Fragen, Antworten und Fakten zum Hambacher Forst


Hier findest du zentrale Fragen, Antworten und Fakten zum Hambacher Forst. BedeutungOnline hat Informationen und Fakten zusammen getragen, damit du dir deine Meinung bilden kannst:

Warum dürfen Bäume im Hambacher Forst abgeholzt werden?

2014 entschied die Landesregierungs NRWs, dass weitere Bäume im Hambacher Forst abgeholzt werden können. In einem Zulassungs-Bescheid für 2020 bis 2030, der auf einem Gutachten basiert, stellte die Regierung fest, dass nachteilige Auswirkungen auf die Natur, Tiere und Lebensräume ausgeschlossen werden können und daher die Abholzung zulässig ist. Damit erhielt RWE die Erlaubnis zum Abholzen.

Auch die Leitentscheidung zum Tagebau Garzweiler II stammt von Rot-Grün. In dieser wurde festgelegt, dass die Abbaugrenzen des Tagebaus Hambach unverändert bleiben.

Anmerkung: 2014 regierte in Nordrhein-Westfalen Rot-Grün unter der Führung der SPD mit Landeschefin Hannelore Kraft.

Wie viel vom Hambacher Forst soll abgeholzt werden?

Der Hambacher Forst war bis Ende 1970 einmal 4100 Hektar groß. (Das sind über 5.600 Fußballfelder.) Mittlerweile – im September im Jahr 2018 – ist er nur noch 200 Hektar groß. Damit wurden über 90 Prozent (3900 Hektar) des Waldes vernichtet.

In der kommenden Rodungssaison sollen von den restlichen 200 Hektar 101 Hektar gerodet werden. Laut RWE vergehen zwischen Rodung und dem Abbau Braunkohle rund zwei Jahre. Eine Rodungssaison beginnt am 1. Oktober und endet im März des folgenden Jahres. Jedoch hat sich RWE bereit erklärt, erst ab 14. Oktober 2018 mit den Rodungen zu beginnen.

Das Land NRW hat dem Konzern RWE den Hambucher Forst im Jahr 1977 für einen Flächentausch überlassen. 1984 begann die Förderung der Braunkohle durch RWE.

Wie alt ist der Hambacher Forst?

Die ältesten Bäume in Hambacher Forst sind bis zu 350 Jahre alt. Der Hambacher Forst ist Heimat von Bechsteinfledermäusen, Springfrösche, Haselmäuse und Kammmolchen. Würde der Wald weiter abgeholzt, so würden diese ihren Lebensraum verlieren.

Der Wald selbst ist rund 12.000 Jahre alt.

Warum will RWE den Hambacher Forst abholzen?

Unter dem Hambacher Forst liegen mehrere Millionen Tonnen Braunkohle – insgesamt sollen dort bis 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle liegen. Mit dieser Braunkohle sollen die Kraftwerke Neurath und Niederaußem versorgt werden.

Die Braunkohleschicht liegt 300 Meter unter der Oberfläche und ist rund 70 Meter dick.

Aktuell werden aus Hambach rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. RWE soll mit dieser Kohle bis zu 25 Milliarden Kilowattstunden Strom produzieren und damit ca. 15 Prozent des Strombedarfs in NRW decken.

Kann die Abholzung gestoppt werden?

Der BUND hat einen Antrag beim Oberverwaltungsgericht Münster eingereicht, um die Abholzung zu stoppen. Laut Bund soll der Hambacher Forst die Kriterien der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie erfüllen und muss daher als schützenswert betrachtet werden. Das Gericht muss diesen Antrag prüfen.

Die Rot-Grüne Landesregierung prüfte 2014 ebenfalls, ob der Hambacher Forst die Kriterien der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie erfüllt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass der Forst die Kriterien nicht erfüllt.

Was passiert nach dem RWE mit dem Braunkohleabbau fertig ist? Findet eine Renaturierung statt?

Laut RWE soll nach dem Ende des Braunkohleabbaus die Renaturierung der Gebiete stattfinden. Das heißt, Tagebau-Löcher werden gefüllt, Bäume angepflanzt und Gebiete werden nutzbar gemacht. Die renaturierten und rekultivierten Flächen sollen als Ackerland-, Wald-, Wiesen- und Wasserflächen genutzt werden.

Warum ist Braunkohle so schlimm?

