Was bedeutet “knorke”? Bedeutung, Definition, Erklärung, Wortherkunft

Was bedeutet knorke, Bedeutung, Definition, Erklärung, Wortherkunft


Das umgangssprachliche Wort knorke ist vorrangig im Berliner Raum bekannt, es bedeutet „sehr gut“, „klasse“, „gut gemacht“ „wirklich zufriedenstellend“. So ähnlich bezeichnen die Menschen heute einen Umstand, eine Handlung oder Sache als cool.

Herkunft und Geschichte von “knorke”

Der etymologische Ursprung des Wortes gilt als ungeklärt, es könnte aber eine Herleitung vom Ausdruck knocke geben, der im 19. Jahrhundert in etwa für „eine Handvoll“ verwendet wurde, was gleichzeitig bedeutete, dass man damit zufrieden war. Sprachforscher können die Verwendung von knorke seit 1916 im Berliner Raum nachweisen. In den 1920er- bis 1930er-Jahren war es ein beliebtes Modewort, das zur „Berliner Schnauze“ gehörte wie „icke, dette, kieke mal“, aber auch im Kabarett und im Zeitungsjournalismus verwendet wurde. Im Westberliner Sprachgebrauch starb es wohl später aus, doch in Ostberlin wird es von älteren Jahrgängen auch in den 2020er-Jahren noch gelegentlich verwendet.

Berühmte Verwender*innen von “knorke” waren:

Claire Waldoff (1884 – 1957): Sie soll sogar die Schöpferin des Wortes gewesen sein, was aber ein Mythos sein könnte. Waldoff war ihrerzeit eine berühmte Kleinkunstinterpretin und Volkssängerin, die mit Chansons im Berliner Dialekt berühmt wurde. Damit hat sie wahrscheinlich knorke populär gemacht.

Heinrich Rudolf Zille (1858 – 1929): Der Maler, Grafiker und Fotograf fand auch sehr vieles knorke, was wahrlich zu seiner knorkigen Kunst mit lokalpatriotischen und sozialkritischen Pinselstrichen passte.

Bruno Alfred Döblin (1878 – 1957): Der deutsche Psychiater war auch ein volkstümlicher Schriftsteller, der in seinen Romanen, Novellen und satirischen Essays knorkige Polemiken verfocht.

Emil Erich Kästner (1899 – 1974): Als Kabarettdichter hatte Kästner seine größte Zeit in der Weimarer Republik. Er schrieb gesellschaftskritisch und antimilitaristisch, wobei er vieles ablehnte, manches aber auch echt knorke fand. Kästner blieb nach 1933 in Deutschland, obgleich er mit Berufsverbot und Schikanen leben musste. Seine Bücher wurden verbrannt, er sah dem grässlichen Treiben als einziger Schriftsteller seiner Zeit zu.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935) bediente sich gelegentlich des Ausdrucks knorke, hielt ihn aber schon Mitte der 1920er-Jahre für veraltet.

Weitere Überlegungen zu knorke

Agathe Lasch war eine Berliner Germanistin. Sie behauptete im Jahr 1928, dass jemand gesagt hätte, dass „Knorkes Buletten die besten“ seien. Es muss wirklich einen Händler namens Knorke im nördlichen Berlin gegeben haben, der auf schlichte Weise seine Ware anpries und allein aus phonetischen Gründen das Wort knorke zum Hit machen konnte (so die Überlegung von Lasch). Da er Fabriken belieferte, konnte sich der typische Berliner Wortwitz unter den Arbeitern schnell verbreiten.

Darüber hinaus erfuhr das Wort wohl in den 1930er-Jahren eine gewisse Karriere, denn auch die norddeutsche Jugend muss es gekannt haben: Der aus Hamburg stammende Altkanzler Helmut Schmidt erwähnte es 2010 bei Sandra Maischberger. Schmidt hatte eine andere Theorie zur Herkunft des Wortes: Seiner Meinung nach gab es im Berliner Zoo ein beliebtes Nilpferd mit dem Namen Knorke. Penibel machten sich Sprachforscher in den Jahren nach 2010 auf Spurensuche, um die Herleitung des Altkanzlers zu verifizieren, mussten aber betrübt feststellen, dass er sich geirrt hatte: Es gab in der Tat einst ein berühmtes Nilpferd in Berlin, doch es hieß Knautschke. Dennoch trugen die Berliner Zootiere zum Weiterleben von knorke bei.

Im Jahr 1956 schrieb ein Berliner Bekleidungsunternehmen einen Wettbewerb unter Schülern aus, weil es dem Zoo in Berlin einen Gorilla geschenkt hatte. Die Kinder sollten einen Namen für das Tier finden: Knorke gewann, so hieß fortan der Gorilla, der sich alsbald größter Beliebtheit erfreute. Die Kinder fanden ihn nämlich „toll“ und „klasse“. Knorke ist auch nicht wirklich ausgestorben: Die deutsche Rockband Knorkator leitete ihren Namen aus diesem Wort her.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

Hallo, ich bin Autor und Macher von BedeutungOnline. Bei BedeutungOnline dreht sich alles um Worte und Sprache. Denn wie wir sprechen und worüber wir sprechen, formt wie wir die Welt sehen und was uns wichtig ist. Das darzustellen, begeistert mich und deswegen schreibe ich für dich Beiträge über ausgewählte Worte, die in der deutschen Sprache gesprochen werden. Seit 2004 arbeite ich als Journalist. Ich habe Psychologie und Philosophie mit Schwerpunkt Sprache und Bedeutung studiert. Ich arbeite fast täglich an BedeutungOnline und erstelle laufend für dich neue Beiträge.


Gefällt dir BedeutungOnline.de? Wenn du BedeutungOnline.de nützlich findest, dann nimm dir bitte eine Minute Zeit und gib mit einer Spende etwas zurück. Schon eine kleine Spende hilft BedeutungOnline weiter für dich zubetreiben und neue Artikel zu schreiben. Mehr Infos, wie du BedeutungOnline.de unterstützen kannst, findest du hier. Danke! Melde dich für den persönlichen BedeutungOnline.de-Newsletter an. Das geht hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.