Selfitis / Selfie-Sucht – Wenn Selbstporträts zur Krankheit werden (Bedeutung)


Selfitis ist die Bezeichnung für das krankhafte, massenhafte und ständige Aufnehmen von Selfies. Als deutscher Ausdruck wird auch „Selfie-Sucht“ verwendet.

Beide Ausdrücke – „Selfitis“ und Selfie-Sucht – legen nahe, dass das ständige Aufnehmen von Selfies schon krankhafte Züge aufweist und Ausdruck einer psychischen Erkrankung sein kann. Der deutsche Ausdruck „Selfie-Sucht“ ist da genauer. Er beschreibt das ständige Aufnehmen von Selfies als eine Abhängigkeit von Selfies und ein übermäßiges Verlangen danach Selfies aufzunehmen. Auch legt der Ausdruck „Sucht“ nahe, dass die Selbstkontrolle einer Person reduziert ist und sie das Verhalten fast zwanghaft an den Tag legt.

Übrigens: Die Selfitis kann gefährlich werden. Denn einige sind beim Versuch spektakuläre Selfies aufzunehmen schon zu Tode gekommen. Mehr dazu erfährst du im Beitrag: Was bedeutet Selfiecide, Selfmord, Killfie?

Stufen der Selfitis / Selfie-Sucht

Laut dem Satire-Magazin „The Adobo Chronicles“ gibt es drei Stufen der Selfitis:

  • Borderline Selfitis: Jemand schießt täglich mindestens drei Selfies von sich, ohne diese zu veröffentlichen.
  • Akute Selfitis: Jemand schießt täglich mindestens drei Selfies von sich und veröffentlicht sie in den Sozialen Medien.
  • Chronische Selfitis: Jemand schießt sehr viele Selfies von sich selbst und veröffentlicht mehr als sechs Selfie-Beiträge am Tag in den Sozialen Medien.

(Übersetzung von „American Psychiatric Association makes it official: ‚Selfie‘ ist eine mentale Krankheit“ – Link zum Beitrag: hier )

Anmerkung der Redaktion: Auch, wenn das Satire ist, so treffen doch die Angaben um eine Selfie-Sucht zu erkennen, recht gut zu. Jeden Tag mehr als drei Selfies von sich selbst zu machen, scheint doch bedenklich zu sein.

Anzeichen einer Selfitis / Selfie-Sucht (Selbsttest und Fragen)

Wer wissen möchte, ob er oder sie zu viele Selfies macht, kann folgende Fragen mit Ja oder Nein beantworten:

  1. Ein Selfie zu machen, gibt mir ein gutes Gefühl. Ja / Nein
  2. Ich teile Selfies, weil meine Freunde/Kollegen auch Selfies teilen. Ja / Nein
  3. Ich freue mich über die Aufmerksamkeit, wenn ich Selfies veröffentliche. Ja / Nein
  4. Selfies helfen mir beliebter zu werden. Ja / Nein
  5. Ich veröffentlichte Selfies, um Likes und Kommentare zubekommen. Ja / Nein
  6. Ich erwarte das veröffentlichte Selfies viele Likes und Kommentare erhalten. Ja / Nein
  7. Ich mache Selfies, um mich an etwas zu erinnern. Ja / Nein
  8. Ich verbessere meine Selfies durch Bildbearbeitungs- / Fotobearbeitungstechniken. Ja / Nein

Die Fragen haben keinen wissenschaftlichen Anspruch. Doch deine Antworten geben dir einen Hinweis. Hast du viele Fragen mit „Ja“ beantwortet, so kann es sein, dass du zu viele Selfies machst.

Die Lösung kann eine Selfie-Diät sein: Versuche einfach als Selbsttest eine Woche oder einen Monat keine Selfies zu machen. Schaffst du das, ist alles gut.

