Was bedeutet Luxusprobleme? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet Luxusprobleme, Bedeutung, Definition, Erklärung


Luxusprobleme sind kleinere Probleme von Menschen, denen es im historischen und internationalen Maßstab eigentlich sehr gut geht. Das sind heute die Menschen der sogenannten Ersten Welt, weshalb der angloamerikanische Sprachraum für diese Art von Sorgen den Begriff „first world problems“ geprägt hat. Bedeutet das nun, dass es uns absolut prima geht und wir uns über nichts beklagen dürfen? Ganz so einfach ist es nicht.

Was sind Luxusprobleme? Bedeutung, Definition, Erklärung

Es gibt Tage, da sollte man im Bett bleiben. Der Wecker klingelt nicht, die Milch ist alle, wir haben vergessen, das Smartphone aufzuladen, der Bus fährt uns auch vor der Nase weg. Einige Zeitgenossen mit schwachem Nervenkostüm können das überhaupt nicht ertragen und toben mehr oder weniger lautstark. Allerdings sei zu unserer Verteidigung gesagt: Den meisten von uns fällt just in solchen Momenten durchaus ein, dass gerade einige Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken, irgendwo gerade wieder ein Krieg angefangen hat und – nicht zu vergessen – der eigene Onkel soeben mit einer Krebsdiagnose konfrontiert wurde. Das bedeutet: Wir wissen schon, dass uns in Wahrheit Luxusprobleme nerven. Daher gilt es zu erforschen, warum sie uns dennoch an den Rand der Verzweiflung bringen können. Doch schauen wir uns zunächst einige der beliebtesten Luxusprobleme an:

  • #1: Ich habe beim Zähneputzen übersehen, ob meine elektrische Zahnbürste schon das 2-Minuten-Signal gesendet hat.
  • #2: Bei der Grillparty zieht der Rauch dorthin, wo ich am liebsten sitzen will.
  • #3: Ich habe Kekse gegessen und nun Krümel auf dem Hemd.
  • #4: Ich muss jetzt von der Couch aufstehen, weil ich ins Bett gehen muss.
  • #5: Der Bus fährt an der Haltestelle immer zwei Meter zu weit. Das verlangt von mir drei Schritte bis zum Einstieg. Macht das der Fahrer mit Absicht?
  • #6: Ich suche auf Youtube einen Song in seiner besten Fassung, doch ich finde nur Live-Versionen.
  • #7: Gestern hatte ich einen Wadenkrampf, denn meine Fernbedienung lag ein paar Zentimeter zu weit weg: Ich konnte sie mit dem Fuß nicht erreichen.
  • #8: Wir spielen Quizduell, aber ich muss mehr als drei Minuten auf die gegnerische Runde warten.
  • #9: Ich wollte nicht zweimal mit den Einkäufen vom Auto zur Haustür laufen, doch nun ist mir alles runtergefallen.
  • #10: Mir fehlen beim Onlineshopping noch sieben Cent bis zum Gratisversand!
  • #11: Ich hätte gern das brandneue Smartphone, aber das alte funktioniert noch.
  • #12: Was ziehe ich heute bloß an? Ich habe nichts im Schrank!
  • #13: Aus der Ketchupflasche kommt entweder alles auf einmal oder gar nichts heraus.
  • #14: Das Fernsehprogramm kannst du heute vergessen!
  • #15: Das Wetter war auch schon mal besser.

Luxusprobleme: Haben wir wirklich keine anderen Probleme?

Doch, wir haben sie. Da wären die Beförderung, die Hypothek für das Haus, die nächste Schulstufe der Tochter und – nicht zu vergessen – die Sorge um den Onkel mit Krebs, wenn er uns nahesteht. Wenn wir diese wirklich handfesten Probleme klären oder verarbeiten konnten (gegen den Krebs sind wir machtlos), können wir uns noch ein neues berufliches oder privates Projekt suchen. Auch gesellschaftliches Engagement hilft immer, um Luxusprobleme zu relativieren. Das machen viele Menschen auch, dennoch sind sie von einigen der geschilderten Probleme extrem genervt. Woran liegt das nur?

