Was bedeutet „verarschen“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was bedeutet verarschen, Bedeutung, Definition, Erklärung


Verarschen kommt aus dem Mittelalter. Damals ließ man die Hose herunter und entblößte den nackten als auch schmutzigen Hintern. Auf diese Art sagte die oder der Betreffende, das ihm der Adressat der Nachricht nicht nur egal, sondern sehr verhasst war. Hohn war ebenfalls damit verbunden.

Was bedeutet „verarschen“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Ob das „Verarschen“ vom Götz von Berlichingen stammt, ist nicht bekannt. Dieser soll aber gesagt haben, dass ihn seine Feinde „am Arsch lecken sollten“.

Grundsätzlich ist das Verarschen eine sehr negative und aggressive Bezeichnung, die zumindest in Österreich erlaubt ist.

Wer sagt, dass er jemanden anderen verarscht hat, umschreibt damit die den vollzogenen Betrug. Die letzte Aussage war hingegen eher bei den gebildeten Schichten zu finden.

Wird eine bestimmte Person von einer anderen hinter das Licht geführt, dann kann diese hier nichts mehr erkennen. Man kann ihr alles erzählen oder etwas erklären, ohne sie den Wahrheitsgehalt prüfen kann. Im Allgemeinen gehen alle Beteiligten davon aus, dass es hier nicht um die Wahrheiten sondern um Intrigen und Unwahrheiten geht. Ähnlich verhält es sich, wenn man vom vulgären Verarschen spricht.

Gibt es positive Seiten des Verarschens?

Im Fernsehen freuen sich viele Menschen auf Sendungen, in denen anderen jeweils ein Streich gespielt wird. Zum Schluss wird die Situation vom Showmaster vor Ort aufgelöst. Der verarschte Schauspieler, Sänger oder Politiker lacht dann darüber, obwohl er es nicht immer lustig findet.
Peinlich fanden einige Zuschauer eine Episode, bei der ein Mitarbeiter des bekannten Moderators bei einer Fahrt mit dem Berglift angehalten wurde.

Dieser wusste nicht, weshalb er in hundert Meter Höhe hing und wie lange der Zustand anhalten würde. Man merkte ihm seine Angst an. Zum Schluss stand der beliebte Schauspieler auf der Bühne und amüsierte sich zusammen mit seinem Vorgesetzten über die eingespielte Szene.

Auch Kollegen können sich über andere lustig machen. Doch es gibt Grenzen. Wo hört das Verarschen auf und wann beginnt das Mobbing? Einmalige Vorgänge, bei denen sich die Kollegen beim Opfer entschuldigen, können erlaubt sein. Handelt es sich jedoch um einen Dauerzustand mit unterschiedlichen Variationen, ist die Grenze zum Mobbing vielleicht schon überschritten.

Verarschen im öffentlichen Leben und in der Politik

Politiker und Personen, die im öffentlichen Leben stehen, tragen jeweils Verantwortung. Sie müssen sich mit Themen beschäftigen, in die sie sich nur bedingt einarbeiten können. Deshalb sind Spezialisten erforderlich, die in beratenden Funktionen Einfluss auf die zielführenden Analysen der Entscheidungsträger nehmen.

Gleichzeitig müssen die Spezialisten ihren Auftraggebern, die ihre Gehälter zahlen, Rede und Antwort stehen. Hierzu zählt die Verschwiegenheitspflicht. Um diese respektvoll zu wahren, greifen sie bei der Beratung der Politiker auf „überarbeitete“ Informationen zurück. Werden hierbei Daten und sachliche Verbindungen ausgeblendet oder angepasst, spricht der Volksmund von der Verarschung der Politiker. Diese geben nur den ihnen bekannten oder nachweisbaren Kern der Informationen an die Bevölkerung weiter.

Ist das Verwenden des Wortes strafbar?

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Verarschen auf drei Arten eingesetzt. In den direkten Formen hat der Aussage, Frage oder Feststellung. „Ich habe Sie eben verarscht!“, „Haben Sie mich ebenverarscht?“ oder „Das war eine Verarschung!“

Natürlichen Personen, die nicht gleich ein Strafverfahren wegen Verleumdung, übler Nachrede oder Betrug anstreben, beenden die betreffenden Unterhaltungen oft sofort oder wechseln das Thema.
Bei der indirekten Anwendung werden einfach falsche oder ungenaue Aussagen wiedergegeben. Mit ihnen sollen interessierte Zuhörer entweder falsch oder gar nicht informiert werden.

Sollte dieses Verarschen jedoch im Rahmen eines juristischen Prozesses vollzogen werden, führt es beim Erkennen dieser bewussten Täuschung zu ernsten juristischen Konsequenzen.

Verarscht ein Zeuge unter Eid den Richter und somit die Gerichtsbarkeit, führt sein Verhalten beim Erkennen der Lüge zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe.

Auch der Arbeitnehmer, der seinen Chef verarscht und für das Arbeitsverhältnis relevante Tatsachen verschweigt, muss mit der fristlosen Kündigung rechnen. Er hat das Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragspartnern verletzt.

Letztlich darf ein Immobilienmakler, Händler oder der private Verkäufer eines Hauses oder Autos den späteren Käufer nicht verarschen. So hat er gewissenhaft alle ihm bekannten Schäden oder wertmindernden Eigenschaften schriftlich aufzuführen und dem Erwerber vor dem Kauf mitzuteilen. Sonst ist er – auch wenn er nur verarscht hat – zum Schadensersatz verpflichtet und riskiert eine empfindliche Strafe.

Das Verarschen als Ehrverletzung?

Wer einen anderen hinter das Licht führt und ihn somit verarscht, fügt ihm gegebenenfalls eine Ehrverletzung zu. Das betreffende Opfer muss sich nicht einmal als solches verletzt fühlen. Es reicht aus, wenn sich ein unbeteiligter Dritter bei einer ähnlichen Äußerung auch verletzt fühlen würde. Wichtig ist die gezielte oder beabsichtigte Herabwürdigung an.

Sollte ein Beamter wie ein Polizist bei einer Straßenkontrolle von einem Autofahrer aggressiv gefragt werden, ob dieser ihn verarschen wolle, kann es sich um eine Beamtenbeleidigung handeln. Diese würde im Folgenden mit einem Bußgeld belegt werden.

Fazit: Was bedeutet „verarschen“?

Der Begriff Verarschen stammt aus dem Mittelalter. Er wurde als aggressive Form der Verunglimpfung verwendet. Außerdem soll es vorgekommen sein, dass Menschen einander den nackten Hintern gezeigt haben, um ihre Aussagen zu unterstreichen.

Verarschen ist mit den Begriffen hinters Licht führen, hintergehen oder betrügen verwandt. Allerdings ist er vulgär und dürfte nur vom einfachen Volk eingesetzt worden sein. Gehobene Schichten verwendeten ihn nur, um eine extreme Lüge zu umschreiben.

Wer den Begriff Verarschen verwendet, sollte wissen, dass er auch als Ehrverletzung gedeutet werden kann. Diese wiederum lässt sich strafrechtlich verfolgen und mit einem Bußgeld belegen.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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