Was sind „Dark Stores“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was sind Dark Stores, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der Begriff „Dark Store“ (auch: Dotcom Center oder Dark Supermarket) bezeichnet ein Distributionszentrum, das ausschließlich dem Onlinehandel dient. Das sogenannte dunkle Geschäft ist in der Regel ein großes Lager entweder für den Click-and-Collect-Service (Kunden holen sich ihre online bestellten Artikel ab) oder für die Endbelieferung der Kunden nach ihren Onlinebestellungen durch Lieferdienste (häufiger). Europäische Dark Stores entstanden schon in den sehr frühen 2000er-Jahren im Vereinigten Königreich, wurden anschließend auch in Frankreich und schließlich in der gesamten EU aufgebaut. Ähnlich verlief die Entwicklung auf globaler Ebene. Ohne Dark Stores ist der Onlinehandel nur schlecht durchführbar.

Was sind „Dark Stores“? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der Dark Store ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wenn sich Kunden dort online bestellte Waren abholen, geschieht das in einem Warenausgabebereich. Dennoch kann der Dark Store innen einem herkömmlichen Supermarkt stark ähneln. Die Waren wie Lebensmittel und andere Einzelhandelsartikel lagern in Regalen, aus denen sie von Mitarbeitern entnommen werden. Die Regale können sehr hoch sein, weil kein Kunde die Ware von Hand entnehmen muss. Die Beschäftigten nutzen in diesem Warenlager oft Gabelstapler. Da es für den Dark Store nicht auf Laufkundschaft ankommt, muss er seinen Standort nicht in der teuren Innenstadt haben. Hauptsächlich baut der Handel die Dark Stores in Gewerbezentren mit einer guten Verkehrsanbindung auf. Die Gebäude sind sehr zweckmäßig und wirken unscheinbar. Sie müssen nicht einmal viele Fenster haben. Es gibt innen keine Kassen und natürlich auch keine Produkberatung. Die Platzausnutzung erfolgt optimal nach den Bedürfnissen der Logistik, nicht nach denen des Einzelhandels.

Arbeitsweise im Dark Store

Die Bestellungen für den Dark Store gehen online ein. Sie werden bearbeitet und an die Logistik weitergegeben. Da sie von vornherein digital generiert wurden, sind sie in der Regel schon für die optimale Kommissionierung vorbereitet. Diese übernimmt dann das Personal im Dark Store. Im deutschen Sprachraum heißt dieser Beruf Kommissionierer, im angloamerikanischen Sprachraum ist es der Personal Shopper. Die Logistik in solchen Stores ist heute vollständig digitalisiert. Die Kommissionierer arbeiten mit Scannern und Tablets, finden die Waren in den Regalen, entnehmen sie (nötigenfalls auch mit Gabelstaplern und anderem geeigneten Gerät für Hochlager) und bringen sie in kleineren Wagen zum Warenversand oder zur Warenausgabe. Schon seit einigen Jahren gibt es auch Roboter, welche die Waren den Regalen entnehmen können. Bereits 2013 eröffnete der Händler Tesco in Erith einen relativ großen Dark Store mit 30.000 Produktlinien, der fast vollständig automatisch funktioniert. Am Warenversand werden die Bestellungen in Lieferfahrzeuge umgeladen und zu den Kunden transportiert. Das Wiederauffüllen der Regale erfolgt zu einer bestimmten Tageszeit, normalerweise sehr früh am Morgen. Große Händler setzen inzwischen auf das Modell der Dark Stores, so in den USA Toys-R-Us. Der Spielzeughändler hat etliche seiner konventionellen großräumigen Stores zu Dark Stores umgebaut. Teilweise läuft in den Stores sogar parallel das traditionelle Geschäft weiter.

Spezialisierung von Dark Stores

Einige Dark Stores haben sich auf eine bestimmte Warengruppe spezialisiert, so beispielsweise auf Lebensmittel, Bekleidung, Elektronik oder Haushalts- und Elektrogeräte. Mit einem höheren Spezialisierungsgrad sinken die Kosten noch weiter, die an sich schon deutlich unter denen des Einzelhandels samt Großlager liegen. Nicht nur die günstigeren Mieten in Gewerbegebieten, sondern auch die niedrigeren Kommissionierungskosten beim Onlinehandel senken den Aufwand. Nach brancheninternen Berechnungen spart der Lebensmittelhandel durch Dark Stores rund 35 – 40 % seiner Logistikkosten.

Europäische Entwicklung des Dark-Store-Konzepts

Vorreiter waren in Europa wie erwähnt die Briten. Der britische Händler Sainsbury’s wandelte Anfang der 2000er-Jahre ein Distributionslager im Londoner Park Royal in einen Dark Store um, wobei dieser mangels ausreichender Nachfrage kurz darauf wieder geschlosen werden musste. Es folgten aber weitere Dark Stores, unter anderem in Bromley-by-Bow (East London), Aylesford (Kent)und Croydon (Surrey). Die britische Handelskette Tesco gehörte zu den Vorreitern. Diese Art des Geschäfts wurde erst ab 2009 als Dark Store bezeichnet, es gab sie aber schon früher. Sie entwickelte sich mit der Zunahme des Onlinehandels. Dark Stores wurden zunächst vor allem dort aufgebaut, wo die Kunden schon in den frühen 2000er-Jahren stark online einkauften, also vor allem in ländlich geprägten Regionen mit einer nicht so starken Einzelhandelsstruktur. Tesco betrachtet heute das Dark-Store-Format als effizienteres Instrument für die Anforderungen des Onlinehandels und eröffnet schon seit 2013 jährlich rund einen neuen Dark Store.

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