Was bedeutet Dunkeldeutschland? Wo kommt der Begriff her? Wortherkunft und Bedeutung erklärt

„Dunkeldeutschland“ war eine ironische bis scherzhafte Bezeichnung für die DDR und für Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung. Jedoch erhielt der Ausdruck in den 1990er Jahre schnell eine andere, abwertende und negative Bedeutung. Schnell wurde er zum Synonym für Ostdeutschland bzw. die neuen Bundesländer.

1994 war „Dunkeldeutschland“ Kandidat für das Unwort des Jahres. Es wurde zur Wahl gestellt, da die Jury anmerkte, dass „Dunkeldeutschland“ eine sprachliche Demütigung der Einwohner der ehemaligen DDR sei. Es gewann nicht. Unwort des Jahres wurde „Peanuts“.

Wortherkunft und Geschichte von „Dunkeldeutschland“

Im Gegensatz zu Westdeutschland, wo die Straßen gut beleuchtet waren und die Reklame auch nachts leuchtete, war es in der DDR weniger gut beleuchtet. Die Straßenbeleuchtung war geringer und angeleuchtete Werbetafel gab es kaum. Besonders Besuchern aus der BRD fiel auf, dass Beleuchtung fehlte. Aus dieser Beobachtung bildete sich die Bezeichnung „dunkles Deutschland“ bzw. „Dunkeldeutschland“.

Auch stand der Begriff „Dunkeldeutschland“ für die Tristesse der DDR- und Betonbauten, sowie für heruntergekommende Gebäude und Braunkohle-Luftverschmutzung, was vielen BRD-Bürgern nach der Wende auffiel.

In „Dunkeldeutschland“ gab es das Tal der Ahnungslosen. Als „Tal der Ahnungslosen“ wurden Teile von Sachsen bezeichnet, da diese kein Westfernsehen empfangen konnten und somit nicht wußten, was los ist.

Dunkeldeutschland als Synonym für Ostdeutschland

In den 1990er Jahren erhielt der Ausdruck „Dunkeldeutschland“ schnell eine andere und abwertende Bedeutung. Er wurde auch zum Synonym für Ostdeutschland.

Auf einmal wurde „Dunkeldeutschland“ ein Begriff unter dem Rückständigkeit, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt gegen Fremde und Extremismus subsumiert wurden. Auch stand „Dunkeldeutschland“ für Hass und Gewalt gegen Fremde, Flüchtlinge und Ausländer. Aus „Dunkeldeutschland“ wandern Menschen ab, die Regionen verarmen und verkümmern.

Die Menschen, die in Dunkeldeutschland lebten, wurden „Dunkeldeutsche“ genannt.

„Dunkeldeutschland“ war eine weitere Bezeichnung vergleichbar mit „Zone“.

Das weniger verbreitete und gebrauchte Gegenwort zu „Dunkeldeutschland“ ist: Helldeutschland.

Hell- und Dunkeldeutschland

Anmerkung der Redaktion: Heute steht der Begriff „Dunkeldeutschland“ dafür, dass es düster in einigen Regionen aussieht. Mit „düster“ ist gemeint, dass in diesen Regionen viel Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit herrscht, sowie dass das Gefühl der Abgehängtheit allgegenwärtig ist. Auch ist „Dunkeldeutschland“ ein Synonym für Rassismus, Gewalt und Kriminalität.

Der Begriff „Dunkeldeutschland“ funktioniert nur, weil es als Gegenstück zu einem „hellen Deutschland“ betrachtet wird. In diesem hellen Deutschland sind die Menschen offen und freundlich gegenüber Fremden. Die Wirtschaft floriert, es herrscht viel Wohlstand und die Menschen leben friedlich und tolerant miteinander.

Beide Versionen sind extrem und nur wahr, weil es ihr Gegenteil gibt. Wo viel Wohlstand herrscht, wird er irgendwo abgezogen. Wo die Wirtschaft floriert, werden vielleicht Menschen in anderen Gebieten ausgebeutet.

Die Begriffe „Helldeutschland“ und „Dunkeldeutschand“ vereinfachen die Wirklichkeit doch sehr stark und teilen die Welt einfach in Schwarz-weiß bzw. hell-dunkel ein. Doch dazwischen gibt es noch viele Abstufungen und die Forderung nach Differenzierung kann hier nur widerholt werden.

Da „Dunkeldeutschland“ heute ein Synonym für eine Region in Deutschland ist, in der es düster aussieht, kann nicht mehr gesagt werden, dass nur Ostdeutschland oder bestimmte Regionen in den neuen Bundesländern damit gemeint sind.

Joachim Gauck: helles Deutschland und Dunkeldeutschland

Der ehemaligen Bundespräsident Joachim Gauck stellte im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 fest, dass ein „helles Deutschland“ gebe, in dem sich freiwillige Helfer für Flüchtlinge engagieren und dass es ein „Dunkeldeutschland“ gebe, in dem Extremisten, Hetzer, Rechtsextreme und Fremdenfeindlichkeit aktiv sind.

Gauck erhielt für diese Aussage Lob, aber auch Kritik. Unter anderem wurde er dafür kritisiert, dass seine Aussage suggeriere, dass Fremdenfeindlichkeit und Gewalt gegen Fremde ein ostdeutsches Phänomen seien. Der in Ostdeutschland geborene und aufgewachsene Joachim Gauck äußerte sich hinterher, dass er seine Heimat nicht verunglimpfen wollte.

Warum Gauck den Begriff überhaupt benutzte, ist unklar.

Medien zu Dunkeldeutschland

„Unterwegs in Dunkeldeutschland“ ist ein Buch von Unterwegs in Dunkeldeutschland.

„Land ohne Eigenschaften: Eine Reise durch Dunkeldeutschland“ ist ein Buch von Kristjan Knall.

„Sintflut in Dunkeldeutschland“ ist ein Buch von Lars Hägler.

„Dunkeldeutschland: Zehn Jahre deutsche Einheit in ihrer Provinz“ ist ein Buch von Jan Bonin und Christophe Fricker.

„Dunkeldeutschland“ ist ein Lied von Sonne Ra feat. Dexter.

„Dunkeldeutschland“ ist ein Lied von Heiter bis wolkig.

Der Ausdruck „Dunkeldeutschland“ wird auf T-Shirts gedruckt.

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