Was ist die Ferber Methode / Ferbern? Erklärung, Kritik

Was ist die Ferber Methode, Ferbern, Erklärung, Kritik


Die Methode von Richard Ferber, auch bekannt als Ferbern, gibt es seit mehr als dreißig Jahren und kann als Schlaf- respektive Verhaltenstraining dabei unterstützen, dass Kinder und Babys alleine Einschlafen, seltener erwachen, Durchschlafen und sich beim Erwachen während der Nacht selbst zu beruhigen. Die Ferber-Methode ist auch umstritten.

Ursprung der Ferber-Methode

Die Methode für das Schlaftraining stammt vom amerikanischen Kinderarzt und Neurologen Richard Alen Ferber, Leiter des Center for Pediatric Sleep Disorders (Zentrum für Schlafstörungen) im Kinderkrankenhaus in Boston und Professor an der Harvard Universität. Sein Buch Solve your Child’s Sleep Problems , zu Deutsch – Lösen Sie die Schlafprobleme ihres Kindes – ist 1985 veröffentlicht worden und hat viele Eltern weltweit erreicht. Die deutsche Fassung findet sich unter dem Titel Schlaf, Kindlein Schlaf – Schlafprobleme bei Kindern Dem Kinderarzt ist es wichtig, dass die Eltern die Schlafsituation der Kinder und Babys genau betrachten.

Bei welchen Verhaltensmustern die Ferber Methode geeignet ist

Ursprünglich hatte der Arzt seine Methode als eine Art Notfallprogramm entwickelt. Deshalb ist die Methode an Eltern gerichtet, deren Kinder und Babys ein größeres Problem haben, alleine einzuschlafen oder sich in der Nacht zu beruhigen. Gleichzeitig ist die Methode hilfreich für die Eltern, welche durch Dauerweinen des Kindes stark belastet werden.
Die Ferber Methode ist nicht als Training zum Einschlafen für jedermann gedacht, sondern als gezielte Behandlung bei existierenden Schlafproblemen.

Ziel der Ferber-Methode

Die Basis der Ferber-Methode ist die Annahme, dass Kinder und Babys alleine einschlafen und, wenn sie nachts aufwachen, in der Lage sind, sich selbst zu beruhigen. Das heißt, es soll möglich sein, wenn sie alleine im Bett liegen, aufgeregtes Weinen abzutrainieren.

Im Fokus des Verhaltenstrainings steht, das Kind wach aber müde ins Bett zu bringen, falls es weint, später beruhigen sowie begleiten und nicht alleine lassen, jedoch ohne, dass es aus dem Bett herausgenommen wird.

Alter und Zeitfenster für das Verhaltenstraining von Ferber

Alter: Ab welchem Alter?

Grundsätzlich eignet sich die Methode nur für Kinder und Babys, welche in der Nacht nicht mehr gestillt werden. Schlafforscher empfehlen, unabhängig davon, die Trainingsmethoden frühestens ab Beendigung des sechsten Lebensmonats zu praktizieren. Kinder haben ab diesem Alter bereits die Objektpermanenz, das heißt, dass sie verstehen können, dass die Eltern auch dann existieren, wenn sie im Moment nicht präsent sind.

Zeitfenster

Richard Ferber empfiehlt ein Zeitfenster von vier Wochen, in denen es den meisten Kindern und Babys möglich sein sollte, Ein- und Durchschlafen zu erlernen. Laut Ratgeber für die Ferber-Methode, soll das Kind oder Baby nach zwei bis vier Wochen gelernt haben, sich schneller zu beruhigen, wenn die Ratschläge konsequent befolgt werden und damit die Probleme zum Thema Schlafen kein Problem mehr sein sollten. Bestehen diese weiterhin, empfiehlt sich eine medizinische Abklärung.

Umsetzung der Ferber Methode

Das Kind lernt mit einem Ritual vor dem Einschlafen, zum Beispiel mit kuscheln, vorsingen oder vorlesen, dass der Tag zu Ende geht und die Zeit gekommen ist, zu schlafen. Ab dann sollte die Umgebung des Kindes oder Babys ruhig werden und bleiben. Die Eltern verlassen den Raum, nachdem die Kinder und Babys noch wach im Bett sind. Die Eltern kehren zurück, wenn das Kind oder Baby zu weinen beginnt, um es, ohne aus dem Bett zu nehmen, mit Worten zu beruhigen. Damit das Kind oder Baby den Rhythmus findet, ist es wichtig, die Zeiten beizubehalten.

