Was bedeutet „A.C.A.B.“ (ACAB)?

Das Akronym „A.C.A.B.“ (auch A.C.A.B geschrieben) steht für „All Cops are Bastards“ und bedeutet in einigen englischsprechenden Regionen auch „All Coppers Are Bastards“. („Coppers“ ist ein Slangwort, dass z.B. mit „Bulle“ übersetzt werden kann.)

Zu deutsch bedeutet A.C.A.B.: wortwörtlich: „Alle Polizisten sind Bastarde“, sinngemäß: „Alle Polizisten sind H*rens*hne“ oder „Alle Polizisten sind Schweine“.

„A.C.A.B.“ ist eine englischsprachige Anti-Polizei-Parole, die von verschiedenen Subkulturen in Deutschland verwendet wird, um ihre Ablehnung gegenüber der Polizei als staatliche Macht auszudrücken. Die vier Buchstaben werden als Grafitti, Tattoos, Buttons, Aufnäher oder Aufdrücke verbreitet. Sie finden sich an Wände gesprayt oder auf Kleidungsstücken. Manche lassen sich die vier Buchstaben auch auf ihre Finger tätowieren.

Varianten

A.C.A.B. wird auch als 1312 codiert, entsprechend der Position im Alphabet: 1 = A; 2 = B; 3 = C.

Es passiert öfter, dass diese Abkürzung falsch verstanden wird oder bewusst anders wiedergegeben wird. Folgende Varianten haben wir gefunden:

All Colors are beautiful

Alle Farben sind schön. – Ein junger Mann musste sich vor Gericht wegen dem Schriftzug ACAB auf seiner Kleidung verantworten. Vor Gericht erklärte, dass dies die Abkürzung für „All Colors are beautiful“ sei. Er wurde zu einer Straf von 60 Tagessätzen á 30 Euro – ingesamt 1800 Euro – verurteilt, da er auf die Beamten gezielt zugegangen sei, um diese zu provozieren und zu beleidigen.

  • All cats are beautiful (Alle Katzen sind schön)
  • All chicks are beautiful (Alle Frauen (Chicks) sind schön)
  • All communists are beautiful (Alle Kommunisten sind schön.)
  • All Cops are Bullshit (Damit wird der Begriff „Bastard“ vermieden.)
  • Acht Cola Acht Bier (Wird auch 8 ColaBier abgekürzt.)
  • Autonome Chaoten argumentieren besser
  • Always carry a Bible (Hab immer eine Bibel bei dir.)
  • All Christians are Brothers (Alle Christen sind Brüder)

„Acab“ sei ein türkischer Vorname. Dies behauptete ein Redakteur der Nürnberger Zeitung. Mittlerweile entschuldigte sich die Redaktion für diese falsche Behauptung.

Auch wird ACAB mit dem Aufdruck des Ortsnamens „Copacabana“ verbreitet. Hier sind die vier Buchstaben in der Mitte meist farblich hervorgehoben: copACABana

ACAP ist die Abkürzung für die Arts & Crafts Association Bornholm.

Eine antisemitische neonazistische Variante existiert auch:

  • A.J.A.B. = All Jews are Bastards (Alle Juden sind Bastarde.)

Weitere Bedeutungen:

  • Apfel, Citrone, Ananas, Banane
  • Alkoholiker-Club am Bahnhof
  • All Creatures Are Beautiful (Alle Kreaturen sind schön.)
  • All Cows Are Beef (Alle Kühe sind Rind.)
  • All Cooks are Beautiful (Alle Köche sind schön.)

Geschichte und Verbreitung

Das Akronym A.C.A.B. stammt aus britischen Gefängnissen. Hier waren seit den 1970er Jahren vermehrt Häftlinge anzutreffen, die sich A.C.A.B. auf ihre Finger oder andere Körperteile tätowierten. Auch Wände wurden mit A.C.A.B. beschrieben. Vermutet wird, dass das Akronym aus den 1920er Jahren stammt.

Ab den 1970er wurde das Akronym A.C.A.B. bekannter. 1972 veröffentlichte der Regisseur Sidney Hayers einen Film mit dem Namen „All Coppers Are…“. In den frühen 1980er fand der Ausdruck A.C.A.B. Eingang in die aufkommenden Punk und Oi! Subkulturen. Hier wurde das Akronym in Lieder und Songtexte aufgenommen. Unter anderem verbreiteten die Londoner Oi!-Band „The 4-Skins“ und die deutsche Punkband Slime A.C.A.B. – Außerdem soll das Akronym Eingang in die neonazistische Szene gefunden haben. Mittlerweile verwenden verschiedene Subkulturen das Akronym: Autonome, Hooligans, Punks, Skinheads, Ultras.

A.C.A.B. ist im Alltag auf Graffitis und als Aufdruck auf T-Shirts, Jacken und Beuteln zu finden.

2012 wurde der italienische Film „ACAB – All Cops Are Bastards“ veröffentlicht.

Viele Musiker verwenden den Begriff:

  • „Hab ich recht“ von Alligatoah
  • „Ich hab Polizei“ von Jan Böhmermann
  • „Wieder Winter“ von Kraftklub – „Nocheinmal ACAB bevor es albern ist.“
  • „Grünes Haus“ von Marsimoto – „A.C.A.B , 8 Cola , 8 Bier“
  • „A.C.A.B.“ von SpongeBOZ

Rechtliche Situation

Laut Bundesverfassungsgericht (BVerfG) ist A.C.A.B. (oder ACAB) keine unmittelbar strafbare Beamtenbeleidigung und nicht ohne weiteres strafbar. Um als Beleidigung gemäß des § 185 des Strafgesetzbuch (StGB) geahndet zu werden, muss sich A.C.A.B. auf eine „hinreichend überschaubare und abgegrenzte Personengruppe“ beziehen. Das ist bei ACAB nicht der Fall, da sich der Ausdruck nicht unmittelbar auf einzelne oder mehrere Polizisten bezieht. Das Bundesverfassungsgericht bewertet ACAB – im Sinne des Grundrechts auf Meinungsfreiheit – als allgemeine Ablehnung der Polizei und mit einem Bedürfnis sich von der staatlichen Ordnungsmacht abzugrenzen.

Wie es zu dem Urteil kam

Ein Mann trug bei einem DFB-Spiel des FC Bayern 2012 eine Jogginghose mit dem Aufdruck ACAB. Beamte eines Unterstützungskommandos zeigten ihn daraufhin an. Er wurde vom Amtsgericht München wegen Beleidigung zu 100 Tagessätzen á 30 Euro – insgesamt 3000 Euro Geldstrafe – verurteilt. Die Berufung am Landgericht führte zum gleichen Urteil und die Revision am Oberlandesgericht wurde abgelehnt. Die Anwältin des Angeklagten legte eine Verfassungsbeschwerde ein.

Im Mai 2016 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass „ACAB“ im öffentlichen Raum nicht ohne weiteres strafbar sei. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgericht wurde der Fall vor dem Amtsgericht München neuverhandelt. Die Staatsanwaltschaft und die Anwältin plädierten auf Freispruch. Der Richter erteilte diesen auch. Der Angeklagte bekam nach dem Urteil schon gezahlte Teile seiner Strafe zurück.

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