Denkzettel, Denkzettelwahl: Bedeutung und Definition erklärt


In der deutschen Sprache ist die Phrase „jemanden einen Denkzettel verpassen“ oder „jemanden einen Denkzettel geben“ weit verbreitet.

Was ist mit „jemanden einen Denkzettel verpassen“ gemeint?

Mit der Phrase ist gemeint, dass jemand eine Warnung wegen oder einen Hinweis auf sein Fehlverhalten bekommen hat und dies ihn zum Nachdenken bzw. Überdenken seines Verhaltens bringen soll. Der Denkzettel dient hier als Strafe, Ermahnung, Rache und Revanche derjenigen, die mit der Arbeit oder Tätigkeit einer Person unzufrieden waren oder unter ihm leiden mussten. In der Politik werden wiederholt Denkzettel verteilt, so unter anderem bei einer Denkzettelwahl.

Der Denkzettel dient hierbei dazu, dass derjenige zwar seine Funktion behält, aber sein Handeln überdenkt. Der Denkzettel verweist die Person in ihre Schranken.

Statt „einen Denkzettel verpassen“ kann auch gesagt werden, dass jemand die Quittung für sein Verhalten bekommen hat.

Wortherkunft / Etymologie: Woher kommt der Ausdruck „Denkzettel“?

Der Ausdruck „Denkzettel“ stammt vom niederdeutschen „denksēddel“ (auch „denksedel) bzw. „denkcēdel“ (auch „denccedel“) ab. Als „Denksēddel“ wurden im Mittelalter Urkunden, Merkblätter und rechtliche Dokumente bezeichnet.

Martin Luther wählte den Ausdruck „Denkzettel“ als Übersetzung für das griechische Wort „Phylakterion“. Als „Phylakterion“ werden die jüdischen Gebetsriemen bezeichnet. Sie sind mit Gesetzessprüchen gefüllt und werden je nach Gebet entweder am Kopf oder Arm getragen. Luther übersetzte das Wort „Phylakterion“ als „Denkzettel“, damit deutlich wurde, dass diese Zettel sehr wichtig sind und nicht vergessen werden dürfen.

Im 16. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung des Ausdrucks „Denkzettel“ zu seiner heutigen Bedeutung. Schüler in Klosterschulen oder Lateinschulen, die wiederholt gegen die Regeln des Instituts verstießen, wurde ein Zettel – genannt „Schandzettel“ – um den Hals gehängt auf dem ihre Vergehen und Straftaten standen. Dies diente dazu, dass diese Schüler zum Gespött ihrer Mitschüler wurden und aus dieser Erfahrung heraus, die Regeln nicht mehr verletzten. Auch dienten diese „Denkzettel“ dazu, dass die Schüler stets an ihre Schandtaten erinnert wurden. Je nach Art des Vergehens mussten die Schüler die Denkzettel wenige Tage tragen. So entstand die heutige Bedeutung des Ausdrucks „Denkzettel“, nämlich als eine Strafe zur Erinnerung an die eigenen Fehler. (Dabei wurde auf physische Strafen verzichtet, so dass der Denkzettel als Warnung diente.)

Was ist eine Denkzettelwahl?

In der Politik werden Wahlergebnisse bei der die bisherigen Regierungsparteien abgewählt oder abgestraft werden, als Denkzettelwahl bezeichnet. Diese Wahlergebnisse sollen den Parteien und Politikern als Hinweis dienen, dass ihre bisherige Arbeit nicht so gut bei den Bürger ankam.

Die „Denkzettelwahl“ ist eine Strafe vom Wähler für die Politik einer Partei oder eines Politikers.

Die Bundestagswahl 2017 – bei dier AfD erstmalig in den Bundestag gewählt wurde und 12,6 Prozent der Stimmen erhielt – wird als Denkzettelwahl bezeichnet. Die Regierungsparteien Union und SPD verloren viele Wählerstimmen. Die Union verlor 8,6 Prozent der Stimmen und die SPD 5,2 Prozent der Stimmen.

Die Europawahl 2004 wurde auch als Denkzettelwahl bezeichnet. Medien erklärten, dass Wähler die Wahl nutzten, um ihrer Nationalregierung einen Denkzettel zuverpassen.

Seit 2004 steht der Ausdruck „Denkzettelwahl“ im Duden.

Denkzettelfälle

Als „Denkzettelfall“ wird im Strafrecht die „Außertatbestandliche Zielerreichung“ bezeichnet. Bei solch einem Fall scheitert ein Tötungsversuch oder die Person nimmt in Kauf, dass eine andere Person lebensgefährlich verletzt oder getötet wird. Dieses Verhalten wird später als „Denkzettel“ gerechtfertigt.

2010 entschied das BGH einen Fall, bei dem eine lebengefährliche Verletzung als „Denkzettel“ bezeichnet wurde. Die Richter stellten fest, dass der Täter mit Vorsatz handelte und sich strafbar gemacht hatte.

Weitere Bedeutung von Denkzettel

Das „Kabarett Denkzettel“ war eine aus Magdeburg stammende Kabarettgruppe, die zwischen 2005 und 2009 aktiv war. 2005 wurde das Kabarett Denkzettel offiziell gegründet und 2009 wurde seine Auflösung bekannt gegeben.

Heute wird der Ausdruck „Denkzettel“ auch in dem Sinne gebraucht, dass als „Denkzettel“ Dokumente bezeichnet werden, die zum Denken anregen. Dies können Techniken, grafisch aufbereitete Regeln oder Abläufe sein.

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