Warum haben Pferde Hufeisen? Erklärung

Warum haben Pferde Hufeisen, Erklärung


Pferdehufe sind nicht so hart, wie sie aussehen. Wer noch nie einen Huf aus der Nähe gesehen hat, denkt gerne, es handele sich um ein einziges festes Stück Horn.

Warum haben Pferde Hufeisen? Erklärung

Wer den Huf anhebt, sieht allerdings, dass die Sohlen von einem weichen Gebilde unterbrochen sind. Der so genannte Strahl geht am hinteren Ende des Hufes (den Ballen) los und zieht sich V-förmig bis über etwa 2/3 der Hufsohle.

Die Größen- und Längenverhältnisse können bei Pferden unterschiedlicher Rassen verschieden sein.

Der Strahl ist weich. Streng genommen ist er zwar unbelebt, doch er ist ein wichtiger Teil der lebendigen Hufmechanik. Der Druck, den er erfährt, wenn das Pferd den Huf auf den Boden setzt, ist sehr wichtig. Durch ihn wird die Durchblutung im Inneren des Hufes angeregt.

Doch nicht nur der Strahl ist sensibel, auch die restliche Sohle des Pferdehufes kann es sein. Die Dicke der Sohle ist bei Pferden verschieden. Manche Pferde haben Plattfüße (sind empfindlicher) und andere haben eine Wölbung der Sohle nach oben. Setzen sie ihre Hufe auf den Boden, drücken Steinchen oder harte Untergründe weniger fest gegen die Sohle.

Ein Huf ist auch nicht zu einhundert Prozent statisch. Ein durchschnittliches deutsches Warmblutpferd wiegt zwischen 500 und 700 Kilogramm. Setzt es den Huf auf, dehnt sich dieser unter der Last des Gewichtes. Das ist zwar nur etwa ein Millimeter, für den Huf ist dieser Puffereffekt dennoch bedeutend.

Im Inneren des Pferdehufes befinden sich mehrere Schichten aus Horn, Blutbahnen, Nervenzellen und das Hufbein. Das ist der unterste Bein-Knochen des Pferdeskeletts.

Pferde, Hufeisen und Pferdeschuhe: Hufhorn wächst ständig nach

Die äußere Kapsel des Hufes besteht aus festem Horn. Das ist der Teil, den Menschen von der Ferne aus sehen. Das Horn wächst vom oberen Rand ständig nach.

Hufhorn ist zwar hart, dennoch nicht unverwüstlich. Es wird durch den Kontakt mit dem Untergrund ganz langsam abgerieben. Laufen Pferde häufig auf Asphalt, Stein oder sandigen Untergründen wirkt diese wie Schmirgelpapier.

Nachwachsendes Horn und Abrieb müssen bei Pferden ohne Hufeisen eine ständige Balance bilden. Leider ist das nicht immer der Fall.

Bei manchen Pferden wachsen die Hufe zu schnell. Das passiert bei solchen Tieren, die nur herumstehen und auf sehr weichen Böden gehalten werden.

Bei Pferden, die viel geritten werden, ist der Horn-Abrieb oft mehr, als nachwächst.

Aus diesem Grunde und der Druckempfindlichkeit von Sohle und Strahl tragen Pferde Hufeisen.

Das Hufeisen schützt den empfindlichen Huf

In früheren Zeiten mussten Pferde unglaubliche Leistungen erbringen. Sie waren Lastenträger, Kriegspferde, Kutschpferde, Kurierpferde und natürlich Fortbewegungsmittel einzelner Menschen.

Manche Pferde mussten mehrere Kilometer täglich über Stock und Stein zurücklegen.

Die Anforderungen an den Pferdehuf waren so groß, dass er dies natürlich nicht bewältigen konnte. Schon in der Antike (ab 800 vor Chr.) kannte man daher Hufeisen. Vermutlich ist die Technik aber noch viel älter.

Um den Pferdehuf vor Druck, Verletzungen und Abrieb zu schützen, nagelte man Eisenstücke auf den Huf.

Die Erfindung des Hufeisens, wie wir es heute kennen, wird den Kelten zugeschrieben. Diese in etwa U-förmigen offenen Ringe bedeckten lediglich den Hufrand. Durch die Höherstellung des Hufes wurden auch die empfindliche Sohle und der Strahl geschützt.

Die Römer verwendeten Beschläge, die die Sohle komplett abdeckten. Solche Hufeisen werden heute bei bestimmten Erkrankungen des Hufes immer noch verwendet.

Im alten Ägypten kannte man „Hipposandalen“. Diese leichten Lederschuhe konnten den Huf jedoch nur bedingt schützen und hielten meistens nicht sehr lange.

Um den Pferden mehr Trittsicherheit zu geben, brachten diverse Kulturen zusätzlich Stollen unter den Hufeisen an.

Pferde und Hufeisen: Nur der Hufbeschlagschmied darf Eisen nageln

Das passende Hufeisen für ein Pferd zu finden, ist eine Kunst. Ebenso, es so anzubringen, dass es möglichst lange hält. Für jeden Typ und jede Anforderung gibt es verschiedene Modelle. Außerdem muss der Schmied den Huf so zuschneiden, dass Eisen und Huf optimal zusammenpassen.

In Deutschland dürfen nur speziell ausgebildete Hufbeschlagschmiede ein Eisen zubereiten und aufnageln. Da das Innere des Pferdehufes lebendig ist, müssen die Nägel gekonnt entlang einer bestimmten Linie gesetzt werden. Nagelt ein Schmied daneben (was in der Praxis nie vorkommt), könnte er das Pferd tödlich verletzen.

Werden empfindliche Nerven im Huf zerstört, kann der Huf unbrauchbar werden. Das Gleiche passiert, wenn sich Entzündungen bilden. Kann ein Pferd ein Bein oder einen Huf langfristig nicht mehr benutzten, entspräche das seinem Tod.

Moderne Formen der Hufschutzes

Natürlich gibt es immer noch die klassischen Hufeisen, die aus Eisen gefertigt sind. Das Metall ist besonders robust und flexibel genug unter der Last des Pferdes nicht zu zerbrechen.

Daneben gibt es heute Hufeisen aus diversen Eisen-Legierungen, Aluminium oder sogar Kunststoff.

Außerdem hat der Trend der Ägypter, die Hipposandale, wieder moderne Anhänger gefunden. Hufschuhe aus Kunststoffen und Leder gleichen modernen Sneakern, wie Menschen sie auch tragen.

Da Pferde heute grundsätzlich weniger Belastungen ausgesetzt sind, tragen viele gar keine Hufeisen mehr. In der Reitersprache sagt man zu solchen Pferden Barhufer.

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