Was ist „Swatting“? Was bedeutet „geswattet“?

Beim „Swatting“ wird der Polizei absichtlich ein Fehlalarm gemeldet oder ein Notfall vorgetäuscht. Der Täter teilt der Polizei absichtlich die Adresse einer anderen Person – die also Opfer werden soll – mit. Der Polizei wird bewusst falsche Angaben über die Art des Notfalls mitgeteilt. Unter anderem wird der Polizei vorgelogen, dass es eine Bombendrohung, einen Mord, eine Geiselnahme, Morddrohungen, Suizidabsichten oder ähnliches gab. Dies hat das Ziel, dass die Polizei mit größerem und stärkerem Aufgebot auf den Fehlalarm reagiert – und eventuell sogar mit Spezialkräften anrückt.

Ziel dieser Aktion ist es, dass Opfer einzuschüchtern und zuerschrecken. Folgt die Polizei dem Fehlalarm so muss damit gerechnet werden, dass eine Wohnung oder ein Haus von der Polizei gestürmt wird.

Unter „Swatting“ leiden Prominente, Live-Streamer und andere. Die Zuschauer des Live-Streams ergötzen sich an der Situation und Reaktion des Opfers.

Sollte jemand Opfer des Swattings werden, so wird auch davon geredet, dass er oder sie „geswattet“ wurde.

Der Name „Swatting“ leitet sich vom Namen für die US-amerikanische Spezialeinheit SWAT (Special Weapons and Tactics) ab. Die Spezialkräfte öffnen Türen teils mit Gewalt. Sie sind mit automatischen Gewehren ausgerüstet und im Nahkampf ausgebildet.

Swatting ist gefährlich, da dies zu Verletzungen und Tod führen kann. Die Beamten wissen nicht, dass dies ein Fehlalarm ist und gehen von einer echten Gefahrenlage aus. Außerdem ist Swatting eine Verschwendung der Arbeitszeit der Polizei und von Steuergeldern. Es hält Beamte auch davon ab, bei wahren Notfällen zu helfen.

Rechtliche Situation

„Swatting“ wird in Deutschland bestraft, da es als Missbrauch von Notrufen gilt und zur Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln gemäß §145 StGB führt.

In den USA müssen Swatter teils die vollen Kosten für den Fehlalarm tragen. Dies können unter anderem in Kalifornien bis zu 10.000 US-Dollar sein.

In Kanada und den USA werden Swatter für das Verbreiten von falschen Informationen verurteilt.

Opfer

2006 löste der US-Amerikaner Matthew Weigman den Einsatz einer Spezialeinheit aus. 2009 wurde er daraufhin zu einer Haftstrafe von 11 Jahren und 4 Monaten verurteilt. (Erschwerend kam hinzu, dass er mit anderen einen Sicherheitsbeamten bedrohte.)

2012 wurde Ashton Kutcher Opfer von Swatting. Ein Zwölfjähriger fälschte  einen Notruf aus der Kutcher-Villa. Vor Ort waren nur Handwerker. Außerdem wurden auch Justin Bieber und eine Bank Opfer vom Swatting des gleichen Täter. Mit seinen falschen Telefonanrufen verursachte der Junge Kosten in Höhe von einer halben Million Dollar.

2013 wurden Chris Brown, Clint Eastwood, Khloé Kardashian, Iggy Azalea, Jason Derulo, Justin Timberlake, Miley Cyrus, P. Diddy, Paris Hilton, Rihanna, Ryan Seacrest, Selena Gomez, Snoop Dogg und Tom Cruise Swatting-Opfer.

2015 wurde der YouTuber „Drachenlord“ Opfer von Swatting. Die Täter lösten einen Feuerwehreinsatz zu seinem Haus aus. Sie teilten der Feuerwehr mit, dass es dort einen Brand gäbe. Als die Feuerwehr eintrifft, ist „Drachenlord“ gerade in einem Live-Stream. Seine Zuschauer und auch die Täter können somit seine wütende Reaktionen live erleben.
2016 wurde der Täter zu 3 Jahren und 5 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Er wurde wegen „Missbrauch von Notrufen“ und „Bedrohung und Störung des öffentlichen Friedens“ verurteilt. Während der Verhandlung kam heraus, dass der Täter für insgesamt 4 falsche Anrufe verantwortlich sei.

2016 wurde ein PokemonGo-Spieler Opfer des Swattings. Während er PokemonGo spielte und dies live übertrug, wurde die Polizei gerufen. Den Beamten wurde mitgeteilt, dass sich ein Verdächtiger mit einer AK47 im Park aufhalte, er Bomben platziert habe und Polizisten töten wolle. In den Kommentarspalten wurde daraufhin hingewiesen, dass die Zuschauer weiter zuschauen sollen, da gleich etwas passiere. Auch der PokemonGo-Spieler las diese Kommentare und ahnte was passieren wird. Dies führte dazu, dass er ruhig blieb und den ankommen Beamten die Situation erklärte.

2018 wurde ein Zwölfjähriger Gamer Opfer vom Swatting. Die Täter teilten der Polizei mit, dass der Junge und seine Mutter vorhätten sich zu erhängen. Daraufhin stürmte die Polizei das Haus, in dem sich der Junge und seine Mutter aufhielten.

Geschichte

Anrufe in denen Fehlalarme mitgeteilt werden, gibt es seit den 1970er Jahren in den USA. Dort wurden z.B. falsche Bombendrohnungen per Telefon getätigt. Ziel dieser Taten war das Hervorrufen von Massenpaniken, die Störung der öffentlichen Sicherheit, aber auch das Verschieben einer Abschlussarbeit.

„Swatter“ versuchen ihre Identität und Rufnummer durch verschiedene Techniken zu verschleiern. Es werden falsche Telefonnummer verwendet, Techniken wie „Call ID Spoofing“, Telefone für Blinde oder öffentliche Telefonzellen.

In Deutschland verbreitet sich das Phänomen „Swatting“ seit 2013.

Der Ausdruck „Swatting“ wird seit 2008 vom FBI verwendet und steht seit 2015 im Oxford Dictionaries online.

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