Selfitis / Selfie-Sucht: Spirale der Aufmerksamkeit und Bestätigung

Zugegeben die Selfie-Süchtigen rutschen in ihre Selfitis bzw. ihre Selfie-Sucht durch die Mechanismen der Sozialen Medien herein. In dieser Welt zählen Reichweite, Likes und Kommentare. Gerade im Sozialen Netzwerk Instagram zeigen die Teilnehmer die Welt und sich von ihrer schönsten und attraktivsten Seite. Wer hier für ein Selfie schon viele Likes bekommt, bekommt für weitere Selfies vielleicht noch mehr Likes.

Diese Likes sind eine Art Fremdbestätigung, dass jemand ein attraktiver Mensch ist und können dazu dienen eine Art Selbstbewusstsein aufzubauen. Dies ist natürlich gefährlich, denn hierbei entscheiden die Teilnehmer der Sozialen Medien über das Selbstbewusstsein einer Person. Diese Person macht sich davon abhängig!

Die Selfitis steht somit für ein mangelndes Selbstbewusstsein und den Wunsch von anderen akzeptiert zu werden. Wer mit einem Selfie Aufmerksamkeit erhalten oder erregen möchte, um sich besser zu fühlen, sollte über die Abhängigkeit von Social Media nachdenken.

Selfitis: Reichweite =  Beliebtheit

In den sozialen Medien wird Beliebtheit und Popularität durch Reichweite, Likes und Kommentare bestimmt. Wer sich gut fühlen möchte, braucht da viele Fans und Follower, die aktiv liken und kommentieren.

Viele Promis, Stars und Sternchen suggerieren mit ihren Selfies Erfolg. Dies führt dazu, dass viele ihnen nacheifern und auch aktiv in den sozialen Medien Beiträge veröffentlichen. Je populäre Beiträge sind, umso stärker wird der Eindruck, dass diese Person „es geschafft“ haben.

Ist die Selfitis / Selfie-Sucht echt?

Noch steht die Selfitis in keinem Verzeichnis für Erkrankungen. (Stand 2018) Doch als Phänomen wird sie schon von der Wissenschaft untersucht. Dabei wird sie mit anderen Phänomen wie der Fear of Missing Out (FOMO; Angst etwas zu verpassen) und der Nomophobie (NoMobile-Phone-Phobie; Angst kein Smartphone zur Hand zu haben) gepaart untersucht. (Statt Nomophobie wird auch Smartphone-Abhängigkeit oder Handy-Abhängigkeit gesagt.)

Die Phänomene bezeichnen gleiche Erlebnisse von Untersuchten: Personen werden unruhig, wenn sie kein Smartphone zu Hand haben. Die Personen haben Angst etwas zu verpassen. Sie haben Angst etwas zu verlieren. Sie haben Angst, dass ihre Freunde sie nicht erreichen oder das sie ihre Freunde verlieren. Auch sorgt eine Unerreichbarkeit für Stress, (depressive) Verstimmung und Nervosität. (Dies ist auch ganz normal, wer sonst sein Smartphone tagtäglich zur Verfügung hat und dann zur Abstinenz gezwungen ist, leidet unter diesem Kalten Entzug.)

Junge Menschen unter 25 Jahren sind besonders anfällig für einen vermehrten Social-Media-Konsum. Wer hier gegensteuern möchte, sollte Tätigkeiten ausüben die das Selbstbewusstsein stärker. Dies kann Sport sein, aber auch das Erlernen eines Musikinstruments oder das Ausbilden von anderen Fähigkeiten wie Schreiben, Programmieren, etc.

Was das Wort „Selfitis“ genau bedeutet

Der Ausdruck „Selfitis“ setzt sich aus dem Wort „Selfie“ und der Endung „-itis“ zusammen. „Selfie“ die Bezeichnung für ein Selbstporträt, dass mit der Frontkamera des Smartphones aufgenommen wird. Die Endnung „itis“ steht für eine entzündliche Krankheit. Vergleichbar mit Bronchitis oder Gastritis.

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