Warum heißt Urlaub „Urlaub“? Erklärung, Bedeutung

Warum heißt Urlaub Urlaub, Erklärung, Bedeutung


Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Viele bereisen in diesen freien Wochen die Welt, manche entspannen einfach im Garten oder auf dem Balkon. Wichtig ist nur, einfach mal durchzuatmen und keinen Gedanken an die Arbeit zu verschwenden.

So sieht es auch die allgemein verbreitete Definition. Demnach ist „Urlaub“ die Zeitspanne, in der jemand von der Arbeit oder vom Dienst freigestellt ist. Es ist eine Zeit, die dem Arbeitnehmer aufgrund von Gesetzen oder eines Tarifvertrages zusteht und die bis auf Ausnahmen eine fortdauernde Vergütung einschließt.

Wie ist der Begriff „Urlaub“ entstanden? Wortherkunft, Bedeutung

Der Begriff „Urlaub“ ist ein Begriff, der bereits in der Zeit Karl des Großen erstmals auftaucht. Im 8. Jahrhundert entstand im damaligen Ostfränkischen Reich das althochdeutsche Wort „urloub“, das bis ins 9. Jahrhundert eine Vokalabschwächung erfuhr und sich zu „urlub“ wandelte. In beiden Fällen bedeutete der Begriff soviel wie „Erlaubnis“. In den folgenden Jahrhunderten veränderte sich das Wort, in der mittelhochdeutschen Sprache wurde meistens „urloup“, „urlop“ oder „urlob“ gesagt. Es war weiterhin als „Erlaubnis (fortzugehen)“ definiert, konnte nun aber auch „Abschied“ und „Verabschiedung“ bedeuten.

In den einzelnen deutschen Sprachgebieten existierten im Mittelalter zudem zahlreiche Varietäten. Im Altächsischen sagte man beispielsweise „orlôf“, im mittelniederdeutschen „ōrlef“ oder „ōrleve“ und im mittelniederländischen fand „oorlof“ weite Verbreitung. Im Mittelalter wandelte sich auch die Bedeutung des Begriffes. Das Wort wurde nun verwendet, um die „Erlaubnis“ fortzugehen oder sich zu entfernen von einer in der Regel höhergestellten Person zu erhalten. Gegen Ende des Mittelalters wurde es allerdings üblich, auch die „zeitweilige Freistellung vom Dienst“ mit dem Begriff „Urlaub“ zu bezeichnen, so dass im Verlaufe der Jahrhunderte eine Annäherung an die heutige Begriffsverwendung erfolgte.

Was bedeutete Urlaub in früheren Zeiten? Bedeutung

In früheren Zeiten konnte Urlaub nicht einfach beantragt werden. Mägde und Knechte kannten keinen Urlaub, sondern nur die kirchlichen Feiertage im Jahreskreis. Eine Befreiung von der Arbeit oder eine Entfernung vom Wohnort zu Freizeitzwecken war weder bei ihnen noch den ortsansässigen Bauern und Handwerkern üblich. Im Mittelalter war Urlaub deshalb auch ein Begriff, der nur in einem kleinen Bevölkerungskreis Bedeutung besaß und mit Erholung oder Arbeitsbefreiung erst einmal nichts zu tun hatte.

Der Begriff „Urlaub“ entstand mit dem sich entwickelnden Lehnswesen und der Herausbildung des Rittertums in karolingischer Zeit. Ein Ritter war gerade im frühen Mittelalter kein freier Herrscher auf seiner Burg, viele von ihnen verfügten als sogenannte Ministerialien nicht einmal über Grundbesitz. Sie hatten allerdings Verpflichtungen gegenüber dem König oder einem anderen Lehnsherren und mussten diesen um Erlaubnis bitten, sich von ihrem gewöhnlichen Standort entfernen zu dürfen. Das galt allgemein für Reisen, aber auch für Kriegszüge benötigte der Ritter „Urlaub“.

Im Hochmittelalter, als das Rittertum in seiner Blüte stand, verlangte die Minne zudem von einem Ritter, dass er auch die „hohe Dame“ um Erlaubnis fragte. Sie gab ihr Einverständnis für die Teilnahme an Feldzügen, Turnieren oder Reichsversammlungen, grundsätzlich hatte ihre Zustimmung jedoch nur symbolischen Charakter und war Teil eines tradierten Aktes der Ritterlichkeit.

