Was ist Victim Blaming? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Victim Blaming, Bedeutung, Definition, Erklärung


Der englische Begriff „Victim Blaming“ bedeutet wörtlich übersetzt auf deutsch „Opfer beschuldigen“ bzw. als Substantivierung „Opfer-Beschuldigung“. Dabei handelt es sich um eine Täter-Opfer-Umkehr, bei der die Schuld für ein Vergehen bei dem Opfer gesucht wird.

Ein einfach zu erklärendes Beispiel hierfür ist das Veröffentlichen von privaten Bildern. Hier wird oft nicht der Täter dafür verurteilt, die Bilder nicht vertraulich behandelt zu haben. Stattdessen wird dem Opfer vorgeworfen, es hätte die Bilder nicht aufnehmen sollen und sei selbst schuld an der Situation. Versucht sich das Opfer zu wehren, wird es häufig lächerlich gemacht, da es selbst verantwortlich sei.

Was ist Victim Blaming? Bedeutung, Definition, Erklärung

Victim Blaming tritt auch infolge von häuslicher Gewalt, Vergewaltigungen oder rassistischen Übergriffen auf. Die Ursache für einen Übergriff wird hierbei nicht beim Täter, sondern im „provokativen“ Verhalten des Opfers gesucht. Aus diesem Grund sind insbesondere Frauen, aber Angehörige von ethnischen Minderheiten häufig Opfer von Victim Blaming.

Der Begriff „Victim Blaming“ wurde in den 1970ern in den USA begründet, um eine Strategie in der Strafverteidigung zu beschreiben, in der Opfern von Vergewaltigungen die Schuld an der Tat zugeschrieben wird, beispielsweise um den mutmaßlichen Täter zu entlasten. Gleichzeitig beschreibt der Begriff auch eine Verteidigungsstrategie bei rassistischen Übergriffen. 1971 beschrieb der Psychologe William Ryan in dem Buch „blaming the victim“ Victim Blaming als eine Ideologie, welche Rassismus gegen Afroamerikaner rechtfertigen soll.

Mittlerweile ist der ursprünglich aus dem juristischen und psychologischen Bereich stammende Begriff im Alltag angelangt. Insbesondere durch die MeToo-Bewegung der letzten Jahre ist die Täter-Opfer Umkehr im Rahmen von sexueller und häuslicher Gewalt ein häufig angesprochenes und kritisiertes Thema geworden. Auch Gerichtsverfahren, in denen die Kleidung des Opfers zum Gegenstand der Verhandlung wird, werden vermehrt als ungerecht und unangemessen wahrgenommen. Trotz dessen gibt es des Öfteren Fälle, in denen die Victim Blaming Strategie vor Gericht erfolgreich ist: So wurde im Jahr 1999 ein mutmaßlicher Vergewaltiger aufgrund der Kleidung, welche die Frau zum Tatzeitpunkt anhatte freigesprochen und im Jahr 2018 wurde der Vergewaltiger einer 17-Jährigen freigesprochen, da diese den Mann zuvor geküsst hatte. Tatsächlich müssen die Opfer sexualisierter Gewalt noch immer in Gerichtsverfahren die Wahrheit ihrer Aussagen stärker beweisen, als dies bei den Tätern der Fall ist, was in der Folge zu mehr ungerechtfertigten Freisprüchen und weniger schweren Verurteilungen führt.

Victim Blaming = Das Opfer soll selbst schuld sein

Die Auswirkungen dessen betreffen insbesondere Opfer von sexualisierter Gewalt in ihrem alltäglichen Leben. So sind laut einer Studie der EU-Kommission denken mehr als 10 % aller Europäer, dass eine weibliche Person, die unter dem Einfluss von Substanzen steht, sexualisierte Gewalt verdient habe. Auch Vorwürfe, man sei selbst schuld, sich in gefährliche Gegenden aufzuhalten oder sich mit den falschen Menschen zu treffen führen dazu, dass Opfer von sexualisierter Gewalt werden weniger ernst werden. Stattdessen wird ihnen vorgeworfen, die Situation selbst provoziert zu haben. (Dies führt in der Folge dazu, dass Betroffene die Straftaten häufig aufgrund der Angst vor Stigmatisierung nicht zur Anzeige bringen.)

Darüber hinaus ist Victim Blaming wie die Frage „Was hattest du an“ für die Opfer verletzend und kann zu einer Traumatisierung führen. Auch hinaus suchen viele Frauen aufgrund von alltäglichem Victim Blaming die Schuld für Übergriffe und sexuelle Gewalt zunächst bei sich und in dem eigenen Verhalten. In diesen Fällen sorgen Scham- und Schuldgefühle dafür, dass die Opfer die Straftat verschweigen.

Von gesellschaftlich verankertem, alltäglichen Victim Blaming sind nahezu alle Frauen in Ihrem Leben betroffen. Dies beginnt für häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter, etwa wenn ihnen geraten wird, einen bestimmten Weg niemals alleine zu gehen oder zu einer Party lieber ein anderes Outfit anzuziehen. Dies führt dazu, dass Frauen die Verantwortung dafür, sexualisierte Übergriffe zu verhindern bei sich sehen und etwa nachts nur in Gruppen aus dem Haus gehen oder immer Pfefferspray zur Verteidigung bei sich tragen.

Aber auch außerhalb von sexualisierter Gewalt kann Victim Blaming auftreten. So wird Opfern von häuslicher Gewalt häufig vom Partner vorgeworfen, gewaltsame Übergriffe zu provozieren oder durch ihr Verhalten selbst Schuld an der Gewalt zu sein. Hier findet ebenfalls ein Prozess der Täter-Opfer-Umkehr statt, durch welchen die Opfer die Verantwortung für die Gewalt bei sich suchen. Auch Gewalt gegenüber Minderheiten wird häufig mit dem Verhalten dieser begründet. Darüber hinaus nutzen Narzissten Victim Blaming als Strategie, eigene Machtpositionen zu behaupten. Auch bei anderen Übergriffen wie Stalking oder Mobbing wird häufig Victim Blaming eingesetzt.

Victim Blaming: Fazit und Bedeutung

Victim Blaming kann für Opfer häufig traumatisierend sein oder andere schwerwiegende psychische Folgen haben. Deshalb ist für Opfer von Gewalt, die unter Victim Blaming leiden eine psychologische Betreuung sinnvoll. Darüber hinaus können sich die Opfer auch gegen die Verleumdung zur Wehr setzen. Denn nach dem deutschen Strafgesetzbuch sind Behauptungen mit diffamierendem Inhalt, die nicht bewiesen werden können, eine Beleidigung, die zur Anzeige gebracht werden kann.

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