Warum haben indische Frauen einen roten Punkt auf der Stirn? Erklärung

Warum haben indische Frauen einen roten Punkt auf der Stirn, Erklärung


Der rote Punkt, den vielen Frauen in Indien auf der Stirn tragen, heißt Bindi. Dieses Hindi Wort leitet sich aus dem Sanskritwort Bindu ab. Auf Deutsch bedeutet es Punkt oder Tropfen.

Dabei muss das Bindi nicht unbedingt immer ein tatsächlicher Punkt sein. Senkrechte, waagerechte und u-förmige Striche sind ebenfalls möglich. In manchen Fällen werden die Varianten kombiniert.

Das Bindi wird häufig als weibliche Form des Tilaka gesehen. Dieses Segenszeichen, auch unter dem Namen Tika geläufig, erhalten hinduistische Männer während oder nach einer religiösen Zeremonie.

Die Beschaffenheit des roten Punktes „Bindi“ bei indischen Frauen

Das Bindi lässt sich aus verschiedenen Zutaten herstellen. Meist besteht es aus Kurkumapulver und ein paar Tropfen Rosenwasser. Auch Sandelholzpaste oder heiliger Asche aus verbranntem Holz (Vibhuti) werden verwendet.

Da sich das Bindi immer mehr als modisches Accessoire etabliert, wird es häufig nicht mehr in Form einer Paste aufgetragen. Stattdessen benutzen die Frauen kleine Sticker, die in allen möglichen Formen und Farben erhältlich sind. Einige besitzen Perlen oder Glitzersteinchen.

Die Bedeutung des roten Punktes (Bindi) bei indischen Frauen

Ursprünglich war das Bindi einer Frau ein Zeichen dafür, dass sie verheiratet ist. Es sollte beiden Ehepartnern Glück und Wohlstand bescheren und sie vor allem Bösen schützen. Traditionell gesehen ist das Bindi rot, was Stärke und Mut symbolisiert.

Eine weitere Bedeutung des roten Punktes bezieht sich auf die Stärkung des sechsten Chakras. Vor circa 3000 Jahren verfassten erleuchtete Personen (Rishis) die heiligen hinduistischen Schriften (Veden). Darin beschrieben sie sieben Energiezentren, die sogenannten Hauptchakren. Dort wo sich das Bindi befindet, liegt das sechste Chakra. Es wird als Stirn- oder auch Ajna-Chakra bezeichnet. An dieser Stelle, dem dritten Auge, fließt besonders viel Energie.

Im Hinduismus besitzt jeder Mensch drei Augen. Zwei Augen sind für das Sehen und somit optische Eindrücke verantwortlich. Das dazwischen liegende dritte Auge richtet seine Wahrnehmung jedoch nach Innen und auf das Göttliche im Menschen. Ein Bindi erinnert den Träger, dass Gott die Mitte des Lebens ist und stets im Zentrum der Gedanken sein soll. Oberstes Ziel ist dabei das Erlangen der inneren Weisheit.

Die verschiedene Arten des roten Punktes (Bindi)

Einige Bindis geben Hinweise auf die Religionszugehörigkeit der Trägerin. Glaubt sie an Shakti, die göttliche Mutter, trägt sie Kurkuma in Form einer senkrechten Linie auf der Stirn oder als einzelnen Punkt zwischen den Augenbrauen auf.

Frauen, die Lord Vishnu anbeten, schmücken sich mit drei senkrechte Linie aus Sandelholzpaste. Drei horizontale Striche (Tripundra) stehen hingegen für den Glauben an Lord Shiva.

Die Stelle des roten Punktes

Für ein Bindi wird die Paste in die Mitte der beiden Augenbrauen, teilweise etwas höher auf der Stirn, angebracht beziehungsweise der Sticker dort aufgeklebt.

Personen, die den roten Punkt tragen

Traditionell gesehen, ist der rote Punkt verheirateten Hindu-Frauen vorbehalten. Sie erhalten ihn morgens nach dem Besuch eines Tempels oder geben ihn selbst zuhause auf ihre Stirn.

Am Hochzeitstag selbst schmückt sich die Braut mit vielen kleinen Bindis, die oberhalb ihrer Augenbrauen aufgetragen werden.

Heutzutage sind Bindis jedoch auch bei unverheiratete Frauen als Segenszeichen oder als modischer Schmuck beliebt. Selbst kleinen Kinder wird zu besonderen Anlässen ein Bindi aufgeklebt.

Witwen verzichten in aller Regel auf den roten Punkt. Alternativ können sie ein schwarzes Bindi tragen.

Der rote Punkt als Zugehörigkeitsmerkmal einer Kaste

Häufig wird angenommen, dass der rote Punkt Ausdruck einer gewissen Kaste ist. Dies wurde jedoch mehrfach widerlegt und steht nicht in Verbindung miteinander.

Zweifelhafter Modetrend: Bindi / roter Punkt

Bindis kommen mittlerweile immer mehr in Mode. Frauen anderer Religionen oder aus der westlichen Welt tragen sie als Fashion Statement.
Diese kulturelle Aneignung kritisieren gläubige, traditionsbewusste Frauen scharf, da das Bindi nicht zu Modezwecken angewendet werden soll. Jede Trägerin müsse sich vielmehr der religiösen Bedeutung bewusst sein.

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