Was ist das Peter-Pan-Syndrom? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist das Peter-Pan-Syndrom, Bedeutung, Definition, Erklärung


Unter dem Peter-Pan-Syndrom wird ein Zustand beschrieben, in dem erwachsene Menschen sich wie Kinder fühlen. Angelehnt ist der Begriff an die Figur des „Peter Pan“ aus der gleichnamigen Novelle von J. M. Barrie. Die Hauptfigur ist ein Junge, der sich weigert, erwachsen zu werden. In der Pop-Psychologie steht er als Metapher für Menschen, die über den Körper eines Erwachsenen verfügen, aber emotional stark im Kindlichen verhaftet sind.

Was ist das Peter-Pan-Syndrom? Bedeutung, Definition, Erklärung

Dabei ist es wichtig festzuhalten, dass das Peter-Pan-Syndrom keine anerkannte psychische Störung ist. Dem Psychologen Carl Jung zufolge handelt es sich bei „Peter Pan“ um den Archetyp des Puer aeternus oder dem “Ewigen Jungen”. Dieser seit grundlegender Teil menschlicher Psyche und komme nur bei manchen Personen mehr zum Tragen. Den Mainstream erreichte die Idee aber mit der Publikation “The Peter Pan Syndrome: Men Who Have Never Grown Up„ von Dr. Dan Kiley. Seitdem wird das Konzept von verschiedenen Figuren des öffentlichen Lebens thematisiert. Hierzu zählt etwa der klinische Psychologe Jordan Peterson. Ihm zufolge sympathisieren junge Generationen vermehrt mit dem Lebenskonzept des Peter Pan.

Siehe auch: Das Gegenstück zum Peter-Pan-Syndrom ist das Wendy-Syndrom.

Wogegen wehrt sich ein „Peter Pan“?

In allen Kulturen kommt der Zeitpunkt, wo Kinder sich von ihren Eltern abnabeln. Mit diesem Prozess sind immer bestimmte Verantwortlichkeiten verbunden. Dazu zählt zum Beispiel die Erwartung zu heiraten, einen neuen Hausstand zu begründen und eine anerkannte Arbeit aufzunehmen. Kurz gesagt: Der Mensch wird erwachsen. Wer sich wie Peter Pan fühlt, der verweigert sich dieser neuern Lebensrealität. Carl Jung beschreibt den Puer Aeternus als eine Figur, die sich nicht einengen lassen will. In persönlicher Verantwortung sieht er ein Konzept, welches seine Freiheit bedroht. Anstatt den Regeln des Erwachsenenlebens zu gehorchen, flüchtet er in eine Traumwelt, in der er von den Anforderungen der Welt nicht eingefangen werden kann.

Was sind typische Anzeichen des Peter-Pan-Syndroms? Symptome, Erklärung

1. Die Unfähigkeit, sich langfristig zu binden

Ob im Beruf oder in der Liebe: Es kommt der Punkt, wo vom Partner eine Entscheidung erwartet wird. Nach der Probezeit lässt man sich fest einstellen und auf die Kennenlernzeit folgt die Beziehung. Menschen, die ein Problem mit dem Konzept der persönlichen Verantwortung haben, möchten sich oft nicht binden. Mit der Entscheidung, für oder gegen etwas, geht nämlich immer ein Stück gefühlte Freiheit verloren. Ein „Peter Pan“ lebt gerne in einer Welt der Möglichkeit, wo alles denkbar bleibt. Ob einem der Weg zu allen erträumten Lebenswegen de facto offensteht oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Es geht einzig und allein darum, sich nicht festlegen zu wollen, denn dann müsste man mit dieser Entscheidung leben lernen. Diese Verantwortung wird als unerträglich empfunden.

2. Entscheidungen werden als quälend empfunden

Jeden Tag müssen wir eine Vielzahl an Entscheidungen treffen, um uns im Leben zurechtzufinden. Im Grunde ist eine Entscheidung auch immer eine Festlegung, welche dem Puer Aeternus zuwider ist. Nicht nur bei bedeutsamen Lebensentscheidungen wird die Entscheidung verweigert. Auch bei trivialen Dingen wie Konsumentscheidungen wird die Wahl verweigert oder einer anderen Person überlassen.

3. Andere sollen sich kümmern

Viele Menschen mit Peter-Pan-Syndrom wollen gerne umsorgt werden. So wie sich die Eltern früher um alles gekümmert haben, wird diese Aufgabe an den Partner übertragen. Wer in keiner Beziehung lebt, wendet sich an Freunde und Bekannte. Nicht immer findet dieser Prozess bewusst statt. Oftmals wird einfach erwartet, dass sich die Muster der Kindheit fortsetzen.

4. Konflikte werden vermieden

Erwachsene Menschen müssen zwangsläufig Konflikte austragen. Im Streit vertritt der Puer Aeternus aber nicht seine eigenen Interessen, sondern wird von Gefühlen überrannt. Die empfundene Hilflosigkeit führt zu einem Fluchtverhalten. Deshalb wird oft versucht, Meinungsverschiedenheiten in Harmonie aufzulösen. Die Triebfeder ist jedoch nicht eine authentische Suche nach Frieden, sondern die persönliche Vermeidungshaltung.

Wie entsteht das Peter-Pan-Syndrom?

Die Gründe werden insbesondere in der Kindheit gesucht. In diesem Bezug wird vermutet, dass schlechte Erziehungsstile einen großen Einfluss ausüben. So versuchen Helikopter-Eltern ihre Kinder zu kontrollieren, sie zu Behüten und so vor negativen Einflüssen zu bewahren. Kommt es doch einmal zu Problemen, werden diese von den Eltern gelöst. Dem Kind wird keine Chance gegeben, sich selbst zu behaupten oder für Fehler einzustehen. In der Folge lernt es, dass es nicht notwendig ist, Konflikte eigenständig zu bewältigen. Die Welt wird als ein „unlösbares Problem“ dargestellt, vor dem der Nachwuchs bewahrt werden muss. Anstatt konstruktive Konfliktlösung einzuüben, verharrt das Kind in emotionaler Unreife.

