Mehrzahl Atlas: Wie ist der korrekte Plural Atlanten, Atlasse? Bedeutung


Manche Worte werden häufig gebraucht und sind in ihrer Bedeutung den meisten Menschen vertraut, doch bei der Pluralbildung gerät man schnell ins Stocken. Ein solches Wort ist „Atlas“. Oft verwendet werden die zwei Pluralformen „Atlasse“ und „Atlanten“. Da drängt sich die Frage auf, welche ist korrekt? Die Antwort: Beide! Denn die Geschichte hinter dem Wort „Atlas“ verrät, dass „Atlas“ kein normales Wort ist.

Plural „Atlas“: Griechische Ursprünge

„Atlas“ ein Name ist und hat damit eigentlich keine Mehrzahl. So wenig, wie man „Ulriche“ oder „Klause“ als Pluralformen bildet, wenn von mehreren Personen desselben Namens gesprochen wird, so wenig hat der griechische Name Atlas im Griechischen eine Mehrzahl. Man kann aber im Griechischen natürlich auch Atlas wie jedes andere Wort durchdeklinieren.

Allerdings ist Atlas (griechisch “ Ἄτλας“) tatsächlich ein sprechender Name, das heißt, er trägt seine etymologische Erklärung schon in sich. Der Name leitet sich her vom Wortstamm „τλα“ (τ(α)λάω) oder „τλῆναι“ (tlḗnai), das auf deutsch „tragen“ oder „erdulden“ heißt. Im Lateinischen entstand daraus „tolere“, wovon im Deutschen das Fremdwort „Toleranz“ abgeleitet wird. Atlas ist also jemand, der trägt und erduldet.

Mehrzahl und Plural von Atlas: Atlanten oder Atlasse?

Im Deutschen werden Fremdworte, die in die Sprache integriert, also eingedeutscht sind, anders behandelt als deutsche Worte, wenn es um die Pluralbildung geht. Dass es im Deutschen zwei Mehrzahlformen gibt, hat damit zu tun, dass das Wort Atlas im Griechischen je nach altgriechischem Dialekt beispielsweise in folgenden Formen dekliniert wird: „Atlas“ (Nominativ), „Atlanton“ oder „Atlantos“ (Genitiv), „Atlanti“ (Dativ), „Atlanta“ oder „Atlantas“ (Akkusativ) und „Atlan“ oder „Atlantes“ (Vokativ). Die Mehrzahlbildung „Atlasse“ entspricht also einer einfachen Bildung der Mehrzahl durch ein angehängtes „e“, während die Mehrzahlbildung „Atlanten“ eigentlich eine eingedeutschte Form des griechischen Plurals ist.


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Plural Altas: Ist Atlanten oder Atlasse korrekt? Mehrzahl

Jeder dürfte irgendwann damit konfrontiert werden, hat man doch meistens einen Schüleratlas, den man für Fächer wie Erdkunde oder Geografie brauchte. Zu Anfang der Stunde erfolgt die Bitte, die Atlanten aufzuschlagen. Oder die Atlasse aufzuschlagen. Beides ist richtig. Denn das Buch, das auch als geografisches Kartenwerk bezeichnet wird, versammelt neben Text eine Vielzahl von Landkarten der Erde, Tabellen und Diagrammen. Mittlerweile gibt es Atlanten natürlich auch als App.

Einen Atlas gibt es in eigenen Ausgaben für die Schule, für die Wissenschaft, für spezielle Themen. Ein historischer Atlas beispielsweise enthält ältere Karten oder verzeichnet Territorien, die es früher einmal gab. Selbst einen Himmelsatlas gibt es. Dies ist ein Werk, das die Karten des Himmels enthält, denn auch der Himmel ist wissenschaftlich erforscht und kartografiert. Oder einen anatomischen Atlas. Das ist eine Ansammlung von Bildtafeln, hier zum Thema der menschlichen Anatomie.

Wortherkunft: Wo „Atlas“ herkommt

Nach der griechischen Mythologie gab es früher Titanen. Das waren Götter, die wie Menschen aussahen. „Atlas“ ist der griechische Name eines dieser Titanen. Von seinem Vater Zeus erhielt er die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Erde und Himmel – auf Griechisch „Gaia“ und „Uranós“ – für immer getrennt blieben. Deswegen wird Atlas als ein muskulöser Gigant dargestellt, der die Weltkugel schultert.

Gleicher Wortstamm, viele Bedeutungen: Atlas und Atlantik

Nach Homer (Odyssee) kennt Atlas die Tiefen des Meeres und trägt die Säulen, die Himmel und Erde für immer trennen. Von diesem Gott Atlas stammt übrigens auch das Wort „Atlantik“ ab. Ein ähnliches Wort, das dieselbe etymologische Herleitung hat, ist das Wort „Atlant“. Darunter versteht man ein Bauelement an einem Gebäude, meist ein Gebälkträger: Eine muskulöse Männerfigur „trägt“ scheinbar Teile des Gebäudes. Oft befindet sich der Atlant vor einer Säule oder einem Pfeiler. Das Wort „Atlant“ in diesem Kontext bildet nur einen Plural: „Atlanten“.

Wahrscheinlich vor dem Hintergrund dieser tragenden Figur wird in der Humanmedizin der Halswirbel, der den Kopf trägt, ebenfalls als „Atlas“ bezeichnet. Der Atlas in der Medizin hat laut Duden keinen Plural. Auch mit dem Bezug auf den Atlas der griechischen Mythologie dürfte die Bezeichnung für das nordafrikanische Gebirge entstanden sein, das auch „Atlas“ heißt. Ging man doch früher davon aus, dass die hohen Berge den Himmel tragen, deswegen wurde das Atlasgebirge auch als die „Säulen des Himmels“ bezeichnet.

Als „Atlas“ wird aber auch ein textiler Stoff bezeichnet, ein Seidengewebe mit schimmernder, glatter Oberfläche. Man spricht von Atlasseide oder Seide in Atlasbindung, die zudem Satin genannt wird. Mit dieser Bedeutung stammt das Wort aus dem Arabischen und heißt „kahl, glatt“, die Mehrzahl lautet dann nur „Atlasse“. Durch die Webform erscheinen auf der Oberfläche überwiegend parallele Schussfäden, die bei einem bestimmten Lichteinfall einen besonderen Glanz hervorrufen.

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