Was bedeutet Preiß, Saupreiß, Preißn? Bedeutung, Wortherkunft, Definition


„Preißn“ ist eine scherzhafte bis abwertende bayerische Bezeichnung für Deutsche aus dem Norden oder Osten.

Teils werden auch alle als „Preißn“ bezeichnet, die nicht bairisch sprechen oder nicht aus Bayern kommen. Dies führt dazu, dass internationale Besucher z.B. beim Oktoberfest als „Preißn“ bezeichnet werden. Nach welchen Kriterien dies entschieden wird, entscheidet jeder Sprecher des baierischen für sich selbst.

Gern unterscheiden die Bayern zwischen „Preiß oder Bayer?“

Grammatik: Preiß

„Preiß“ ist der Singular.
„Preißn“ ist der Plural.
„Saupreiß“ ist die Verstärkung.

Weitere Varianten sind:

Preiss, Preissn, Saupreissn, Saupreuße, Saupreusse

Wo stammt der Ausdruck „Preiß“ her?

Der Begriff geht auf das 18. und 19. Jahrhundert zurück. Die Bewohner Süddeutschland (Köngreich Bayern,Baden, Württemberg) bezeichneten Einwohner Preußens als „Preißn“. Damit waren nicht nur die Bürger Preußens gemeint, sondern auch protestantische Norddeutsche. (Die Süddeutschen waren katholisch.)

Der Ausdruck „Preißn“ entstand durch die süddeutsche Mundart und ist eine Abwandlung des Ausdrucks „Preußen“.

Später – im Deutschen Kaiserreich – bezeichneten die Bayern alle als „Preißn“, die einen norddeutschen oder ostdeutschen Dialekt hatten.

Eine geographische Grenze bildet die Germersheimer Linie(Oberdeutsche Sprachgrenze). In Altbayern werden sogar alle Deutschen nördlich des Mains scherzhaft als „Preißn“ bezeichnet.

Der Begriff wurde zum Schimpfwort als die preußische Armee die österreichischen Truppen besiegte und zur dominierenden Macht im Deutschen Bund – und später im deutschen Kaiserreich – wurde. In Süddeutschland (Bayern, Baden,Württemberg) weckte dies Missmut, da die Bayern ein Bündnis mit Österreich eingegangen waren. Die protestantischen Preußen hatten somit das katholische Süddeutschland und Österreich besiegt und formten mit den Süddeutschen das deutsche Reich.

Die Unterschiede zwischen Preußen und Bayern sorgten für einige Spannungen und Missmut:

  • Religion: Preußen war protestantisch – Bayern katholisch
  • Preußen war militärisch überlegen
  • Preußen war industriell überlegen

Mit dem Sieg der Preußen änderte sich die internationale Rolle Bayerns. War es vorher ein eigenständiges Königreich, dass diplomatisch frei agieren konnte, so musste es sich – nach 1871 – Preußen unterordnen.

Prießn in Luxemburg und Österreich

Auch in Österreich wird der Ausdruck „Preiß“ als Bezeichnung für alle Deutschen verwendet, die nicht bairisch sprechen. „Preiß“ existiert hier neben der üblichen Bezeichnung für Deutsch „Piefke“.

In Luxemburg werden als „Preis“ bzw. „Preiß“ alle Deutschen bezeichnet – ja damit auch die Bayern. Der Begriff „Preis“ wurde während der deutschen Besetzung Luxemburgs im Zweiten Weltkrieg zum Schimpfwort.

Weitere Bedeutung von Preiß

„Preiß“ ist ein verbreiteter Nachname.

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