So wird ihm auch die Möglichkeit genommen, sich selbst für oder gegen etwas zu entscheiden. Stets drängen sich seine Eltern in den Vordergrund und nehmen ihm alle (schwierigen) Entscheidungen ab. Es kann aber auch vorkommen, dass dem Kind all seine Wünsche erfüllt werden – in der Folge nimmt es an, dass auch im Erwachsenenleben ein Anspruch auf bedingungslose Wunscherfüllung besteht.

Befördert wird das Peter-Pan-Syndrom durch schwierige ökonomische Verhältnisse. Je schwerer es jungen Menschen fällt, die finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen, desto leichter ist es, zum Status quo zurückzukehren und Kind zu bleiben.

Ist das Peter-Pan Syndrom eine Krankheit?

Auch wenn die WHO das „Syndrom“ nicht anerkennt, so führt das Verhalten betroffener Menschen zu einer Vielzahl an Problemen. Zum einen versagt sich ein Peter Pan die Entwicklung seiner Persönlichkeit und die Entfaltung seines Potenzials. Er lebt in einem Provisorium, in dem nichts in Stein gemeißelt ist. Dies ermöglicht das Erträumen vieler Möglichkeiten und verhindert gleichzeitig, dass einer dieser Träume je Realität wird. Zum anderen kann aber auch das soziale Umfeld unter dem Verhalten leiden.

So verzweifeln romantische Partner an der für sie unerklärlichen Bindungsangst. Eine feste Beziehung wird entweder abgelehnt oder nur halbherzig eingegangen. Weitere Schritte, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, werden direkt oder indirekt abgelehnt. Während der Partner womöglich nach Heirat und Familie sehnt, zerstört der Puer Aeternus diesen Traum durch seine ängstliche Persönlichkeit.


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Aber auch im Berufsleben treten Probleme auf. Oft ist es für Betroffene schwer, überhaupt einen Job zu finden, weil die Motivation dazu nicht vorhanden ist. Wenn, dann werden nur solche Arbeiten akzeptiert, welche kein hohes Investment an Zeit einfordern und dem „Peter Pan“ möglichst viele Freiheiten zugestehen. Kann der Arbeitgeber diese Ansprüche nicht erfüllen, wird die Arbeitsstelle gewechselt. Gleichzeitig kann es aber durchaus vorkommen, dass Karriereziele formuliert werden. Diese äußern sich aber stets in Form von Träumen, an dessen Erfüllung nicht gearbeitet wird.

Mit dem Peter-Pan-Syndrom kann Narzissmus einhergehen – muss es aber nicht. In jedem Fall ist aber ein starker Ich-Bezug gegeben. Selbst hochsensiblen und empathischen Mannskindern fällt es schwer, Verständnis für die Folgen ihrer Handlungen zu entwickeln. Ein Problembewusstsein ist oftmals nicht gegeben. Stattdessen wird das eigene problematische Verhalten romantisiert. Der Satz „Ich werde nie erwachsen werden!“ – wird mit Stolz vorgetragen. Es wird verkannt, dass Selbstverantwortung nichts Schlechtes. Stattdessen wird „der Erwachsene“ zum Feindbild stilisiert. Er steht symbolisch für einen Menschen, der Freiheit, Lebensfreude und Entdeckerlust aufgegeben hat. Die Möglichkeit diese Persönlichkeitsaspekte mit Verantwortungsgefühl zu vereinen kann Puer Aeternus nicht erkennen. Auf katastrophierende Art und Weise manifestiert sich sein schwarz-weiß-denken.

Peter-Pan-Syndrom: Was können Betroffene tun?

Der wichtigste Schritt ist es, sich selber über sein Verhalten klar zu werden. Nicht immer erkennen Betroffene die Gründe für ihr Verhalten. Doch selbst wenn ein Verständnis dafür vorhanden ist, kann es schwerfallen, sich von der Vergangenheit zu lösen. Dies liegt auch daran, dass kindliches Verhalten als unzertrennbarer Teil der eigenen Persönlichkeit empfunden wird. Darum ist es wichtig, einen Willen zur Veränderung zu entwickeln und sich psychotherapeutische Hilfe zu holen.

Wie kann das soziale Umfeld helfen?

Nicht selten leiden Freunde, Bekannte und Partner unter dem Verhalten eines „Peter Pans“. Deshalb profitiert auch das soziale Umfeld davon, beim Transformationsprozess mitzuwirken. Am wichtigsten ist es, schädliches Verhalten nicht positiv zu bestärken. Am besten sollte man ein solches so gut es geht blockieren. Dies kann sehr schwierig sein, weshalb eine gemeinsame Familien- oder Paartherapie angezeigt ist.

Fazit: Peter-Pan-Syndrom

Wenn Menschen sich weigern, erwachsen zu werden, dann leidet vor allem das Umfeld. Obgleich das Peter-Pan-Syndrom keine anerkannte psychische Störung ist, sollte man es daher Ernst nehmen. Als Partner oder Freund muss man sehr viel Geduld und Verständnis mitbringen, um Akzeptanz oder zumindest Toleranz entwickeln zu können. Durch eine Therapie kann versucht werden, unterschiedliche Lebensziele in Einklang zu bringen. Psychologische Unterstützung bietet aber auch dem „Peter Pan“ die Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen. Nur so kann eine Verhaltensänderung überhaupt möglich werden.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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