Wenn eine Tonne Braunkohle verfeuert wird, so entsteht im Schnitt eine Tonne Kohlendioxid. Damit ist Braunkohle ein Brennstoff bei dem besonders viel Kohlendioxid frei wird, was das Klima weiter schädigt. Zum Vergleich: Bei Steinkohle fallen pro Tonne rund 900 Kilogramm Kohlendioxid an. Bei Gas fällt nur noch ein Drittel an CO2 an.

Brauchen wir die Braunkohle?

Ja und Nein, aktuell werden 25 Prozent des deutschen Stromes aus Braunkohle erzeugt. Aus erneuerbaren Energien werden 38 Prozent des deutschen Stromes gewonnen. Sollte es zu einer Stromunterversorgung (die zu Stromausfällen führen kann) in Deutschland kommen – weil z.B. Windkrafträder zu wenig Strom produzieren – so werden Kohlekraftwerke eingesetzt oder es wird Strom aus dem Ausland einkauft.

Bei RWE arbeiten rund 10.000 Menschen. Dazu kommen Arbeitsplätze bei Zulieferern. Ihre Arbeitsplätze werden durch Braunkohle gesichert. Ein Braunkohle-Ausstieg würde dazu führen, dass Arbeitsplätze verloren gingen.

Wie lange leben Aktivisten schon im Hambacher Forst?

Seit 2012 halten sich Aktivisten im Hambacher Forst auf. Auch in den Wintermonaten sollen sie im Wald leben.

Im September 2018 sollen bis zu 200 Aktivisten im Hambacher Forst gelebt haben.

Die Aktivisten sollen aus verschiedenen Teilen Deutschlands kommen.

Gab es Räumungen? Wie verhalten sich Aktivisten bei Räumungen?

Bei einer Räumung im Jahr 2012 hielten sich die Aktivisten tagelang in einer metertiefen Erdhöhle auf und hatten sich dort verschanzt. Die Polizisten riefen technische Experten zur Hilfe, um die Erdhöhlen zu räumen.

Bei Durchsuchungen fand die Polizei unter Häusern und Verschlägen sehr tiefe Löcher.

Auch gibt es Berichte über Fallen und Vorrichtungen, um die Polizei aufzuhalten oder zuschädigen – so unter anderem Konstruktionen bei denen Gegenstände von oben herunterfallen oder Stolperfallen.

Die Polizisten haben im Wald mehrere Depots mit Wurf- und Schleudergegenständen – wie z.B. Schraubenmuttern oder Pyrotechnik – gefunden.

In anderen Berichten werden Informationen verbreitet, dass die Aktivisten mit Messern und anderen Waffen bewaffnet sind.

Teils waren bis zu 4000 Polizisten im Wald, um Baumhäuser zu räumen. Außerdem wurden Patrouillen eingesetzt, damit Aktivisten vom Wald ferngehalten werden.

Wie viele Baumhäuser von Aktivisten gab es 2018 insgesamt?

Insgesamt soll es rund 50 Baumhäuser gegeben haben. Davon sollen bis zum 18. September 28 geräumt und 19 agebaut wurden sein.

Als Gründe für Räumungen der Baumhäuser wurde angegeben, dass Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten wurden.

Wie ist die Sicherheitslage im Hambacher Forst?

Die Polizei NRW befürchtet eine Gewalteskalation. Der CDU-Innenminister von NRW, Herbert Reul, glaubt, dass die Polizei-Beamten es mit „extrem gewaltbereiten Linksextremisten“ zu tun haben wird.

Warum nennen Aktivisten den Hambacher Forst „Hambi“?

„Hambi“ ist die Verniedlichung vom Namen des Waldes „Hambacher Forst“. Unter dem Hashtag #HambiBleibt verbreiten Aktivisten ihre Botschaften in den sozialen Netzwerken.

Was ist die Oaktown? Was ist die Beechtown?

Als „Oaktown“ und „Beechtown“ werden Verbünde von Baumhäuser und Baumhütten im Hambacher Forst bezeichnet.

„Oak“ ist der englische Ausdruck für „Eiche“. „Beech“ ist der englische Ausdruck für „Buche“. Demnach befindet sich die Oaktown auf Eichen und die Beechtown auf Buchen.

„Oaktown“ heißt auf deutsch: Eichenstadt.
„Beechtown“ heißt auf deutsch: „Buchenstadt.

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