Stress und Zeitgeist schaffen Luxusprobleme

Es dürften der Stress unseres vollgestopften modernen Lebens und der Zeitgeist sein, die oft im Duo Luxusprobleme verursachen. Untersuchen wir doch einmal diesen Zusammenhang. Nehmen wir unser Luxusproblem #1 mit der Zahnbürste: Wer sagt eigentlich, dass wir die Zähne genau zwei Minuten auf eine bestimmte Weise putzen müssen? Der Zahnarzt? Fragen Sie mal einen Zahnarzt ganz privat, wenn Sie ihn so gut kennen. Er winkt ab. Die Masche mit den zwei Minuten hat sich der Hersteller der Zahnbürste ausgedacht, um dem Gerät noch ein weiteres kostenpflichtiges Feature (das 2-Minuten-Signal) verpassen zu können. Dann ließ er seine Innovation mit pseudowissenschaftlichen Texten promoten, die heutzutage unterbezahlte Online-Autoren im Sekundentakt ins Netz werfen. Glauben Sie es nur: 99 Prozent aller Informationen, die Sie heute aufnehmen, sind Marketing und/oder Infotainment. Sie sind nutzlos bis grundfalsch und verursachen Stress, wenn wir an sie glauben. Sie sind der tiefste Ausdruck unserer dekadenten Überflussgesellschaft. Für diese Dekadenz werden wir mit Luxusproblemen bestraft. Wenn wir dann abends vollkommen erschöpft von all diesem nutzlosen Informations-Overkill auf der Couch liegen, ist es kein Wunder, dass wir gern die Fernbedienung mit der großen Zehe bedienen möchten (und dabei einen Krampf bekommen) oder es kaum noch schaffen, von der Couch ins Bett zu wechseln. Auch Alkoholmissbrauch und nächtliche Fressattacken sind auf diese Art von Stress zurückzuführen. Was sollen wir nur tun?

Siehe auch: First World Problems

Reduzieren? Verzichten? Entschleunigen?

Es gibt in der Tat mehrere Strategien, um einer Welt voller stressiger Luxusprobleme zu entfliehen. Manche Menschen versuchen komplett auszusteigen, manche reduzieren drastisch ihren Konsum, manche fokussieren auf eine gesündere Lebensweise, was für sie auch eine langsamere Lebensweise ist. Das ändert aber nichts am Grundproblem: Wir fühlen uns gestresst, obwohl es uns (in den entwickelten Staaten) doch eigentlich so gut geht, wie es Menschen in ihrer gesamten Geschichte noch nie ging. Dieser Stress verursacht ein massives Unbehagen: Wir fühlen uns deshalb schuldig. Gut, wir könnten uns handfesten Problemen stellen, indem wir uns uneigennützig engagieren oder auch unseren ökologischen Fußabdruck deutlich verringern. Seit 2020 können wir für verschärfte Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie sein (Stand der Betrachtung: Oktober 2020) oder auch dagegen protestieren. Doch mal ehrlich: Viele dieser Engagements haben eher abstrakte Ziele. Das Elend von Flüchtlingen, die Armut vieler Zeitgenossen hierzulande und ebenso die Klima- und die Gesundheitskrise können wir irgendwie nicht richtig fassen. Der Bus aber ist uns heute morgen wirklich vor der Nase weggefahren, weil der verdammte Wecker nicht geklingelt hat.

Luxusprobleme erkennen, benennen, eliminieren

Es dürfte hilfreich sein, Luxusprobleme als solche wirklich zu erfassen und sie konsequent zu negieren. Das schaffen Menschen, die echte Ziele im Leben haben und darum kämpfen. Diese Personen fühlen sich auch in unserer reichen Gesellschaft nicht schuldig, sondern vielmehr verpflichtet. Die Generation der ab etwa 1950 geborenen Mitteleuropäer hatte das Glück, bis heute von einem Krieg, massiver Armut und schweren Umweltkatastrophen verschont geblieben zu sein. Daher sollten wir die Wirtschaft, den gesellschaftlichen Diskurs zu wichtigen Themen, die Wissenschaft und die Künste nach Kräften vorantreiben. Die Sache mit dem Klimaschutz gehört natürlich auch dazu. Sonst verfluchen uns unsere Enkel.

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