Warum heißt Venedig auch „La Serenissima“? Bedeutung, Erklärung

Warum heißt Venedig auch La Serenissima, Bedeutung, Erklärung


Überlieferungen zufolge wurde Venedig im Jahr 421 gegründet. Gründer waren Hunnen und Ostgoten, die vor dem Ansturm der Barbaren gegen das Römische Reich an die Lagune flüchteten und sich auf den sumpfigen Inseln niederließen. Stets waren die Siedler bemüht, den Wasserstand zu stabilisieren – nach dem sie dazu die schwierigsten Hürden bewältigt hatten, kamen die Bewohner der Stadt allmählich zu Wohlstand, der einerseits ihre politische Macht stärkte und die Entwicklung von Architektur und Kunst vorantrieb.

Warum heißt Venedig auch „La Serenissima“? Bedeutung, Erklärung

Anfangs waren die Siedlungen noch rivus altus, der tiefe Kanal genannt worden. Das war eindeutig eine Reminiszenz an die örtlichen Gegebenheiten und eine Würdigung der Arbeit der ersten Siedler. Um die Frühzeit Venedigs ranken sich dann viele Legenden, die sich die Chronisten später ausdachten, um die Stadt Venedig zu verherrlichen, selbst der Gründungstag 5. März 421 oder auch die erste Dogenwahl im Jahr 697 gehören ebenso zu diesen Legenden wie ein vermeidlicher Sieg über die Franken anlässlich der Belagerung der Lagune 810. Zum wichtigsten Mythos wurde der abenteuerliche Raub der Gebeine des Evangelisten Markus in Ägypten im Jahr 828. Das führte dazu, das Markus seitdem als Schutzpatron und Identifikationsfigur für die Venezianer gilt.
Die Legenden unterstützten das wirtschaftliche Erstarken Venedigs seit der Abkehr von Byzanz über die ersten gewählten Dogen bis zur Blütezeit der Stadt als machtvolle Seerepublik, in der sie ihren Namen La Serenissima erhielt.

Bedeutung: La Serenissima – die Durchlauchtigste

Mit dem 10. Jahrhundert begann der Aufstieg Venedigs zur wichtigsten Handelsmetropole im Mittelmeerraum. Als „Königin der Adria“ wurde die Stadt Brücke zwischen West und Ost. Der Handel mit Luxuswaren, Weizen, Salz und Gewürzen machte die Venezianer reich und mächtig. Prächtige Palazzi, riesige Kirchenbauten und imposante öffentliche Gebäude, Bürger mit herrlichen Gewändern und kostbarem Schmuck versetzten das Ausland in Staunen.

Lange Zeit funktionierte auch der politische Apparat Venedigs hervorragend: Der Doge, verschiedene Räte, Kleriker und Beamte hatten genau geregelte Befugnisse und Funktionen. Wohlstand und verteilte Machtbefugnisse führten zur Blüte Venedigs – La Serenissima machte ihrem Namen alle Ehre.

Die starke Republik schwächte ihren historischen Erzrivalen Genua, eroberte Verona und konnte bedeutende Niederlassungen auf der terra firma, auf dem Festland etablieren.

Venedig, die Macht am Schwarzen Meer

Glanz und Reichtum Venedigs basierten auf dem Erfolg als See- und Handelsmacht. La Serenissima hatte mit ihren Kreuzrittern Konstantinopel besiegt. Venedig hatte viele bedeutende Kunstschätze erbeutet und die Vorherrschaft über die wichtigen Handelsrouten, über Inseln und Hafenstädte am Schwarzen Meer erlangt. Die Venezianer hatten sich die Kontrolle über die Landwege nach Russland und China gesichert – La Serenissima erlebte die Blütezeit.

Allerdings erkannte Venedig nicht die allzu drohenden Gefahren, die von den Osmanen am Schwarzen Meer und in Kleinasien ausgingen.

Venedig: Der Niedergang von La Serenissima

Denn die Türken eroberten im Jahr 1453 Konstantinopel und blockierten so die östlichen Handelswege. Vasco da Gama umrundete 1487 das Kap der Guten Hoffnung und öffnete den Seeweg nach Indien. Die Venezianer waren schon längst nicht mehr an Bedrohungen von außen gewöhnt und verkannten den Ernst ihrer Situation. So begann im 16. Jahrhundert der Niedergang Venedigs. Man sagt, La Serenissima feierte sich zu Tode, während Seefahrer zu neuen Ufern aufbrachen und die Türken ihre Macht ausweiteten.

Mit Beginn des 18. Jahrhunderts waren Venedigs Staatsschatullen leer und das Meer drohte La Serenissima zu verschlingen. Der letzte Doge musste 1797 abdanken, die Republik löste sich auf und nacheinander marschierten Franzosen und Österreicher ein. La Serenissima wurde im Jahr 1866 in Italien eingegliedert.

La Serenissima – ein Synonym für Schönheit und Reichtum

Giacomo Casanova, Lord Byron, Giovanni Battista Tiepolo, Richard Wagner, Robert Browning, Carlo Goldini – Venedig hat Generationen von Musikern, Schriftstellern und Malern, von Künstlern jeder Couleur inspiriert. Venedig ist weitaus mehr als eine Stadt, nämlich La Serenissima: ein Synonym für Schönheit und Reichtum.

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