Was bedeutet „Digitales Dritte Welt Land“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet Digitales Dritte Weltland, Bedeutung, Definition, Erklärung


Die Rede von der digitalen dritten Welt ist ein Ausdruck der Überzeugung , dass in Zukunft die Digitalisierung die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes oder eines Wirtschaftsraums bestimmen werden, sowie übt er Kritik an der aktuellen Digitalisierung eines Landes.

Die Digitalisierung teilt die Welt erneut in Regionen ein, die zu den Gewinnern oder den Verlierern gehören werden. Und wie bei der Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts, sollen die Verfügung über die digitale Technologie über die Lebenschancen der Bevölkerung entscheiden. Der Wettlauf um die Digitalisierung geht um die wirtschaftlichen Chancen der Zukunft.

Deutschland oder Europa als digitale Dritte Welt

Die digitale Dritte Welt ist eine populäre Vorstellung aller politischen Kräfte, die eine ungehemmte Forcierung der Digitalisierung propagieren. Wer hier den Anschluss verliert, verspielt den Wohlstand der zukünftigen Generationen. Er wird herangezogen um digitale Infrastrukturprojekte und die Notwendigkeit einer digitalen Bildung der Bevölkerung zu begründen. Die digitale Dritte Welt ist keine Realität, sondern bezeichnet eine Bedrohung, die Realität wird, wenn ein Land oder eine Wirtschaftsregion beim Ausbau der digitalen Infrastruktur und der digitalen Kompetenz der Bevölkerung zurückfällt.

Beispiele für ein digitales Dritte Welt Land

  • Schlechte Infrastruktur: Es gibt Regionen in denen das Internet schlecht ausgebaut oder nicht vorhanden ist.
  • Versprochener Netzbauausbau findet nicht oder nur schleppend statt.
  • Hohe Preise für Internetanbindung und für Datenvolumen.
  • Behörden sind begrenzt digitalisiert. Behördengänge müssen außerhalb des Internets stattfinden. (Bsp.: In China gibt es z.B. eine App mit der Strafzettel empfangen werden.)
  • Schlechte Digitalisierung der Schulen; schlechte Ausstattung von Schulen und Lehrpersonal.
  • Moderne Technologien wie z.B. mit dem Smartphone bezahlen, sind kaum verbreitet und verbreiten sich kaum.
  • Veraltete Technologien wie z.B. Fax sind noch weit verbreitet.

Was ist die Dritte Welt? Geschichte, Wortherkunft

Der Begriff der „Dritten Welt“ entstammt der Zeit des Kalten Krieges. Dieser fand von 1947 bis zum Zusammenbruch der UDSSR im Jahr 1990 statt. Er bezeichnet eine Konfrontation der politischen Systeme des Kapitalismus und des real existierenden Sozialismus. Die Führungsmacht der kapitalistischen Welt waren die Vereinigten Staaten, die Gegenmacht die Sowjetunion. USA und UDSSR waren die Supermächte dieser Epoche. Beide Blöcke waren in militärischen Bündnissen organisiert, die sich global gegenüberstanden. Der kapitalistische Block wurde verkürzend als der Westen bezeichnet, der sozialistische Block als der Osten. Das westliche Militärbündnis besteht bis heute als Nordatlantisches Verteidigungsbündnis (NATO). Der Osten war innerhalb des Warschauer Paktes organisiert.

Kalter Krieg und Aufteilung der Welt: Erste, Zweite, Dritte Welt

Beide Militärbündnisse verfügten über atomare Waffensysteme, die in den 1950er Jahren zu Overkill-Kapazitäten ausgebaut wurden. Overkill bedeutet, dass jede Seite über das Potential verfügte, den Gegner mit Hilfe von taktischen und strategischen Atomwaffen zu vernichten. Dies wurde auch als Gleichgewicht des Schreckens bezeichnet.