Zeithorizont bis zur Beruhigung

Die Eltern kehren nach einer im Vorfeld definierten Zeit ins Zimmer zurück, wenn das Kind weint. Manchmal ist es notwendig, das Kind einige Zeit weinen zu lassen. Wenn jedoch die vordefinierte Zeit zu Ende ist, kehren die Eltern zurück, um die Kinder zu beruhigen. Dabei ist es wichtig, das Kind oder Baby im Bett zu lassen und durch Streicheln zu beruhigen.

Die vordefinierten Zeitabstände für das Zurückkehren werden jeden Tag länger, sodass die Kinder und Babys nach einer gewissen Zeit lernen, wenn sie nachts aufwachen, sich alleine zu beruhigen und wieder einzuschlafen.

Weitere Schlaflernprogramme basieren und orientieren sich an der Methode von Richard Ferber. Zum Teil sind die Zeitabstände dabei, in welchem das weinende Kind oder Baby alleine gelassen wird, wesentlich kürzer.

Ferbern: Routine ist wichtig

Kinder und Babys schätzen die Routine. Der immer gleiche Ablauf strukturiert den Alltag und vermittelt Sicherheit. Ein fester Tagesablauf ist die beste Voraussetzung für eine erholsame und ruhige Nacht. Durch die Routine entwickeln Kinder und Babys einen festen Rhythmus. Hilfreich, wenn das Kind nachts aufwacht, kann das Einschalten von einem schwachen Licht sein, welches es im Vorfeld kennengelernt hat und signalisiert, dass es immer noch Zeit zum Schlafen ist.

Körpersprache erkennen

An der Körpersprache des Kindes kann die aufkommende Müdigkeit erkannt werden, wenn es sich die Augen reibt oder zu gähnen beginnt. Wird das Kind zu spät ins Bett gebracht, hindert möglicherweise die Übermüdung am Einschlafen.


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Warum die Methode von Ferber umstritten ist

Gegner der Methode sehen für das Kind psychische Folgeschäden, wenn es zu Beginn so lange weint, bis ein Elternteil erscheint. Nach Ansicht der Gegner würde das Kind lernen, solange zu weinen, dass es sich im Notfall nicht auf die Eltern verlassen kann, was ein fatales Signal bezüglich der Entwicklung des emotionalen Bandes zwischen Baby sowie Kleinkind und Eltern (Bonding) sei.

Vielfach sind es die Eltern und nicht die Kinder oder Babys, welche mit der Ferber-Methode Probleme haben. Es fällt ihnen schwer, nicht sofort in das Zimmer zu gehen und das Kind zu trösten, wenn es weint. Das Schlaftraining verlangt am Anfang, insbesondere von den Eltern, einiges. Des Weiteren nehmen Kritiker an, dass die Methode die Kinder und Babys stark unter Stress bringt, langfristig schaden würde und nicht nur den Eltern einiges an Überwindung abverlangt.
Die Begründung der Annahme liegt darin, dass die Methode in Bezug auf die Eltern eine Erschütterung des Vertrauens auslösen könnte. Zudem wird von den Kritikern angenommen, dass Kleinkinder und Babys, wenn das Weinen für kurze Zeit von den Eltern ignoriert wird, Todesangst verspüren.

Studien

Es gibt keine Studien, welche schädliche Auswirkungen von der Ferber-Methode belegen. Jedoch bestätigen diverses Untersuchungen positive Auswirkungen des Schlaftrainings von Ferber auf das Verhalten beim Ein- und Durchschlafen sowie der Beruhigung. Zudem hat eine Untersuchung in Australien im Jahr 2016 ergeben, dass im Blut von Babys, welche mit der Ferber-Methode gelernt haben zu schlafen, keine erhöhte Konzentration von Stresshormonen nachgewiesen werden konnte.

Wissenswert

Bei der Schafmethode mit Ferber geht es nicht darum, die Kinder und Babys während dem Einschlafen ohne Anwesenheit und Beruhigung sich selbst zu überlassen, sondern darum zu signalisieren, dass die Eltern präsent sind.

Das Verhaltenstraining wird oft mit dem bewussten weinen lassen von kleinen Kindern und Babys verwechselt und deshalb kritisiert. Im Jahr 2011 hat Richard Ferber in einem Interview seinen Unmut über diese Meinung bezeugt.

Die Örtlichkeiten zwischen Spielen und Schlafen sollten getrennt sein.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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