Was bedeuten die Begriffe „Sinti*zze“ und „Rom*nja“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeuten die Begriffe Sintizze und Romnja, Bedeutung, Definition, Erklärung


Als Sinti*zze und Rom*nja bezeichnen sich Angehörige einer ethnischen Minderheit. Sie sind besser bekannt als Sinti und Roma. Bei den Endungen handelt es sich um die angehängten weiblichen Formen. Die weibliche Form von Sinti ist, in der Mehrzahl Sintizze, die weibliche Form von Roma in der Mehrzahl Romnja. Häufig wird auch nur der Überbegriff Roma verwendet.

Was bedeuten die Begriffe „Sinti*zze“ und „Rom*nja“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Diese Bezeichnung wurde in den 1970er Jahren von der „International Romani Union“ etabliert. Sie löste im Deutschen den Begriff „Zigeuner“ ab, der als Beleidigung empfunden wurde. Da sich aber ein Teil der Gemeinschaft selbst als Sinti*zze bezeichnet, werden in Deutschland und Österreich Rom*nja und Sinti*zze gemeinsam genannt. Tatsächlich handelt es sich nicht um eine einheitliche Ethnie, sondern um mehrere Gruppen internationaler Herkunft. Aus diesem Grund wird unter den Volksgruppen der Sinti*zze und Rom*nja immer wieder diskutiert, ob diese Überbegriffe überhaupt angebracht sind. Konkret bedeutet das Wort Rom Mann, die Bedeutung und Herkunft des Wortes Sinto ist hingegen nicht so klar. Eine These ist, dass es von der Region Sindh in Indien abgeleitet wurde und somit die Herkunft der Volksgruppe beschreibt.

Herkunft, Geschichte und Kultur: „Sinti*zze“ und „Rom*nja“

Die Vorfahren der heutigen Sinti*zze und Rom*nja kommen aus Indien und Pakistan. Von dort kamen sie zunächst über Armenien, im Mittelalter dann über den Balkan nach Europa. Das haben mehrere Sprachstudien ergeben. Das – häufig romantisierte – Nomadenleben führten diese Volksgruppen nicht freiwillig. Sie waren dazu gezwungen, da sie überall als fremd angesehen und wieder verstrieben wurden. Im späten Mittelalter galten die Sinti*zze in Europa als vogelfrei und mussten deshalb mit den fahrenden Völkern unterwegs sein, da sie kein Haus besitzen durften.

Die schlimmste Verfolgung und Vernichtung erlebten die Sinti*zze und Rom*nja während der Zeit des Nationalsozialismus. Sie wurden deportiert, zu Sklavenarbeit gezwungen und ermordet. Ungefähr 70 Prozent von ihnen überlebten den Nationalsozialismus nicht. Es dauerte lange, bis der Völkermord in Deutschland und Österreich wirklich zur Kenntnis genommen wurde. Das EU-Parlament erklärte den 2. August zum Gedenktag an die Ermordung der Sinti*zze und Rom*nja. In Österreich wird dieser Gedenktag aber immer noch nicht offiziell begangen.

Aufgrund der großräumigen Verteilung der Sinti*zze und Rom*nja gibt es keine einheitliche Kultur. Je nach Aufenthaltsort waren die Volksgruppen anderen kulturellen Einflüssen ausgesetzt. Was alle eint, ist der hohe Stellenwert der Familie. Der bekannteste Ausdruck der Kultur ist die Musik, die ihrerseits wiederum europäische Musiker und Komponisten beeinflusst hat. Aber auch das Erzählen von Geschichten hat lange Tradition bei den Sinti*zze und Rom*nja, die auch eigene Volksmärchen entwickelt haben.

Die aktuelle Situation: „Sinti*zze“ und „Rom*nja“

Obwohl Sinti*zze und Rom*nja in Deutschland und Österreich als Minderheit anerkannt sind, werden sie immer noch mit Diskriminierungen konfrontiert. In den Medien werden Bilder von armen Außenseitern gezeichnet, die in verwahrlostem Zustand leben und zu Kriminalität neigen. Dadurch wird eine Integration in die Gesellschaft schwierig, vielen Sinti*zze und Rom*nja ist es nicht möglich, einen Bildungsabschluss oder einen Arbeitsplatz zu bekommen.

In einigen Ländern Europas ist die Situation noch schwieriger. Sinti*zze und Rom*nja wohnen dort in Ghettos, müssen eigene Schulen besuchen oder gehen gar nicht zur Schule. Die EU forderte bereits 2009 von den Mitgliedsstaaten, die Integration der Sinti*zze und Rom*nja zu verbessern, die Umsetzung geht aber nur langsam voran.

Neben den abwertenden, gibt es auch positive, romantisierende Vorurteile und Klischees, die aber genauso wenig richtig sind, wie die negativen. Sinti*zze und Rom*nja werden auch immer noch als fahrendes Volk gesehen, obwohl nur noch vier Prozent mit Wohnwägen unterwegs sind. All die Klischees, positive wie negative, tragen dazu bei, dass diese Bevölkerungsgruppen nach wie vor von vielen als Außenseiter betrachtet werden.

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