Die Konsequenz aus der Pattsituation war eine Konkurrenz, die sich auf andere Lebensbereiche verlagerte, da ein direkter Konflikt militärisch nicht zu gewinnen war. Es gab also eine wirtschaftliche, technische und kulturelle Konfrontation, die militärisch nicht eskalierte. Ein militärischer Konflikt mit direkter Gewaltanwendung wird als „heiß“ bezeichnet, während die Verlagerung unter Ausschluss der Gewaltoption als „kalt“ bezeichnet wird.
Das westliche Bündnis unter den USA wurde als erste Welt definiert, weil es eine wirtschaftliche und technische Überlegenheit gab. Der Lebensstandard der Menschen war mit Abstand am höchsten, was in Form des Bruttosozialproduktes gemessen wurde. Dies umfasst den Wert aller in einem Gebiet produzierten Waren und Dienstleistungen. Das sozialistische Lager sah sich in einem Aufholprozess, wobei der Lebensstandard einer entwickelten Industriegesellschaft entsprach. Daher bürgerte sich im westlichen Einflussbericht der Begriff Zweite Welt für die Länder des Ostblocks ein.

Im Jahr 1952 prägte ein französischer Bevölkerungswissenschaftler den Begriff der „Dritten Welt“ als Bezeichnung für die Länder Südamerikas, Afrikas und Asiens, welche von den wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Standards durch vormoderne Strukturen geprägt waren. Dritte Welt steht also für eine allgemeine Rückständigkeit und ist stark negativ belegt. Die Dritte Welt wurde im Kalten Krieg zum Schauplatz des Konflikts der Supermächte.

Der Begriff „Dritte Welt“ wurde später durch den neutraleren Begriff der Entwicklungsländer ersetzt. Wirtschaftlich beschreibt er ein Abhängigkeitsverhältnis, das noch durch den Kolonialismus und die Vorherrschaft Europas und Nordamerikas geprägt ist.
Der Lebensstandard in Ländern der Dritten Welt ist gering und von Armut geprägt. Die Ernährung der Bevölkerung ist prekär. Die Länder sind häufig gezwungen ihre Bodenschätze auszubeuten und verbleiben in der Abhängigkeit der entwickelten Industrienationen.

Digitalisierung

Unter Digitalisierung versteht man eine Entwicklung, die in den 1970er Jahren begann und eine zunehmende Umstellung von analogen zu digitalen Prozessen beinhaltet. Dabei kommt es zu einer grundlegenden Umgestaltung von Produktion und Kommunikation. Sie zeichnet sich durch eine umfassende Vernetzung und Automatisierung aus. Der Personal Computer (PC), das Mobiltelefon, der Arbeitsroboter und das Internet sind die Infrastrukturen des Digitalzeitalters.

Die digitale Revolution löst die industrielle Revolution ab. Dies ist mit der Vorstellung verbunden, dass es global zu einer neuen Einteilung der Welt kommt, die sich nach dem Grad der Digitalisierung richtet. Nur wer bei der Digitalisierung die Nase vorn hat, wird demnach in Zukunft über einen entsprechenden Lebensstandard verfügen. Dies heißt aber auch, dass die bisherige Aufteilung in erst, zweite und dritte Welt anachronistisch wird. Es kommt zu einer Neuverteilung der Chancen.

Digitale Grundlagen. Die Hardware.

Die Basis der digitalen Revolution liegt im Vernetzungsgrad, d.h. der Möglichkeit mit Hilfe digitaler Geräte zu kommunizieren. Dazu bedarf es digitaler Infrastruktur wie Satellitensystemen oder Glasfasernetzen. Die digitale Leistungsfähigkeit bemisst sich nach der potentiellen Geschwindigkeit der Datenübermittlung und dem Vernetzungsgrad.

Digitale Kompetenz. Der Nutzungsgrad digitaler Techniken.

Der potentiellen Möglichkeit, steht die reale Nutzung und Verankerung digitaler Techniken in einem Wirtschaftsraum gegenüber. Sie bemisst sich in Faktoren wie dem prozentualen Besitz digitaler Endgeräte innerhalb einer Bevölkerung, der Anwendung digitaler Techniken in der Produktion und dem technologischen Stand von Digitaltechniken.


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Autor: Pierre von BedeutungOnline

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