Was bedeutet „Ersatzreligion“? Was ist das? Bedeutung, Merkmale, Definition

Eine Ersatzreligion dient dazu Sinn im Leben eines Menschen zu stiften. Dies kann eine Lebensweise, ein Interesse oder ein Hobby sein. Eine Ersatzreligion besteht aus einer Gemeinschaft, aus Riten, aus Ritualen, Botschaften und Kultfiguren.

Beispiele für Ersatzreligionen

  • Essen / Ernährungsweisen
  • Fußball / Sport (Fan-Sein)
  • Konsum

Merkmale einer Ersatzreligion (Eigenschaften)

Eine Ersatzreligion hat folgende Merkmale und Eigenschaften:

  • Eine Ersatzreligion dient der Sinnstiftung.
  • Eine Ersatzreligion hat Heilsversprechen.
  • Eine Ersatzreligion liefert eine Identität.
  • Eine Ersatzreligion liefert Halt.
  • Eine Ersatzreligion liefert Grenzerfahrungen und ekstatische Erfahrungen jenseits des langweiligen Alltags.
  • Sie hilft Gefühle der Erfüllung zu erhalten. Eine Ersatzreligion liefert auch Offenbarungserfahrungen.
  • Es gibt Kultstätten, heilige Orte, Botschaften und Symbole.
  • Es gibt eine Gemeinde, die sich austauscht. (Fangemeinde)
  • Man, das Individuum, kann in einer Gruppe aufgehen, sich als Teil der Gemeinschaft fühlen und gemeinschaftlichen Zusammenhalt spüren.
  • Es gibt feste Rituale und Riten, auf die man sich freuen kann.
  • In einer Ersatzreligion werden Themen des Lebens thematisiert. (Freude, Tod, Glück, Leid, Identität,…)
  • Es gibt Reliquien, Kultgegenstände und Totem. (Trikots, Fußball)
  • Eine Ersatzreligion hat einen hohen Stellenwert im Leben.
  • Es gibt Gesänge und Lieder, welche dem Gemeinschaftsgefühl dienen. (Beispiel: Fan-Gesänge, Lieder einer Band)
  • Es gibt Kultfiguren. (Legendäre Trainer, legendäre Manager, Mitglieder einer Band oder Begründer einer Bewegung.)
  • Es gibt auch Sünden in den Ersatzreligionen. (Fan des falschen Vereins sein; falsche Ernärhung)

Eine Ersatzreligion unterteilt die Welt in zwei Gruppen: Menschen, die Teil der eigenen Gruppe sind und Menschen, die Teil einer fremden Gruppe sind. Dies wirkt im Fußball sehr stark: Verein A gegen Verein B. Auch in der Musik wirkt dies: Anhänger von Techno versus Anhänger von Schlager. In der Ernährung funktioniert dies auch: Fleischesser gegen Veganer. Diese Einteilung der Welt in Gruppen stärkt das eigene Gruppengefühl.

Konkrete Beispiele für eine Ersatzreligionen

Eine Ersatzreligion strukturiert und ordnet den Alltag. Dies passiert durch feste Termine wie z.B. Fußballspiel um 20 Uhr, Konzert nächsten Freitag oder auch bis 12 Uhr Mittags nichts essen. (Intervall-Fasten)

Ein Heilsversprechen ist z.B., dass durch eine neue Ernährungsweise (vegan, paleo,…) jemand gesund oder gesünder wird. (Eine Sünde wäre z.B. der Verzehr von Kohlenhydraten oder Fleisch, wenn dies eigentlich unterbleiben soll.)

Eine Kultstätte für Fußball-Fans ist z.B. ein Stadium.

Symbole für Fans sind Wappen von Vereinen oder Band-Logos.

Die rituelle Kleidung eines Fußball-Fans ist sein Vereins-Schal. Die eines Fans einer Band ist das Band-T-Shirt.

Reliquien wie Trikots werden gewechselt. Der Match-Ball ist eine besondere Reliquie.

Im Fußball wird sogar von „Fußballgöttern“ gesprochen.

Was macht eine Religion / Ersatzreligion?

Eine Ersatzreligion macht eigentlich, was eine Religion macht. Eine Religion liefert Antworten auf Fragen wie:

  • Wo komme ich her?
  • Wo gehöre ich hin?
  • Warum bin ich auf dieser Welt?
  • Welchen Sinn hat das Leben?

Die Ersatzreligion beantwortet die Fragen auf ihre eigene Art und Weise: Jemand ist z.B. Teil einer Fangemeinde und celebriert eine Band oder Spieler.

Wann ist ein Hobby eine Ersatzreligion? Wann wird eine Ersatzreligion zum Problem?

Menschen können eine Ersatzreligion sehr ernst nehmen.

Eine Ersatzreligion kann zu einem Problem werden, wenn diese zu ernst genommen wird und jeder Kritik erhaben ist. Sie kann zum Problem werden, wenn jemand sie über alles in seinem Leben setzt und beginnt negatives oder schädliches Verhalten damit zu rechtfertigen.

Verhindert das Hobby, dass jemanden seinen Alltag oder Job nicht wahrnimmt, verwahrlost oder seine Freunde nicht mehr trifft, so nimmt die Ersatzreligion wohl zu viel im Leben eines Menschen ein.

Eine Ersatzreligion wird zum Problem, wenn Menschen anfangen andere Menschen zu bekämpfen oder versuchen sich über sie zu stellen. Führt eine Ersatzreligion zu Gewalt oder zu Kämpfen, so sollte dringend über die Ausmaße der Ersatzreligion gesprochen werden.

Auch wird eine Ersatzreligion problematisch, wenn Menschen versuchen andere zu missionieren oder versuchen anderen ihren Willen aufzuzwingen. Auch sind aufdringliche oder aggressive Versuche jemanden vom eigenen Weg zu überzeugen, problematisch.

Warum neigen Menschen zu Ersatzreligionen?

Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Vielen Menschen hilft die Ersatzreligion einen Sinn in ihrem Leben zu finden. Die Ersatzreligion liefert z.B. eine Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“. (Die Antwort wäre in dem Fall: Fan von Verein XY oder „Veganer“.) Auch liefert eine Ersatzreligion eine Gemeinschaft Gleichgesinnter, was gegen Einsamkeit hilft. Die Ersatzreligion hilft dem Einzelnen oder der Einzelnen sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen, was gegen das Gefühl des Verloren-Seins in dieser Welt hilft. Menschen haben nämlich ein grundsätzliches Bedürfnis Teil einer Gemeinschaft zu sein. Diese Gemeinschaft bietet Orientierung, Halt und Sicherheit.

Eine Ersatzreligion hilft das Bedürfnis nach Religiösität und Spiritualität zu befriedigen. Auch hilft eine Ersatzreligion die Bereitschaft zu glauben, zu stillen.

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