchain oder alternativ eines Directed Acyclic Graph bei der Zentralbank. Diese beiden Systeme sind sicher, die heutigen Kryptowährungen existieren damit. Doch es ist auch die Organisation als herkömmliche Datenbank denkbar. Die Kunden würden den Unterschied nicht bemerken: Sie hätten den digitalen Zugriff auf ihr Zentralbankkonto in ähnlicher Weise, wie sie heute schon auf ihr Konto bei einer traditionellen Geschäftsbank per Onlinebanking oder Kreditkarte zugreifen. Wenn sich CBDC durchsetzt, dürfte der Umgang mit dem digitalen Geld zunehmend per App organisiert werden, was aber nichts mit der digitalen Gelderzeugung und -verwaltung zu tun hat: Auch auf konventionelle FIAT-Konten können Menschen schon per App zugreifen, wenn sie es wünschen.

Welche Vorteile bietet CBDC?

  • Digitales Zentralbankgeld ist durch die Blockchain oder den DAG sicherer als FIAT-Geld.
  • Es unterliegt der zentralen Geldpolitik, was es im Gegensatz zu den Stablecoins als gesetzliches Zahlungsmittel geeignet macht.
  • Der Umgang damit entspricht dem digitalen Zeitalter. Bargeld gilt in vielen Ländern (beispielsweise in Skandinavien) längst als obsolet.
  • Mit CBDC würde der Bargeldverbrauch wahrscheinlich wirklich schrumpfen.
  • Der Währungsumlauf wäre damit effizienter zu kontrollieren, weil jede Geldbewegung in Echtzeit nachzuvollziehen ist.
  • CBDC würde die Vorherrschaft von Stablecoins beim Kryptogeld beenden und zur Währungsstabilität der Kryptowährungen beitragen. Damit könnten auch private Unternehmen mit hoher Finanzkraft wie Facebook mit der eigenen Kryptowährung Libra nicht mehr den Markt dominieren.
  • Die Abläufe sind wie bei jeder Kryptowährung schnell und effizient.

Nachteile: CBDC

Der Umgang mit der Technologie dürfte rein vom Handling her nur zögernd von alle Verbrauchern angenommen werden. Bisher nutzen auch nur sehr wenige Menschen Apps für Bezahlvorgänge.

  • Der Verwaltungsaufwand für die Konten könnte für die Zentralbanken sehr hoch werden. Immerhin benötigen die Kunden auch Support sowie Kredit- und Anlageberatung. Bislang übernehmen diese Rolle die lokalen Geschäftsbanken mit ihren vielen Beschäftigten.
  • Es dürfte in der Bevölkerung noch lange Zeit Vorbehalte gegen rein digitales Geld geben.

Zwei unterschiedliche Arten von CBDC

CBDC wird in zwei prinzipielle Arten unterschieden:

Wholesale CBDC: Dieses CBDC gibt die entsprechende Zentralbank ausschließlich an Geschäftsbanken und weitere Verwalter großer Vermögen als NBFI (Nichtbank-Finanzinstitution, beispielsweise Versicherung oder Rentenfonds) aus.

Retail CBDC: Das CBDC liegt bei der Zentralbank auf Kundenkonten vor. Die Kunden (Unternehmen, Privathaushalte, öffentliche Einrichtungen) können direkt darauf zugreifen.

Rein strukturell (unabhängig von der Technik der Geldgenerierung) würde Wholesale CBDC dem gegenwärtigen Bankensystem entsprechen. Die aktuelle Diskussion dreht sich aber überwiegend um Retail CBDC, das auch strukturell eine Innovation wäre. Es würde unter anderem das Gegenparteienrisiko der Insolvenz einer Geschäftsbank ausschalten und damit zum Beispiel die gegenwärtige Einlagensicherung überflüssig machen. Grenzüberschreitende Zahlungen würden deutlich billiger und liefen auch schneller ab, wenn das Geld nicht mehr den Umweg über eine Geschäftsbank nehmen müsste.

Fragen der Ausgestaltung von CBDC

Zentralbanken sehr vieler Staaten forschen zu CBDC. Allerdings sind die betreffenden Bemühungen in den digitalisierten Volkswirtschaften am weitesten fortgeschritten, in denen die informelle Wirtschaft ohnehin sehr ausgeprägt ist. Den Schritt zum vollkommen bargeldlosen System untersuchen die Zentralbanken mit Stand 2022 noch nicht. Sie wollen Bargeld lediglich digital ergänzen. Hierzu konzipieren sie auf unterschiedliche Weise ein hybrides System, in welchem CBDC eine bargeldähnliche Direktforderung gegenüber der Zentralbank darstellt. Die kundenbezogenen Aktivitäten wickelt jedoch der Privatsektor ab.

Ein wichtiger Punkt bei der Ausgestaltung des CBDC ist die Einführung von Zinsen auf Kredite und Guthaben. Dieser Punkt ist keinesfalls selbstverständlich, denn wenn CBDC praktisch ein digitaler Bargeldersatz sein soll, dürfte es nicht verzinst werden: Auch Bargeld läuft zinsfrei um. Wenn es Zinsen auf das CBDC gibt, stellt sich die Frage nach ihrer Höhe. Sie könnten beispielsweise dem Einlagesatz bei den Zentralbanken entsprechen, doch vielleicht müsste auch für CBDC ein neuer Leitzinssatz definiert werden. In jedem Fall entfiele das Zinsgeschäft der Geschäftsbanken, die Geld von der Zentralbank günstiger bekommen und es als Kredit teurer verleihen. Doch es wäre zu hinterfragen, mit welchen Zinsen Sparer rechnen könnten. Denkbar wäre, dass die Zentralbank CBCD zu einem gewissen Zinssatz für die Sparer anlegt und zu einem etwas höheren Zinssatz verleiht. Damit würde sie wie eine riesige Geschäftsbank fungieren.

