Warum sagt man „getürkt“? Woher kommt der Ausdruck? Wortherkunft, Erklärung, Bedeutung

Warum sagt man getürkt, Woher kommt der Ausdruck, Wortherkunft, Erklärung, Bedeutung


Im deutschen Sprachraum kennt und verwendet den Begriff beinahe jeder wie selbstverständlich. So hat etwa der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel „getürkt“ – mittlerweile hat er eine „echte“ und akzeptierte Doktorarbeit nachgereicht. Darüber hinaus gibt es getürkte Spielergebnisse oder getürkte Beweise, … Aber woher genau kommt das allseits bekannte Synonym für gefälscht oder vorgegaukelt. Eine Spurensuche.

Wortherkunft: Wo kommt „getürkt“ her?

Eine Theorie hat mit dem 1895 eingeweihten Kaiser-Wilhelm-Kanal, dem heutigen Nord-Ostsee-Kanal, zu tun. In den ersten Jahren der neuen Schifffahrtsstraße wurden durchfahrende Boote mit ihrer Nationalhymne begrüßt. Eines Tages erreichte ein Frachter aus dem osmanischen Reich den Kanal. Verzweifelt suchte die Musikkapelle nach der türkische Hymne, wurde aber nicht fündig. In ihrer Not spielte das Orchester „Guter Mond, du stehst so stille“, inspiriert durch den Halbmond in der Flagge des Schiffes. Daraus soll die Redensart „einen Türken bauen“ entstanden sein, der Vorläufer des heutigen getürkt. Irgendwie wenig glaubwürdig.

Ein zweiter Ansatz hat mit einer Art frühem Computer zu tun und spielt in einer Zeit, lange bevor es unsere heute bekannte Rechenmaschinen überhaupt gab. Der deutsche Baron Wolfgang von Kempelen, ein passionierter Schachspieler, soll 1769 eine Maschine erfunden haben, mit der es ihm gelang, alle damals bekannten Freunde des königlichen Brettspiels zu besiegen.

Mit seiner „denkenden“ Maschine, wie die Leute damals sagten, soll er ganz Europa bereist haben. Das gute Stück sah aus wie eine Kommode, an der eine orientalisch anmutende Puppe saß. Auf die immer faszinierten Betrachter wirkte der ganze Aufbau so fremd und geheimnisvoll wie der Orient. So eilte dem Vorläufer des modernen Schachcomputers schnell der Name „Der Türke“ voraus. Später stellte man fest, dass sich in der kommodenähnlichen Box ein überaus schlauer und sehr menschlicher Schachspieler verbarg. So soll sich damals „türken“ rasch als Begriff für Fälschung oder Betrug durchgesetzt haben. Klingt plausibel, historisch verbürgt ist die Geschichte indes nicht.

Warum sagt man „getürkt“? Bedeutung, Wortherkunft, Erklärung

Für „türken“ findet man dort richtigerweise die Erklärung „gezielt eine Fälschung produzieren, um damit zu betrügen“. Die Herkunft des Wortes sei jedoch unklar, so das Lexikon, vermutlich käme es aus dem militärischen Sprachgebrauch oder von der Redewendung „einen Türken bauen“. Okay, hier werden wir also auch nicht schlauer.

„Getürkt“: Doch verfolgen wir einen weitere militärische Spur:

Zur Zeit der Türkenkriege um 1569 herum, war die Angst vor den Osmanen in ganz Europa groß. Sogar die Briten auf ihrer sicheren Insel wurden davon erfasst. In dieser Zeit bürgerte sich „Turk“ im Englischen als Bezeichnung für eine Art Pappfigur ein, die für Schießübungen verwendet wurde. Drei Jahrzehnte später, um 1600 herum, schwappte das Thema über den Ärmelkanal. Seither bezeichnete die deutschen Kavallerie mit „türken“ Schießübungen auf unbewegliche Ziele.

Auch im militärischen Kontext ist dieser Erklärungsversuch anzusiedeln:
Auf den Preussenkönig Friedrich Wilhelm IV soll die volkstümliche Redewendung „einen Türken stellen“ zurückgehen. Es bedeutet in etwa „jemandem bei Besichtigungen etwas vormachen“. Aber wie ist der Ausspruch entstanden. Eines Tages sollen die preußischen Truppen ihrem König eine beeindruckende Gefechtsübung vorgeführt haben, die sie aber zuvor mehrfach eingeübt hatten. Schon bald bürgerte sich im Volksmund dafür die Bezeichnung „Türkenmanöver“ oder einfach „Türken“ ein.

Eine letzte Spur kommt aus Frankreich: Unsere Nachbarn linker Hand kennen ein sehr ähnliches Wort und benutzen es auch vergleichbar: „Truquer“ heißt auch bei den Franzosen so viel wie Fälschen. Könnte also gut sein, dass unser „türken“ durch eine Verballhornung des französischen Wortes in unseren Sprachgebrauch gelangt ist. Schließlich sind die Einflüsse unserer linksrheinischen Nachbarn seit Jahrhunderten groß. Man denke nur an das in Bayern seit der Besetzung durch den Franzosen-Kaiser Napoleon geläufige Trottoir – ein Synonym für unseren Bürgersteig.

Bleiben wir noch in weiß-blauen Gefilden. Wenn der Bayer flucht, werden Sie oft ein „Kruzitürken“ vernehmen. Der Begriff soll durch Kreuzugteilnehmer aus Ungarn, die Kuruzen oder Kruzi letztendlich nach Bayern gelangt sein. Einige von Ihnen zogen später an der Seite der Osmanen gegen die Habsburger. Aus dem genervten Ausspruch „Die Kuruzen und die Türken kommen“ wurde die Kurzform „Kruzitürken“, die man in Bayern bis heute pflegt.

Die Herleitungen des Wortes sind also vielfältig, so richtig belegt ist indes keine davon. Suchen Sie sich eine aus!

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