Was bedeutet Couch Potato? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet Couch Potato, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Couch Potato“ kommt aus dem US-amerikanischen Slang. Er steht für das negative Klischee von einem Menschen, der den ganzen Tag nichts Produktives leistet, sondern stattdessen zuhause auf dem Sofa herumgammelt. Gemeint sind konkret Personen, die die meiste Zeit damit verbringen, fernzusehen, Bier zu trinken und Junkfood zu essen. Aufgrund ihrer ungesunden und undisziplinierten Lebensweise sind diese Personen zudem, so das Klischee, übergewichtig und von ungepflegter Erscheinung. Couch Potatoes treiben keinen Sport und haben keine interessanten Hobbies. Außerdem mangelt ihnen an Eigeninitiative. Jede Anstrengung oder Herausforderung, vor allem körperliche Aktivitäten, ist ihnen zu viel.

Zwei berühmte Couch Potatoes

Die weltweit berühmteste Couch Potato ist Homer Jay Simpson aus der Zeichentrick-Fernsehserie „Die Simpsons“. Er glänzt durch Gedankenlosigkeit, Faulheit, Inkompetenz und Intoleranz. Sein Übergewicht verdankt er seiner fehlenden Selbstbeherrschung in Bezug auf Bier und Junkfood. Er achtet nicht auf sein Äußeres, trägt immer dieselbe Kleidung und ist immer unrasiert. Homer sitzt am liebsten vor dem Fernseher auf seiner weichen Couch, aus der er kaum hochkommt. Bei der Arbeit gibt er sein Bestes, auch wenn dies oft zu Beinahe-Katastrophen führt. Aber er hat auch seine genialen Momente.

Die in Deutschland wohl bekannteste Couch Potato ist der Tatort-Kriminalhauptkommissar Frank Thiel aus Münster (gespielt von Axel Prahl). Thiel ist eine Wochenend- und Feierabend-Couch Potato. Während seiner Arbeitszeit ist er ein zwar etwas eigenbrötlerischer, aber korrekter Kommissar. Seine Freizeit verbringt er hingegen am liebsten mit Dosenbier auf dem Sofa sitzend vor dem Fernseher, etwa um Fußballspiele seines Lieblingsvereins zu sehen, dem FC St. Pauli. Sein Couch Potato-Sein steht im krassen Gegensatz zu der Freizeitgestaltung seines Kollegen aus der Pathologie, Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne (gespielt von Jan Josef Liefers). Dieser ist immer elegant gekleidet, achtet sehr auf seine körperliche und geistige Fitness und auf seine äußere Erscheinung. Boerne verbringt seine Zeit aktiv, etwa mit Kochen, mit Joggen, mit dem Besuch der Oper oder von Kunstausstellungen.

Woher kommt der Begriff „Couch Potato“? Erklärung, Herkunft, Bedeutung

Es gibt nur wenige Begriffe, deren Herkunft und Entstehung genau bekannt sind. „Couch Potato“ ist einer davon. Er wurde am 15. Juli 1976 in kalifornischen Pasadena erfunden. Tom Iacion war ebenso wie Robert D. Armstrong Mitglied in einem „Club fauler Leute“. Die Gruppe sah sich als eine lustige Antwort auf die damals in den USA, speziell in Kalifornien, boomende Gesundheits- und Fitness-Welle. Die Mitglieder des Clubs kultivierten vor der Glotze („B (doppel o) b Tube“) zu vegetieren und Junkfood zu essen. Sie nannten sich die B (doppel o) b Tubers.

Auf Deutsch bedeutet „B (doppel o) b“ soviel wie Dummkopf und „the Tube“ ist das Fernsehen. Zusammengesetzt steht der Begriff „Boob Tube“ im Amerikanischen für Flimmerkiste oder Glotze. Tom Iacion hatte an diesem Tag im Juli 1976 die Idee, die Tubers einfach Potatoes, also fernsehglotzende Kartoffeln zu nennen. Weil es auf dem Sofa am bequemsten war, nannte er sie Couch Potatoes.