Das Vorbild des Rittertums verbreitete sich im Zeitverlauf auf andere gesellschaftliche Gruppen. So war es üblich, dass Mägde und Knechte ihren Grundherren zu bestimmten Anlässen um „Urlaub“ baten, um beispielsweise in anderen Orten an Feierlichkeiten teilzunehmen oder Verwandte zu besuchen. Das Einverständnis des Herren wandelte sich in den Jahrhunderten zur Tradition, wodurch sich ein gewisses Gewohnheitsrecht auf Urlaub bei Landarbeitern, Handwerksgesellen, Söldnern und anderen Berufsgruppen herausbildete. Die weitgehend rechtlosen Arbeiter des beginnenden Industriezeitalters versuchten solche Regelungen ebenfalls einzuführen, konnten aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch ihre Gewerkschaften verbindliche Vereinbarungen durchsetzen. Anfangs wurden 3 bis 6 freie Tage im Jahr zugestanden, bis heute konnten die Urlaubsansprüche jedoch immer weiter verbessert werden.

Was bedeutet Urlaub heute? Bedeutung

Der Begriff „Urlaub“ hat in der heutigen Zeit verschiedene Bedeutungen. Zum Einen ist Urlaub ein gesetzlicher Anspruch, den jeder Arbeitnehmer gegenüber seinem Arbeitgeber hat. Wir stellen zur Erfüllung dieser Ansprüche einen Urlaubsantrag im Personalbüro, um einen oder mehrere Tage frei zu bekommen. Die daraus resultierende Freizeit wird ebenfalls als Urlaub bezeichnet, ist allerdings der Zustand und nicht der Anspruch. Die zweite wichtige Bedeutung, für die der Begriff „Urlaub“ verwendet wird, bezeichnet eine Bewegung, die eine lokale Veränderung und ein Ziel voraussetzt. So sagen Menschen, dass sie in den Urlaub fahren oder eine Urlaubsreise gebucht haben. Eine dritte Bedeutung, mit der „Urlaub“ in Verbindung gesetzt wird, ist eine Freistellung im Militär- und Strafvollzugsbereich. Urlaub von der Truppe oder Hafturlaub ist zwar ebenfalls die Erlaubnis, sich von einem Ort zu entfernen, unterliegt allerdings anderen gesetztlichen Bestimmungen und wird in der Regel angeordnet.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, Urlaub als eine Auszeit zu betrachten. In diesem Fall steht nicht die Erholung oder die Erlaubnis im Vordergrund, sondern die Entfernung. Urlaub vom Leben oder der Welt machen beispielsweise Menschen, die sich für einen bestimmten Zeitraum in die Wildnis oder ein Kloster zurückziehen. Urlaub von der Familie oder Urlaub von den Kindern ist eine Möglichkeit, zumindest mental, manchmal aber auch räumlich Abstand von der Verwandtschaft zu gewinnen. Es gibt noch viele andere Gelegenheiten, den Begriff Urlaub als eine Form des Entfernens zu verwenden: Urlaub von den Drogen, Urlaub vom Sport und sogar Urlaub vom Urlaub sind umgangssprachlich möglich.

Welche Arten von Urlaub kennen wir heute?

Vom Mittelalter bis in das späte 19. Jahrhundert mussten Menschen hart dafür kämpfen, ein paar wenige Tage im Jahr von ihrer Arbeit freigestellt zu werden. Bezahlter Urlaub war unbekannt, Varianten von Urlaubsgeld allein vom guten Willen des Dienstherren abhängig. Heute beträgt der gesetzliche, bezahlte Urlaubsanspruch 24 Tage, im Durchschnitt hat ein Arbeitnehmer in Deutschland allerdings fast 30 Tage zur freien Verfügung.

Der sogenannte Erholungsurlaub ist allerdings längst nicht alles, was ein Arbeitnehmer heute in Anspruch nehmen kann. So ist Mutterschafts- und Erziehungsurlaub für junge Mütter und Väter besonders wichtig, Pflegeurlaub für Menschen, die einen nahen Verwandten pflegen müssen. Bildungsurlaub kann genommen werden, um sich beruflich weiterzuentwickeln, Zusatzurlaub bekommen all jene Personen, die eine Schwerbehinderung nachweisen können. Das bedeutet, dass Menschen heute nicht nur über mehr Urlaub verfügen können, sondern auch bei individuellen Bedürfnissen gesetzlich abgesichert sind.

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