Das Ende der Zeitalter der Traditionen? Erklärung

Das Ende der Zeitalter der Traditionen, Erklärung


Was verbindet man mit einer Tradition? Rezepte, Bräuche, Feste, Mundart oder Verhaltensweisen? So ziemlich jeder hat ein eigenes Bild vom Begriff der Tradition. Was dabei auffällt, ist der Umstand, dass eine Tradition immer an zwei Dinge gebunden ist: an einen bestimmten Ort oder eine Region und an eine bestimmte Zeit. Viele Traditionen sind aus der Not entstanden oder einfach aufgrund der geografischen, sozialen, kulturellen und religiösen Eigenschaften einer Region.

Das Ende der Zeitalter der Traditionen? Erklärung

Lange Zeit war es so, dass der Begriff der Tradition negativ belastet war und möglichst verdrängt werden sollte. Traditionen standen für eine Art der Nostalgie, die nicht mehr gewünscht war und die dem Fortschritt entgegenstand. Heute sieht das vollkommen anders aus, denn mittlerweile haben auch die größten Kritiker verstanden, dass mit dem Wegfall der Traditionen auch die eigene Identität verloren geht.

Nun stellt vielleicht der ein oder andere die Frage, wieso man sich an neue Traditionen hält? Das ist leichter gesagt als getan, denn Traditionen lassen sich nicht einfach so erschaffen. Sie müssen in das kollektive Gedächtnis eingebettet sein und brauchen eine Daseinsberechtigung. Außerdem haben sich viele Elemente des täglichen Lebens bereits ins Digitale verschoben. Dort ist es bislang noch nicht gelungen, etwas Derartiges wie eine Tradition zu begründen.

Fraglich ist nun, ob das gelingen wird, wenn sich noch mehr der Dinge, die das Leben definieren, in das Internet verlagern. Schon jetzt findet der Interessenaustausch in Foren statt und Kontakt zu den Freunden hält man in der Regel hauptsächlich über Chats oder indem man sich witzige Bilder, sogenannte Memes, ein wahres Kulturphänomen zusendet.

Doch es wäre naiv, den Nutzen des Internets für Privatnutzer auf das Vergnügen und die Kommunikation zu beschränken. Ein Thema, das nämlich mehr und mehr in den Vordergrund rückt, sind die Finanzen. Wer sich genauer in die Themen einliest, die heutige technikaffine Anleger beschäftigen, so stößt man auf Fragen wie: Was ist Bitcoin Circuit oder wie funktioniert die Blockchain? Immer mehr Nutzer beschäftigten sich mit Anlagemöglichkeiten im Internet, sodass von einer Subkultur im digitalen Raum gesprochen werden kann. Immer jüngere Menschen stellen sich die Frage, wie sie das Internet für sich Arbeiten lassen können, um daraus Profit zu schlagen. Entstehen hierbei Traditionen einer neuen Art, die sich noch nicht als solche einteilen und bezeichnen lassen, weil bislang die entsprechenden Kategorien fehlen?

Digitale Subkulturen als ein Phänomen eines neuen Zeitalters?

Begutachtet man die neuesten Einträge in etymologischen Datenbanken, die sich der Archivierung und Kategorisierung von Wörtern widmen, so lässt sich schnell feststellen, dass die Sprache ein gutes Abbild des Wandels in einer Gesellschaft abgibt. Die Dinge, die einen Großteil der Gesellschaft beschäftigen, gehen in den Sprachgebrauch ein und damit ist es auch mehr als wahrscheinlich, dass sich diese Elemente auch in neuen Traditionen niederschlagen. Das Ende der klassischen Traditionen kann damit noch nicht vorausgesagt werden, da bislang noch nicht feststeht, wie sich Traditionen in Zukunft definieren lassen. Erst, wenn es hier eine klare Begrifflichkeit gibt, kann dieses Thema wieder angesprochen werden. Bislang darf man feststellen, dass viele alte Traditionen verkommen oder verschwinden und es ganz danach aussieht, als würden die neuen Anwärter derart anders sein, dass sie sich in ihrem Erscheinungsbild nicht in die derzeitige Begrifflichkeit einreihen lassen.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

Hallo, ich bin Autor und Macher von BedeutungOnline. Bei BedeutungOnline dreht sich alles um Worte und Sprache. Denn wie wir sprechen und worüber wir sprechen, formt wie wir die Welt sehen und was uns wichtig ist. Das darzustellen, begeistert mich und deswegen schreibe ich für dich Beiträge über ausgewählte Worte, die in der deutschen Sprache gesprochen werden. Seit 2004 arbeite ich als Journalist. Ich habe Psychologie und Philosophie mit Schwerpunkt Sprache und Bedeutung studiert. Ich arbeite fast täglich an BedeutungOnline und erstelle laufend für dich neue Beiträge.


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