Warum heißt Tote Oma „Tote Oma“? Woher kommt der Ausdruck? Bedeutung, Wortherkunft, Erklärung

Warum heißt Tote Oma Tote Oma, Woher kommt der Ausdruck, Bedeutung, Wortherkunft, Erklärung


Die Speise „Tote Oma“ fällt in die Kategorie sprachliche Delikatessen. Besonders in Ostdeutschland ist ein Gericht bekannt und beliebt, dass mit Blutwurst zubereitet wird. Zusammen mit Sauerkraut und Salzkartoffeln wird die gebratene Wurst, die auch eine Grützwurst sein kann, serviert. Die Wurstbeilage ist dabei in der Regel zu einem Brei zerfallen. Erhalten geblieben ist die rötliche Färbung, die durch das enthaltene Blut entsteht. Auch wenn Blut in Lebensmitteln keine große Lobby hat, hat das Gericht viele Anhänger unter den Liebhabern der herzhaften Küche. Der Anblick jedoch ist gewöhnungsbedürftig und lässt erahnen, wie es zur Namensgebung kam.

Tote Oma, Unfall und Verkehrsunfall: Wortherkunft, Erklärung, Bedeutung

Ein Hauptbestandteil des Gerichts ist die dunkelrote Wurst. Bei der Zubereitung wird die Wurst gebraten. Entweder wird die ganze Wurst in die Pfanne gegeben und solange gegart, bis die Pelle platzt und sich das Brät in eine breiige Konsistenz verwandelt. Alternativ kann die Wurst vor der Zubereitung klein geschnitten werden. Das Ergebnis ist in beiden Fällen eine eher unappetitliche rot-braune Masse, die durchaus an zermalmte Körperteile erinnert. Die Assoziation an die tote Oma ist nachzuvollziehen, ist jedoch nicht als salonfähig zu werten. Weitere gängigere Bezeichnungen für das Gericht sind Unfall und blutiger Verkehrsunfall. Ohne näher auf die Einzelheiten einzugehen und ohne ein Bild im Kopf zu erzeugen, reicht die Vorstellungskraft bei jedem aus, einen Zusammenhang zu erkennen. Beruhigend ist das dieses Gericht in Restaurants unter dem Namen „Topfwurst“ in der Karte geführt wird.

„Tote Oma“: Ostdeutscher Küchenhumor

Nach dem Mauerbau war in den Küchen der DDR sehr viel Kreativität gefragt. Es wurde nicht nach Wunsch, sondern nach Angebot gekocht. Ein beliebter Slogan war „Not macht erfinderisch“. Aus dieser Not heraus sind einige Gerichte entstanden, die sich bis heute große Beliebtheit erfreuen. Speisen, die nostalgische Gefühle wecken, an die Kindheit erinnern und sehr gut schmecken. Dazu gehört „Tote Oma“, denn Grützwurst, Sauerkraut und Kartoffeln waren auch im überschaubaren Warenangebot der DDR immer erhältlich. Historiker haben sich mit der Namensgebung von Gerichten befasst und sind zu dem Schluss gekommen, dass die „Tote Oma“ auf Humor beruht. Humor, der verwurzelt ist mit dem Sarkasmus, der sich einstellt, wenn sich Menschen mit einer Lebenssituation arrangieren müssen, die sie nicht ändern können. Ausgeschlossen wurde die Theorie, dass eine Speise, die „Tote Oma“ heißt, dem Wunsch nach Kannibalismus gleichzusetzen ist. Der Name „Tote Oma“ ist schlichtweg aus einer lustigen Bezeichnung entstanden, die so treffend ist, dass sie sich als fester Name etabliert hat. Die Entstehung ist also auf den sogenannten Volksmund zurückzuführen und da können Begriffe einen rauen Ton aufweisen, sind in der Regel aber sehr ehrlich.

„Tote Oma“: Regionale Unterschiede in den Töpfen

Grützwurst gehört in vielen Regionen zu den traditionellen Gerichten. Das bekannteste ist „Himmel und Erde“. Es basiert auf dem knusprig gebratenen Brät einer Blutwurst, das mit Kartoffelbrei, Apfelmus und Zwiebeln serviert wird. Die Grützwurst hat den Anschein einer guten, bröseligen Erde. Besonders im Rheinischen, in Westfalen, in Niedersachsen und Schlesien ist diese Zubereitungsart beliebt. Die herzhafte Blutwurst wird sogar in den Niederlanden serviert. In Hamburg gibt es eine Variante der Grützwurst, die mit Rosinen verfeinert ist. Eine Variante, die Feinschmecker polarisiert und niemand möchte sich vorstellen, wie die Bezeichnung für die süßliche Variante in Ostdeutschland lauten würde.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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