Eine zweite wichtige Frage ist die nach der Möglichkeit, CBDC auf den Kundenkonten zu erzeugen. Dies müsste der Zentralbank vorbehalten sein. Sie könnte damit eine Art Helikoptergeld bzw. Quantitative Easing für normale Kontoinhaber vergeben. Die dritte wichtige Frage ist die der Verrechnung von CBDC mit FIAT-Geld, solange Letzteres noch existiert. Eine Variante lautet, dass CBDC in FIAT-Geld 1:1 konvertierbar ist, was im Sinne der Währungsstabilität zu begrüßen wäre. Doch es könnte sich auch ein Wechselkurs bilden. Die dritte Möglichkeit wäre die Einführung einer Höchstgrenze für die 1:1-Konvertierung. Dies liefe auf ein völlig neues Geldsystem hinaus. Auch die Frage der anonymen Zahlungen stellt sich, wie sie heute mit Bargeld völlig unproblematisch möglich sind. Da CBCD komplett digital verwaltet wird, könnte für anonyme Zahlungen eine Höchstgrenze festgelegt werden, was Geldwäsche im großen Stil erschweren oder ganz unterbinden würde. Wenn die Zentralbank auf den bei ihr geführten CBDC-Konten Geldwäsche feststellen würde, könnte sie diese direkt sanktionieren.

Verbreitung: CBDC

Auf den Bahamas wurde schon der Sand Dollar, in Kambodscha der Bakong als CBDC-Geld vollständig eingeführt. In anderen Staaten gab oder gibt es Pilotprojekte oder sehr fortgeschrittene Untersuchungen zur Thematik. Hier ein Überblick (Stand: November 2022):

  • Bahamas: Sand Dollar, vollständig eingeführt seit 2020
  • Kambodscha: Bakong, vollständig eingeführt seit 2021
  • Ostkaribische Währungsunion: DCash, Pilotprojekt seit 2021
  • China: e-CNY, Pilotprojekt seit 2020
  • Uruguay: e-Peso, Pilotprojekt von 2017 bis 2018
  • Kanada: Jasper, nur als Wholesale CBDC für Interbankenzahlungen seit 2021
  • Südafrikanische Republik: Khokhag, nur als Wholesale CBDC für Interbankenzahlungen seit 2020
  • Schweden: e-Krona, Pilotprojekt seit 2020
  • Ukraine: E-Hrywnja, Pilotprojekt seit 2018

Eine Umfrage stellte im Jahr 2021 fest, dass 80 % aller Zentralbanken der Welt an CBDCs arbeiten und 40 % schon Proof-of-Concept-Tests durchführen. Der e-Euro wird durch die EZB noch bis 2023 geprüft. Schon Mitte 2021 stellte sie fest, dass es hierfür keine technischen Hindernisse gibt. Gegenwärtig untersucht sie noch die Auswirkungen auf die Märkte, Händler und Bürger sowie die nötigen Voraussetzungen für die Gesetzgebung. Schon seit 2020 laufen mehrere Projekte der EIB (Europäische Investitionsbank), welche die Ausgabe, Übertragung und Kontrolle von CBDC, Smart Contracts und Wertpapier-Token testen. In Thailand wurde noch kein CBDC eingeführt, jedoch hat die Zentralbank dessen mögliche Auswirkungen sehr umfangreich untersucht und hierzu im April 2021 einen Bericht veröffentlicht.

Mögliche Finanzstabilität durch CBDC

Zentralbanken interessiert vorrangig die Frage, ob im Krisenfall CBDC die Stabilität des Finanzsystems eher stärkt oder schwächt. Zu erwarten wäre, dass im Krisenfall Geldmarktakteure (Unternehmen, Privatleute, öffentliche Hand) ihre FIAT-Bankeinlage und Bargeld in großem Stil in CBDC umschichten, weil diese Anlageform garantierte Sicherheit durch die Zentralbank verspricht. Dies könnte zu einem Liquiditätsrisiko für Geschäftsbanken und möglicherweise sogar zu Währungsturbulenzen führen, muss es aber nicht. Darauf weist die BoE (Bank of England) hin. Die dortigen Experten sind der Auffassung, dass es lediglich einer konkreten Ausgestaltung des Wechsels von FIAT-Geld in CBDC bedarf, um die genannten Risiken zu minimieren.

Auch der EZB-Experte Ulrich Bindseil weist darauf hin, dass es diesen Effekt der Umschichtung zu sicheren Banken bereits gibt. Daher würde digitales Zentralbankgeld keine prinzipiell neue Situation schaffen. Vor allem bei einer unbegrenzten 1:1-Konvertierung von FIAT-Geld zu CBDC gäbe es überhaupt kein Risiko der Instabilität an den Finanzmärkten, da sich an der umlaufenden Geldmenge durch die Umschichtungen gar nichts ändern würde.

Fazit: Was ist CBDC?

Die weltweite Einführung von CBDC könnte noch mindestens zehn Jahre oder länger dauern. Sie scheint aber angesichts der digitalen Durchdringung aller Wirtschafts- und Finanzkreisläufe unausweichlich.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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