Was ist Krüppelware / Crippleware? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Krüppelware, Crippleware, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der englische Begriff „crippleware“ wurde im Deutschen ein bisschen unpassend zu „Krüppelware“ umgewandelt. Die deutsche Übersetzung verleitet dazu, sich etwas vorzustellen, das beschädigt oder kaputt ist.

Was ist Krüppelware / Crippleware? Bedeutung, Definition, Erklärung

Im Englischen bedeutet „crippled“ nicht nur „verkrüppelt“ oder „kaputt“, sondern auch „gelähmt“ oder „blockiert“. Gerade in der Wirtschaft wird der Begriff häufig in diesem gemäßigten Zusammenhang verwendet. Wir würden jedoch niemals von einem verkrüppelten Wirtschaftszweig oder einem krüppeligen Distributionsweg sprechen.

Aufgrund dieses kleinen feinen Verständnisfehlers nutzt man in Deutschland vorzugsweise das Original-Wort Crippleware.

Die erste Crippleware waren Fotoapparate

Erfunden haben die Vorgehensweise Hersteller hochwertiger Fotoapparate. Die verkauften Hochleistungsmodelle mit gedrosseltem Bildchip und Funktionen. Erstmals blockierte eine Software die zusätzlichen Möglichkeiten.

Tatsächlich zahlte sich die Idee aus. Selbst Menschen mit kleinerem Budget konnten sich die Hightech Apparate so leisten. Brauchten sie weitere Funktionen, konnten sie schrittweise oder im Paket dazu gekauft werden.

Bedeutung: Besonders beliebt ist Crippleware im Softwarebereich

Die Methode eignete sich hervorragend für Software aller Art. Um Käufer anzuwerben, boten Hersteller eigentlich teure Programme mit eingeschränkter Funktion zum günstigeren Preis an.

Ein Crippleware-Bildbearbeitungsprogramm kann beispielsweise für den halben Preis erworben werden. Der Hersteller installiert Blockade-Software und drosselt den Umfang der Anwendung.

Für den Käufer könnte das so aussehen, dass die Basisfunktionen freigeschaltet sind. Er kann Bilder aufrufen, zuschneiden, mit Rahmen versehen, Farbeinstellungen vornehmen und abspeichern. Wem das genug ist, der hat ein Schnäppchen gemacht.

Wer aufwändigere Arbeiten erledigen, Effekte hinzufügen oder spezielle Tools anwenden möchte, fände diese bei der Crippleware theoretisch vor. Die Cripple-Software verhindert jedoch deren Nutzung.

Gegen Zahlung eines Aufpreises kann der Kunde für seine eingeschränkte Software den vollen Funktionsumfang bekommen.

Krüppelware Autos – bei Tesla ist das möglich

Der US-amerikanische Hersteller von Elektroautos hat die Idee der Crippleware prompt für seine Automobile übernommen. Die modernen Wagen funktionieren weitestgehend von Software gesteuert.

Die eingeschränkten Modelle sind in der Batterieleistung, Reichweite oder Extras (wie Sitzheizungen, Navigation, spezielle Fahrermodi) eingeschränkt. Der Kunde bekommt also ein Auto mit maximalem Leistungsumfang, der jedoch über eine Software blockiert wird.

Die Autobauer hoffen natürlich, dass die Käufer diese Extras im Laufe der Zeit noch freischalten lassen.

Der verbaute Mehraufwand ist für Tesla nicht entscheidend. Tatsächlich ist es sogar einfacher die Wagen in Standard-Serie fertigen zu lassen. Würden verschiedene Arten von Batterien verbaut werden, müsste der Konzern diese herstellen lassen und lagern. Außerdem müssten Fertigungsstraßen und Abläufe zum Einbau anderer Batterien umprogrammiert werden.
Die Aufwände, verschiedene Typen von Batterien einzukaufen, herzustellen, zu lager und zu verwalten, kann größer sein, als ein Standardmodell einzubauen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Fahrer sich die Extraleistung im Laufe der Zeit freischalten lassen ist recht groß. Bisher geht das Konzept bei Tesla im Großen und Ganzen auf.

Auch der deutsche Autobauer Audi denkt derzeit über die Produktion von Crippleware-Fahrzeugen nach.

Crippleware: Abgrenzung zur B-Ware

Als B-Waren bezeichnet man Artikel, die kleinere Schäden oder Funktionsstörungen aufweisen. Im Grunde sind die Artikel jedoch „normal“ leistungsfähig.

Bei Kleidung können Knöpfe oder Etiketten fehlen. Elektrogeräte mit kleinen Schäden am Gehäuse zählen ebenfalls zur B-Ware. Bei Autos wären Modelle mit minimalen Konstruktions- oder Lackfehlern B-Ware.

B-Ware hat also immer eine kleine Beschädigung, die in der Regel auch nicht rückgängig zu machen ist. Sie ist voll funktionsfähig, hat lediglich kleine Schönheitsfehler.

Crippleware dagegen hat in der Regel keinerlei Beschädigungen. Die Leistung ist nur absichtlich eingeschränkt worden.

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