Was bedeutet Lagom auf deutsch? Was ist das?

Bedeutung:  Lagom bedeutet auf schwedisch, dass etwas genau richtig ist und nicht besser sein könnte; also im Sinne von nicht zu viel und nicht zu wenig. Es kann auch mit „genau im richtigen Maß“ oder „alles in Maßen“ übersetzt werden.

Lagom hat keine direkt deutsche Übersetzung.

Lagom ist eine Einstellung und Lebensphilosophie, die weit in Schweden verbreitet ist: Extreme, Exzess, Übermaß und Übertreibung werden abgelehnt und ein gesundes Mittelmaß, Gleichgewicht und Harmonie werden bevorzugt bzw. erstrebt. Das Leben ins Gleichgewicht zu bringen, ist das Ziel, um glücklich zu werden und in Harmonie zu leben.

Lagom rät zu Sparsamkeit, Nachhaltigkeit und fairem Konsum. Geld, Wasser und Strom müssen nicht sinnlos verschwendet bzw. ausgegeben werden. Fair gehandelte oder regionale (und nachhaltig produzierte) Lebensmittel und Produkte sollten gekauft werden.

Lagom ist auch im Norwegischen bekannt.

Lagom Beispiele:

  • Ein englischsprachiges Magazin hat sich Lagom verschrieben und veröffentlicht Produkt- und Lifestyle-Berichte über gelebtes Lagom. Siehe: 1
  • Eine koreanische Kosmetik-Firma hat sich „Lagom“ genannt und vertreibt Pflegeprodukte. Siehe: 2
  • IKEA hat mit „Live Lagom“ eine Einrichtungsserie veröffentlicht und zeigt dabei, mit welcher Einrichtung die schwedische Lagom-Philosophie gelebt werden kann. Siehe: 3

Alltagsbeispiele

  • Small Talk kann lagom sein. Anstatt Kritik und Komplimente zu äußern, halten Schweden sich eher zurück und schweigen. (Es wird hierbei vermeiden, dass sich jemand schlecht fühlt, weil er kritisiert wurde oder, dass andere sich schlecht fühlen, weil sie kein Kompliment erhalten haben.)
  • Auch Sieger und Erstplatzierte werden in Schweden zurückhaltend gefeiert, so dass sich andere nicht schlecht fühlen und die Leistung des Teams im Fokus steht.
  • Lagom im Arbeitsleben: Mit Verantwortung und realistischen Erwartungen erledigen Schweden ihre Arbeit.
  • Lagom sorgt dafür, dass mit Nacktheit und Sexualität entspannt umgegangen wird. Selbst ein Toilettengang kann Gesprächsthema sein.
  • Kleidung kann auch lagom sein. Schweden kleiden sich eher schlicht und praktisch, als übertrieben. Sie legen Wert auf Qualität und leben einen Understatement-Look.
  • Paare zahlen eine Restaurant-Rechnung getrennt, damit kein Ungleichgewicht entsteht und Gesten unerwidert bleiben. Auch getrennte Konten sind in schwedischen Familien keine Seltenheit.
  • Das Urlaubswetter kann lagom warm sein: Dann ist es nicht zu heiß, nicht zu schwül, sondern eine angenehme Wärme.
  • Auf einer Autobahn können Autofahrer lagom schnell vorankommen; dann ist der Verkehr flüssig und stockt nicht.
  • Portionen im Restaurant können lagom groß sein. Sie haben dann genau die richtige Größe, um satt zu werden, ohne übervoll zu sein oder noch einen kleinen Hunger zu leiden.

Die Mitte finden

Schweden suchen die Mitte:

  • Die Mitte zwischen Überfluss und Bescheidenheit: Qualitativ hochwertige Kleidung; Einrichtungsgegenstände, die eine Bedeutung haben
  • Die Mitte zwischen Stress und Entspannung.
  • Die Mitte zwischen Alleinsein und sich mit vielen Menschen umgeben.
  • Die Mitte zwischen Arbeit und Freizeit.
  • Die Mitte zwischen Geiz und Verschwendung: Sparsamkeit; bewusst Geld ausgeben

Wortherkunft

Ein Mythos beschreibt die Herkunft des Wortes Lagom: Am Lagerfeuer der Wikinger ging ein Trinkhorn bzw. ein Krug mit Bier oder Met herum. Jeder der Mannschaft sollte gleich viel aus dem becher erhalten, so dass jeder der Runde einen gleichgroßen Schluck trinken konnte. Dies wurde mit „laget om“ beschrieben, was sinngemäß übersetzt heißt: „Einmal für die ganze Mannschaft“ – im Lauf der Zeit wurde es zu „lagom“ verkürzt.

Lagom ist ebenso eine frühere Form des Dativs im Plural vom schwedischen Wort „lag“, was mit „rechte Ordnung“ oder „Gesetz“ übersetzt werden kann. Es wurde aber nicht im Sinne eines juristischen Gesetzes verstanden, sondern eher als Regel. Seine heutige Bedeutung ist „gemäß rechter Ordnung“, auch „passend“ und „wede rzu wenig noch zu viel“.

Aussprache

Das „a“ wird wie ein kurzes „o“ ausgesprochen.
Das „o“ wird eher wie ein deutsches „u“ ausgesprochen“.
Damit wird „Lagom“ eher wie „Logum“ ausgesprochen.

Anmerkungen: Griechische Philosophie

Schon in der antiken griechischen Philosophie wurde die Mitte gesucht. Philosophen stellten fest, dass es immer zwei grundlegende Kräfte in der Natur gibt, die einander gegenüber stehen. Auf der einen Seite wird nach Stabilität, Gleichgewicht und Harmonie gestrebt. Auf der anderen Seite wird Veränderung und Aufregung gesucht.

Menschen neigen dazu stabilie Strukturen zu erschaffen. (Der innere Schweinehund grüßt!) Doch wenn diese Strukturen zu starr werden und Reaktionen auf Veränderungen ausbleiben, kann dies zu Katastrophen und Konflikten führen.

Aus diesem Grund wird stets ein Gleichgewicht gesucht.

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