Was bedeutet „Cute Aggression“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet Cute Aggression, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff Cute Aggression kommt aus dem Englischen. Die wörtliche Übersetzung lautet „niedliche Aggression“. Auf den ersten Blick ist dies ein Widerspruch, bei genauerer Betrachtung sind Niedlichkeitsaggressionen jedoch durchaus logisch nachvollziehbar.

Was ist „Cute Aggression“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Anblick eines Welpen mit weichem Fell, Knopfaugen und tapsigem Gang lässt nicht nur Herzen höherschlagen, sondern löst bei vielen auch den Drang aus, das wollige Tierbaby in die Arme zu schließen und an sich drücken zu wollen.

Dasselbe Phänomen kennen frischgebackene Eltern. Viele der Besucher geben sich nicht mit dem Anblick des süßen und hilflosen Neugeborenen zufrieden. Sie wollen es in die Arme nehmen oder mit ihm knuddeln. Sie kitzeln den Babybauch oder kneifen behutsam in die pausbäckigen Wangen.
Nicht nur im Verhalten zeigt sich Cute Aggression. Auch in der Umgangssprache ist dieser Widerspruch zu finden. Die Aussagen „ich habe dich zum Fressen gerne“ oder „du bist zum Anbeißen süß“ haben nichts mit Aggressivität oder gar Kannibalismus zu tun, sondern drücken Zuneigung und Bewunderung aus.

Wie entsteht Cute Aggression

Die Anblicke eines tapsigen Hundewelpen oder eines hilflosen Neugeborenen fluten uns geradezu mit erschlagender, kaum tolerierbarer Niedlichkeit. Für das menschliche Gehirn entsteht urplötzlich ein Zuviel an Positivem, der überfordern könnte. Mit einer gegensätzlichen Reaktion versucht das Gehirn diesen Überschwang auszugleichen.

Dies tritt nicht nur in Form von Niedlichkeitsaggression auf. Auch Freudentränen sind hierfür ein gutes Beispiel. Denn schließlich stehen Tränen im Allgemeinen mit Trauer in Verbindung. Wieso lässt ein Zuviel an Glück Menschen dann ebenfalls weinen?

Hier scheint derselbe Mechanismus zu greifen. Das Gehirn ist vor Freude überwältigt und versucht durch das Weinen wieder eine Balance herzustellen und sich so selbst wieder herunter zu regeln.
Dieser Mechanismus ist durchaus logisch begründet. Denn das überwältigende Zuviel an Niedlichkeit beim Anblick eines Neugeborenen könnte das vernünftige Denken lähmen. Das niedliche Baby würde bestaunt, gestreichelt und bewundert werden. Dass es jedoch noch völlig hilflos ist und zum Überleben Nahrung, Pflege und Wärme braucht, würde eventuell in Vergessenheit geraten. Cute Aggression gleicht einen solch positiven Überschwang aus und stellt so sicher, dass sorgendes Kümmern für die Betreuungspersonen noch möglich ist.

Wissenschaftliche Belege für Cute Aggression

Es gibt Studien, die Niedlichkeitsaggression wissenschaftlich beweisen.
In einem Experiment bekamen die Teilnehmer Luftpolsterfolie in die Hand. Dann wurden ihnen Fotos von Tieren gezeigt. Manche Tierfotos waren amüsant, andere neutral gehalten, wieder andere niedlich. Die Teilnehmer der Studie spielten während des Betrachtens mit der Luftpolsterfolie in ihren Händen. Auffällig war dabei, je höher der Niedlichkeitsfaktor des gezeigten Tieres war, desto häufiger zerplatzten die Luftpolsterblasen in den Händen der Probanden.

In einer anderen Studie wurden die Gehirnströme der Teilnehmer während des Betrachtens von Fotos gemessen. Hier zeigte sich: Je niedlicher das gezeigte Tier, desto heftiger der dadurch verursachte Ausschlag im Belohnungssystem des Gehirns.

Bei einem weiteren Experiment wurden den Probanden Babyfotos gezeigt. Je süßer die Babys aussahen, desto stärker weckten diese die Sehnsucht der Teilnehmer, sich um das kleine Wesen zu kümmern. Im selben Maß stieg jedoch auch der Wunsch, das süße Kleine zu knuddeln oder liebevoll in die Wange zu kneifen.

Cute Aggression ist kein Grund zur Besorgnis

Niedlichkeitsaggressionen zählen zum normalen Verhalten. Sie sind weltweit verbreitet. Es wird vermutetet, dass Menschen, die mit Cute Aggression auf heftige Gefühle reagieren, ihre Emotionen dadurch selbst wieder regulieren. Dies hilft das seelische Gleichgewicht zu erhalten.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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