Diese Idee der Couch Potato kam auch dem Boob Tuber Robert D. Armstrong zu Ohren. Armstrong war Cartoonist und zeichnete sofort eine Kartoffel auf einer Couch. Er gründete den „Club der Couch Potatoes“, ließ den Begriff schützen und begann ihn zu vermarkten. Er gestaltete zum Beispiel T-Shirts und Puppen damit und war Illustrator und Co-Autor des „Official Couch Potato Handbook“ („Das offizielle Couch Potato-Handbuch“). Armstrong veröffentlichte außerdem regelmäßig „The Tuber’s Voice: The Couch Potato Newsletter“. 1979 fand der Begriff das erste Mal offiziell Erwähnung, nämlich in der Los Angeles Times.

Die Couch Potato macht Karriere und bekommt Gegenwind

Der Begriff traf und trifft immer noch den Nerv der Zeit. Zum einen gibt es die Menschen, die mit Selbstdisziplin das Leben kontrollierbarer machen möchten. Zum anderen gibt es die Leute, die gar nicht erst versuchen, etwas kontrollieren zu wollen, was einfach passiert. Die meisten Menschen haben von beiden Seiten etwas in sich. Sie sind diszipliniert im Beruf und disziplinloser in ihrer Freizeit. Insofern steckt in jedem Menschen wohl eine mehr oder weniger große Couch Potato.

In den späten 1980er Jahren formierte sich in Massachusetts eine Gruppe, die sich „Potato Anti-Defamation League“ nannte. Ihre Gründung war eine Reaktion auf die Rufschädigung der Fernsehjunkies durch den Begriff „Couch Potato“. Die Gruppe richtete sich gegen das negative Image derjenigen, die gerne und ausdauernd fernsehen.

1993 wurde der Begriff „Couch Potato“ ins Oxford English Dictionary (OED) aufgenommen. Denn er war mittlerweile in die englische Umgangssprache eingegangen. Das OED ist mit etwa 650000 Schlagwörtern und rund 2,5 Millionen Nachweisen das umfangreichste Wörterbuch der englischen Sprache, zu der auch die amerikanische Variante zählt.

In den BBC News war am 20. Juni 2005 zu lesen, dass sich im Vereinigten Königreich Bauern zusammengetan haben, die forderten, die „Couch Potato“ aus dem Dictionary herauszunehmen. Ihre Begründung: Der Begriff ruiniere das Image des Gemüses, denn Kartoffeln seien schließlich von Natur aus gesund. Eingebracht wurde der Antrag vom British Potato Council, der zu diesem Zeitpunkt 4000 Kartoffelanbauer und kartoffelverarbeitende Betriebe vertrat. Es wurde vorgeschlagen statt „Couch Potato“ den Begriff „Couch Slouch“ zu verwenden, der auf Deutsch so viel wie „Ein auf dem Sofa herumgammelnder Versager“ bedeutet.

Protestiert wurde vor dem Verlagsgebäude der Oxford University Press, dem Herausgeber des Oxford English Dictionary, am Parliament Square in London. Das Ziel des Protests des British Potato Councils war, das schlechte Image der Kartoffel, nämlich dass sie schlecht für die Leute sei, loszuwerden. Sie gaben zwar nicht dem Dictionary die Schuld dafür, aber sie forderten eine andere Bezeichnung für das, wofür die „Couch Potato“ steht. Rückendeckung bekam die Kampagne von Ernährungswissenschaftlern, die sagen, dass die Kartoffel praktisch kein Fett, dafür aber sehr viel Vitamin C enthält.

Chefherausgeber des OED John Simpson reagierte auf den Protest und sagte, dass Leute, die Wörtern die Schuld für etwas geben, in Wirklichkeit die Gesellschaft beschuldigen. Schließlich würde ein Wörterbuch lediglich die Wörter beinhalten, die von der Gesellschaft benutzt werden. Aus dem 20 Bände umfassenden OED mit seinen 650000 Schlagwörtern wurde noch niemals ein Wort entfernt. Möglicherweise würden wenig benutzte Wörter aus kleinen, unbedeutenderen Wörterbüchern herausgenommen werden, nicht aber aus dem Oxford English Dictionary.

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