Heißt es „Sinn ergeben“ oder „Sinn machen“? Richtige / Korrekte Grammatik, Bedeutung

Heißt es Sinn ergeben oder Sinn machen, Richtige, Korrekte Grammatik, Bedeutung


Sprache lebt. Dieser Text wurde auf einem Computer geschrieben, im Internet veröffentlich, und er wird vielleicht auf einem Handy gelesen. Jeder Versuch, den vorherigen Satz ohne Anglizismen zu schreiben, würde sich wahrscheinlich sehr komisch lesen. Aber was unterscheidet Anglizismen von Fremdwörtern, wie verwendet man diese korrekt und warum gibt es so häufig Kritik bei ihrer Verwendung? Insbesondere die Bildungssprache bedient sich schließlich ebenso vieler Begriffe aus der lateinischen oder griechischen Sprache und natürlich lässt sich letztlich jede Sprache auf eine andere, ältere Sprache zurückführen.

Sinn ergeben / Sinn machen: Anglizismus, Fremdwort oder Lehnwort

Der Duden definiert den Anglizismus als „Übertragung einer für [das britische] Englisch charakteristischen sprachlichen Erscheinung auf eine nicht englische Sprache“. Beispiele für Anglizismen sind brunchen, chatten, Gangster, hip oder cool.

Ein Lehnwort bezeichnet ein solches Wort, dass aus einer anderen Sprache in den eigenen Sprachgebrauch übernommen wurde – und dabei der eigenen Sprache angepasst wurde. Die Bluse oder die Affäre etwa, übernommen aus dem französischen (blouse bzw. l‘affaire). Ein Fremdwort bezeichnet hingegen ein aus einer anderen Sprache übernommenes Wort, das noch deutlich als solches zu erkennen ist, also nicht „eingedeutscht“ wurde. Beispiele für Fremdwörter sind die Akquise, die Bredouille, die Eloquenz oder impulsiv. Nicht immer sind Fremd- und Lehnwörter trennscharf voneinander zu unterscheiden.

Gute Fremdwörter, böse Anglizismen

Während Fremd- und Lehnwörter also gemeinhin akzeptiert sind und insbesondere aus der Fach- oder Bildungssprache gar nicht mehr wegzudenken sind, gilt der übermäßige Gebrauch von Anglizismen oftmals als verpönt oder der Jugendsprache vorbehalten. Dabei entwickeln sich Anglizismen langfristig oftmals zu akzeptierten Bestandteilen der eigenen Sprache. Niemand würde sich heute noch an Begriffen wie dem Internet stören und sogar das Handy ist mittlerweile die Standardbezeichnung für das Mobiltelefon, auch wenn es sich bei diesem Begriff um einen sogenannten Scheinanglizismus handelt.

Falsche Freunde: Scheinanglizismen

Scheinanglizismen sind „falsche Freunde“. Sie wirken wir aus einer anderen Sprache entliehen, auch wenn sie es nicht sind. Das Handy z.B. wirkt eindeutig englisch bzw. amerikanisch, dabei heißt das Mobiltelefon in Großbritannien mobile und in Amerika cellphone.

Ein anderes Beispiel ist das Shooting, also der Fototermin, der in Amerika eben nicht shooting, sondern photo shoot heißt. Auch das in Corono-Zeiten so beliebt gewordene Homeoffice kennt man im englischsprachigen Raum nicht unter der in Deutschland verwendeten Bedeutung. Dennoch: All diese Begriffe haben sich mittlerweile fest etabliert und kaum jemand kritisiert noch ihre (falsche) Verwendung.

Fachsprache oder Aufschneiderei? Sinn Machen oder ergeben?

Die Benutzung von Fremdwörtern ist oftmals dadurch bedingt, dass in anderen Sprachen bereits Bezeichnungen für Dinge oder Vorgänge existierten, die treffend genau waren und sich daher kein entsprechendes deutsches Pendant durchsetzen konnte. Oder was wären passende deutsche Wörter für den Computer, den Laptop oder die Talkshow?

Noch anders sieht es bei fachsprachlichen Termini aus. In der Medizin beispielsweise hat sich die lateinische Bezeichnung von Körperteilen und Krankheiten bewährt, niemand käme auf die Idee, diese zu kritisieren. Denn der wissenschaftliche Diskurs findet international statt und erfordert eine gemeinsame Sprachbasis. Diese ist in der Medizin die lateinische Sprache, während in der Luftfahrt beispielsweise Englisch gesprochen wird. Operiert also ein spanischer Arzt in einem italienischem OP, kann er sich mit den Kollegen ebenso sicher verständigen wie der brasilianische Pilot beim Landeanflug in Kopenhagen.

Deutsche Wörter als Fremdwörter

Übrigens findet auch die deutsche Sprache durchaus häufig Verwendung im Ausland. Und so sind Begriffe wie Zeitgeist, Weltschmerz oder Kindergarten aufgrund ihrer präzisen Beschreibungskraft als Fremd- und nicht als Lehnwörter in Italien oder Großbritannien im Einsatz. Allein in der polnischen Sprache sind über 2000 Wörter deutschen oder mittelhochdeutschen Ursprungs bekannt.

Macht das jetzt Sinn oder ergibt das Sinn?

Bastian Sick, der über viele Jahre hinweg die berühmt-berüchtigte Zwiebelfisch-Kolumne im SPIEGEL verantwortete, war sich sicher: „Sinn“ und „machen“ passen nicht zusammen. Da das Verb „machen“ mit seiner indogermanischen Wurzel in der Bedeutungstradition von „etwas fertigen, etwas herstellen“ steht, ist es in Kombination mit etwas derart Abstraktem wie dem „Sinn“ einfach fehl am Platz. Sinn kann man suchen oder finden, man kann ihn nicht physisch erschaffen und demzufolge auch nicht machen.

Und so wird die Zeit zeigen, ob der Duden im Jahre 2068 das „Sinn machen“ als korrekte Verwendungsform geadelt hat, an der niemand mehr Anstoß nimmt, oder ob sich die Sprachwächter durchsetzen konnten und man mit Schaudern an diesen und anderen „nicen Stuff“ zurückdenken wird.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

Hallo, ich bin Autor und Macher von BedeutungOnline. Bei BedeutungOnline dreht sich alles um Worte und Sprache. Denn wie wir sprechen und worüber wir sprechen, formt wie wir die Welt sehen und was uns wichtig ist. Das darzustellen, begeistert mich und deswegen schreibe ich für dich Beiträge über ausgewählte Worte, die in der deutschen Sprache gesprochen werden. Seit 2004 arbeite ich als Journalist. Ich habe Psychologie und Philosophie mit Schwerpunkt Sprache und Bedeutung studiert. Ich arbeite fast täglich an BedeutungOnline und erstelle laufend für dich neue Beiträge.


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