Anti-Abschiebe-Industrie / Asylindustrie: Was ist damit gemeint? Bedeutung erklärt


Die Ausdrücke „Anti-Abschiebe-Industrie“ und „Asylindustrie“ sind negativ-konnotierte Bezeichnungen für alle Beteiligten, die für die direkte oder indirekte Unterstützung von Flüchtlingen Geld vom Staat erhalten. Der Ausdruck „Industrie“ suggeriert einen starken Organisationsgrad, arbeitsteilige Prozesse und eine Gewinnerzielungsabsicht, sowie dass sehr viele Menschen davon profitieren.

Unwort des Jahres 2018: Anti-Abschiebe-Industrie

Der Ausdruck „Anti-Abschiebe-Industrie“ wurde zum Unwort des Jahres 2018 gewählt. Der Ausdruck sei laut der Jury ein „offensichtlicher Kampfbegriff“, der in die politische Diskussion eingeführt wurde. Mit „Anti-Abschiebe-Industrie“ wird jenen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützen, unterstellt, dass viel Geld verdienen und kriminelle Flüchtlinge schützen wollen.

Die Jury bezeichnte das Wort „Anti-Abschiebe-Industrie“ als Verstoß gegen die Prinzipien der Menschenwürde und der Demokratie. Mit dem Ausdruck würden gesellschaftliche Gruppen diskriminiert.

„Anti-Abschiebe-Industrie“ ist das 28. gewählte Unwort des Jahres in Deutschland.

Im Mai 2018 sprach der CSU-Politiker Alexander Dobrindt davon, dass in Deutschland eine „Anti-Abschiebe-Industrie“ am Werk sei, die die Bemühungen des Rechtsstaates behindere. Andere Akteure sprechen von einer „Asylindustrie“. Was ist damit gemeint?

Weiteres: Ein weiterer Begriff aus diesem Feld ist Asyltourismus. Was Asyltourismus ist, erklären wir hier.

Was bedeutet „Anti-Abschiebe-Industrie“ genau?

Das Wort „Anti-Abschiebe-Industrie“ besteht aus drei Worten:

  • Anti – griechische Vorsilbe, die „gegen“ bedeutet
  • Abschiebe – damit sind Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern und Menschen gemeint, die sich rechtskräftig nicht in Deutschland aufhalten dürfen und abschoben werden sollen.
  • Industrie – bezeichnet in diesem Zusammenhang den Organisationsgrad derjenigen, die mit Flüchtlingen und Klagen gegen abgelehnte Asylbescheide zu tun haben. Der Begriff „Industrie“ suggeriert, dass es standardisierte Verfahren gibt, Arbeitsteilung und Automatisierung.

Der Ausdruck „Anti-Abschiebe-Industrie“ kann also bedeuten, dass sich verschiedene Akteure zusammengeschlossen haben, um organisiert gegen Abschiebungen vorzugehen und Abschiebungen zu verhindern. Das alles mit dem Ziel, dass Ausländer, die als Asylbewerber abgelehnt wurden, sich weiter in Deutschland aufhalten können.

Weitere Schlußfolgerungen aus diesem Begriff „Anti-Abschiebe-Industrie“ können sein, dass Vereine und Beteiligte absichtlich dafür sorgen, dass Flüchtlinge nicht abgeschoben werden, dass Asylverfahren in die Länge gezogen werden und sich Asylbewerber damit länger in Deutschland aufhalten können.

Was bedeutet „Asylindustrie“?

Der Begriff „Asylindustrie“ ist vermutlich eine Zusammenfassung für alle Teilnehmer und Beteiligten, die im indirekten oder direkten Zusammenhang mit Flüchtlingen Geld verdienen, so z.B. für die Versorgung, Unterbringungen, usw.

Der Ausdruck „Asylindustrie“ besteht aus zwei Worten: „Asyl“ und „Industrie“.

  • Asyl – bedeutet, dass es, um Menschen geht, die in Deutschland Asyl beantragen
  • Industrie – suggeriert – wie bei „Anti-Abschiebe-Industrie auch -, dass Beteiligte an Flüchtlingen organisiert Geld verdienen. Außerdem suggeriert der Begriff „Industrie“, dass es um eine Massen, also sehr viele Menschen, geht.

Wer ist an dieser „Industrie“ beteiligt? Oder: Wer profitiert von den Flüchtlingen?

Da „Anti-Abschiebe-Industrie“ oder „Asylindustrie keine offiziellen Bezeichnungen sind, kann nicht genau gesagt werden, wer Teil dieser „Industrien“ ist und in wie fern Beteiligte profitieren. Es kann aber gelistet werden, wer von den Flüchtlingen indirekt und direkt profitiert. Denn die Flüchtlingskrise hat für viele Investitionen und neue Jobs gesorgt. (Wie der Organisationsgrad dieser Beteiligten aussieht und ob er überhaupt besteht, lässt sich nicht sagen.)

Folgende Beteiligte profitieren finanziell durch Flüchtlinge:

  • Anwälte (die gegen abgelehnte Asylbescheide klagen)
  • Architekten und Baufirmen (wenn neue Unterkünfte für Flüchtlinge gebaut werden)
  • Betreiber von Flüchtlingsheimen
  • Betreuer von Flüchtlingen
  • Bildungsunternehmen (Sprachkurse)
  • Caterer
  • Dolmetscher
  • Hotel und Hostels (die Zimmer zur Verfügung stellen)
  • Konsumgüter: Unternehmen, die Bekleidung, Möbel, Waschmaschinen, Kühlschränke, Bettwäsche, Betten, Matratzen, usw. verkaufen
  • Lehrer
  • Reinigungsfirmen
  • Sicherheitsdienste
  • Vereine, Wohlfahrtsverbände und Organisationen, die sich in Deutschland um Flüchtlinge kümmern und sich für diese einsetzen (Diese erhalten finanzielle Unterstützung vom Staat.)
  • Verlage (Wörterbücher)
  • Vermieter von Flüchtlingsheimen
  • Versorungsunternehmen (Strom, Wasser)
  • Verwaltungsangestellte

Verbreitung der Begriff „Asylindustrie“ und „Anti-Abschiebe-Industrie“

Der Begriff „Asylindustrie“ erhielt erstmalig im Februar 2014 signifikante Suchanfragen bei Google. Weitere vermehrte Suchanfragen gingen im Januar und März 2015 ein. Der Höhepunkt der Suchnachfragen war im September 2015.

Der Ausdruck „Anti-Abschiebe-Industrie“ erhielt erstmalig im Mai 2018 signifikante Suchnachfragen bei Google. Dies hängt vermutlich, mit der Aussage vom CSU-Politiker Alexander Dobrindt zusammen.

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