Was ist “sad Tiktok”? Bedeutung, Erklärung, Definition


Als „sad TikTok“ bezeichnet man ein Subgenre von Videos auf TikTok, die sich hauptsächlich mit traurigen oder düsteren Themen wie zum Beispiel Depressionen, Essstörungen, Tod, Suizid oder Selbstverletzung beschäftigen.

Was ist “sad Tiktok”? Bedeutung, Erklärung, Definition

Kritikerinnen und Kritiker von „sad TikTok“ bemängeln, dass es durch den von TikTok verwendeten Algorithmus dazu kommt, dass Personen, die einmal nach Begriffen aus dem „sad TikTok“ Genre suchen, immer wieder und vor allem immer mehr Inhalte dieser Art angezeigt bekommen. Dies kann eine bestehende Depression, Essstörung oder andere belastende emotionale Zustände verstärken und fördern. Ein weiteres Problem dieser Art von Videos ist, dass sich dort gehäuft betroffene Personen über den Weg laufen, die im schlimmsten Fall schädliches Verhalten glorifizieren könnten und so die eigene Erkrankung noch verschlimmern könnten.

Was genau findet sich auf „sad TikTok“?

Auf „sad TikTok“ finden sich von sogenannten „pro-ana“ und „pro-mia“ Inhalten bis hin zu Videos, in denen Jugendliche selbst verursachte Narben oder Verletzungen fast schon stolz präsentieren, fast alles. „Pro-ana“ und „pro-mia“ nennt man Inhalte oder Personen, die Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie romantisieren und sich gegenseitig anstacheln und anfeuern, einander Tipps geben, wie man noch mehr abnehmen oder problematische Verhaltensweisen geheim halten kann. Genau dieses Verhalten passiert in vielen Fällen auch in den Kommentarspalten von „sad TikTok“ Videos. Vor allem Jugendliche tauschen sich hier darüber aus, wie man am besten blutige Taschentücher vor den Eltern versteckt und ungesehen entsorgt, welche Techniken zum Abnehmen oder Übergeben besonders gut funktionieren oder am einfachsten zu verbergen sind, oder sprechen sogar über suizidale Absichten, Pläne oder Fantasien.

Auch wenn es einerseits psychisch kranken Menschen helfen kann, zu wissen, dass sie mit ihrem Leiden nicht allein sind, ist es dabei enorm wichtig, dass es sich nicht um krankheitspositive Gespräche handelt. Das ist vor allem beim Thema Suizidalität höchst relevant. Hier kann es durchaus helfen, wenn Betroffene wissen, dass andere Menschen auch suizidale Phasen erlebt haben, diese aber mit oder ohne Hilfe überwunden haben. Es ist jedoch höchst problematisch, wenn Suizidversuche im Detail beschrieben oder gar romantisiert werden. Dies erhöht das Nachahmungsrisiko stark und kann daher fatale Folgen haben. Denn speziell Personen, die sich gerade selbst in einem psychisch labilen Zustand befinden, könnten von solchen Inhalten auf „sad TikTok“ getriggert werden. Als Trigger bezeichnet man einen Auslöser, durch den unwillkürlich starke Gefühle oder Erinnerungen hervorgerufen werden können.

Ist „sad TikTok“ ein neues Phänomen?

Bereits vor Social Media Formaten wie TikTok oder Instagram, gab es ähnliche Orte im Internet, in denen sich Jugendliche, die unter psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Essstörungen litten, zu diesen Themen ausgetauscht und einander mehr oder weniger konstruktiv unterstützt haben. Gerade die „pro-ana“-Bewegung war in den 2000er und 2010er Jahren in speziell dafür eingerichteten Foren und auf Seiten wie mySpace sehr populär.

Reagiert TikTok auf das Problem?

Im Dezember 2021 hat TikTok angekündigt, den Feed für Nutzerinnen und Nutzer abwechslungsreicher zu gestalten, speziell was negative Inhalte anbelangt. Auch in den Nutzungsbedingungen sowie in den Community Guidelines der Plattform, wird es Nutzerinnen und Nutzern untersagt, Inhalte zu veröffentlichen, „in denen Suizid oder Selbstverletzung beworben, gefördert, als normal verharmlost oder verherrlicht werden“. Dennoch finden sich weiterhin genau diese Inhalte auf „sad TikTok“. Laut eigenen Angaben hat TikTok bereits über 85 Millionen Videos weltweit mit dieser Art von Inhalt entfernt, was jedoch nicht ausreichend scheint.

Sowohl in den USA als auch in Europa werden gerade Studien durchgeführt, die den Einfluss von Social Media Plattformen wie TikTok auf die mentale Gesundheit von Jugendlichen untersuchen. Außerdem sind einige Gesetze in Planung, die verstärkt die psychische Gesundheit von Jugendlichen schützen wollen, indem bestimmte Inhalte auf Plattformen wie TikTok stärker verfolgt und gelöscht werden.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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